„Klassenkampf von oben nach unten“

27. April 2019  Ortsvorstand, Presse, Redaktion

Er möchte das Konzept einer verbinden Klassenpolitik vorstellen. Doch mit seinem Buch „Neue Klassenpolitik – Solidarität der Vielen statt Herrschaft der Wenigen“ zeigt Bernd Riexinger auch viele Missstände und Ungereimtheiten auf, die für die meisten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland längst Gewohnheit geworden sind, auf.
SCHWÄBISCH GMÜND (esc). Der Vorsitzende der Partei Die Linke war am Freitagabend zu einer Lesung mit anschließender Diskussion zu Gast im Bunten Hund in Schwäbisch Gmünd.
Vorgestellt hat ihn der Gmünder  Gemeinderatskandidat Alexander Relea- Linder (Die Linke), der in seiner Einführung nicht ohne Stolz darauf hinwies, dass seine Partei für die Kommunalwahlen am 26. Mai 41 Kandidaten auf der Liste für den Gmünder Gemeinderat hat. „Und es wird in Gmünd keine AfD im Gemeinderat geben“, so Relea-Linder. „wir hoffen, dass wir unsere drei Mandate erhalten und möglichst ausbauen können.“
Bernd Riexinger kennt Schwäbisch Gmünd aus seiner Zeit als Geschäftsführer der damaligen Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen. Er erinnert vor allem die hiesigen Streikbetriebe der damaligen Zeit: „Das waren die damalige Gmünder Ersatzkasse, Horten und Möbel Unger“, erklärt er seinen Zuhörerinnen und Zuhörern. Riexinger ist sei 2017 Mitglied des Bundestages, in der er über die Landesliste Baden-Württemberg gewählt wurde.
Neben den sozialpolitischen Auszügen aus seinem Buch, schweifte Riexinger auch ab, zum Beispiel zur Europa-Wahl. „Die nimmt ja niemand so richtig ernst. Dabei ist sie wichtig. Das ist eine Richtungswahl. Und die Rechte droht noch stärker zu werden.“, befürchtet Riexinger. Anhand zahlreicher Beispiele aus dem deutschen Arbeitsleben zeigte der Autor und Politiker in seinem Buch auf, wie sich die Arbeitswelt hierzulande  verändert hat. „Es ist ein Klassenkampf von oben. Die soziale Kluft ist heute so groß, wie vor dem ersten Weltkrieg. 1913 gingen 40 Prozent des nationalen Gesamteinkommens an das reichste Zehntel der Bevölkerung. Und genau so ist es heute wieder.“
Als ursächlich für soziale Ungerechtigkeit sieht er unter anderem die Entwertung der Löhne durch Leiharbeit, Werksverträge, Befristung, Scheinselbstständigkeit und Subunternehmen. „Nicht die Menschen, die trotz Arbeit wenig verdienen sind sozial schwach, sondern die Verhältnisse.“

Rems Zeitung, 29.04.2019