Raupen werden nicht vom Hubschrauber aus bekämpft

In diesem Jahr wird es „keinen flächenmäßigen Einsatz nach dem Biozidrecht im Raum Gmünd geben“. Mit diesem Satz, den Ralf Wagenknecht am Mittwoch als Pressesprecher des Ostalb-Landratsamtes auf Anfrage der Gmünder Tagespost sagte, sorgte er bei vielen Bürgern für Erleichterung, bei anderen für Skepsis. Denn im Raum stand, dass das Landratsamt vom Hubschrauber aus das Mittel Dipel-ES versprühen lässt, um den Eichenprozessionsspinner zu bekämpfen.

Hoch umstritten

BUND-Regionalgeschäftsführer Andreas Mooslehner bestätigt, dass es eine Besprechung zwischen Vertretern des Landratsamts und der Naturschutzverbände zu diesem Thema gegeben hat. Dabei sei eine Karte mit den vorgesehenen Gebieten für flächenmäßige Insektizidbekämpfung ausgeteilt worden – und darauf sei auch das Taubental eingezeichnet gewesen.

Linke-Stadtrat Sebastian Fritz fragte deshalb im Gemeinderat an. Immerhin sei die Verteilung des Mittels Dipel-ES per Helikopter hoch umstritten. In der Tat: Das Umweltbundesamt sieht den Hubschraubereinsatz in der Bekämpfung von Eichenprozessionsspinnern „nur dann verhältnismäßig, falls ein flächiges Absterben des Baumbestandes droht und durch die Behandlung das Absterben wahrscheinlich abgewendet werden kann“. Auch die Bestände von Singvögeln und Fledermäusen könnten durch Dipel-ES aus der Luft beeinträchtigt werden. Im Taubental, mahnt Mooslehner, wäre auch ein Waldbiotop betroffen, wenn das Mittel per Hubschrauber weitläufig verteilt würde.

Doch ein solcher Einsatz ist nach den Worten Ralf Wagenknechts vom Ostalb-Landratsamt nun vom Tisch. In Frage komme noch ein lokal begrenzter Einsatz vom Boden aus – eine Bekämpfung an besonders stark befallenen Bäumen.

Notfalls Gebiete sperren

Das Gleiche prüft nun die Stadtverwaltung, wobei sie sich mit dem Landratsamt natürlich abspreche. Rathaussprecher Markus Herrmann bedauert, dass der Hubschraubereinsatz abgesagt wurde. Immerhin seien die feinen Härchen der Raupen für Menschen sehr gefährlich (siehe auch „Gefährlicher Kontakt mit Härchen“). Nun müsse die Stadt schauen, wie sie stark befallene Gebiete „in den Griff bekommt“, zum Beispiel mit Biozid-Einsätzen vom Boden aus. Besonders befallen sei der Taubental-Wald bei Wetzgau – und dort seien die Raupen sehr nahe am Naherholungsziel Himmelsgarten sowie an beliebten Wander- und Spazierwegen.

Wenn die Experten den Befall nicht eindämmen können, bleibe letzten Endes nichts anderes übrig, als den Naherholungsraum zu sperren, sagt Markus Herrmann – und das im Jahr der Remstal-Gartenschau.

© Gmünder Tagespost 17.04.2019 20:43