Rede anlässlich der Gmünder Erklärung

28. Dezember 2015  Gemeinderat, Redaktion, Sebastian Fritz

Sebastian FritzLiebe Bürgerinnen,

liebe Bürger,

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden auf diesem unsrigen Marktplatz Militärparaden der Nationalsozialisten unter großem Beifall der Bevölkerung abgehalten. Heute stehen wir hier, um nach dem feigen Brandanschlag gegen den Neubau der Flüchtlingsunterkunft auf dem Hardt ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für eine offene bunte Stadt Schwäbisch Gmünd zu setzen!
Das zeigt zweierlei:
Zum einen ist das dunkle Kapitel unserer Geschichte lange vorbei und zum anderen sehen wir uns heute wieder mit Menschen konfrontiert, die ähnliche Ziele wie die Nazi`s der damaligen Zeit verfolgen und sich in Teilen diese Zeit wieder herbei sehnen. Das können wir nicht akzeptieren und deshalb sind wir hier!

Schwäbisch Gmünd hat sich bereits früh entschieden einen anderen Weg in der Arbeit und im Umgang mit den Flüchtlingen zu gehen. Der Gmünder Weg wurde zum Synonym für eine offene Willkommenskultur, die die Menschen mitnimmt und ihnen ihren Platz in der Bürgergesellschaft bereithält. Dies fand in den Medien landauf und landab großen Wiederhall und Sie Herr Oberbürgermeister und ihr ganzes Team haben gezeigt, dass man durch entschlossenes und flexibles Handeln eine ganze Stadt auf diesem Weg mitnehmen kann! Für dieses weitsichtige, mutige und entschlossene Handeln gebührt allen Beteiligten, den vielen Ehrenamtlichen die in der Flüchtlingsarbeit tätig sind und allen voran Ihnen Herr Oberbürgermeister Dank und Anerkennung!

Mit der Mahnwache am 1. Weihnachtsfeiertag und der heutigen Veranstaltung machen wir deutlich, dass wir diesen Gmünder Weg unbeirrt weitergehen und ihn schon gar nicht von Feinden der Demokratie, die an die Stelle der offenen Bürgergesellschaft Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit setzen kaputt machen lassen werden!

Der 24. Dezember hat viele Menschen geschockt, die bisher gedacht haben, das kann bei uns nicht passieren. Mir ging es auch so. Erst vor kurzem wurden von der ARD Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass es in Deutschland von Jahresbeginn bis Mitte Dezember 850 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte gab. Leider gehört Schwäbisch Gmünd nun auch dazu. Das macht meines Erachtens aber auch deutlich, dass Rechtsradikale und sogenannte Trittbrettfahrer mit rechtem Gedankengut keine Ausnahmeerscheinung, sondern leider in Deutschland und auch bei uns auf dem Vormarsch sind. Hier ist entschiedenes Handeln von allen demokratischen Kräften und den Strafbehörden gefragt! Wir alle sind aufgerufen wachsam zu sein und im privaten wie auch am Arbeitsplatz Vorurteilen und Unwahrheiten mit Fakten zu begegnen. Vielen Dank!