Räte wollen Bad ohne Risiko

Schwäbisch Gmünd. Gmünds Ratsfraktionen haben am Mittwoch in der Haushaltsdebatte nochmal ihre Positionen zu einem neuen Hallenbad dargestellt. Vier Angebote zeigen, „dass unser Standort durchaus attraktiv ist“, sagt CDU-Sprecher Alfred Baumhauer. Die Stadt müsse dies weiterbetreiben. Dabei müssten „die Risiken berechenbar bleiben“ und Chancen genutzt werden. Die CDU-Fraktion unterstütze die Prüfung eines Hallenbadneubaus mit Wellness- und Familiencharakter. Die Beteiligung eines Investors sei dabei „nicht vorgegeben“, sondern werde sorgfältig geprüft. „Wir gehen ergebnisoffen an die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten.“ Was Baumhauer dabei „bemerkenswert“ findet: die Anteilnahme an der Diskussion nicht nur durch Gmünder, sondern über Schwäbisch Gmünd hinaus.

Die SPD verfolgt mit Interesse die Angebote der Bewerber, sagt SPD-Sprecherin Sigrid Heusel. Dabei müsse man nach den Risiken schauen. „Wenn es nur den Hauch eines Risikos gibt, müssen wir neu überlegen“, sagt Heusel. Wünschenswert wäre für die SPD, dass der frühere Gartenschau-Parkplatz allein für ein Hallenbad ausreichen würde.

Bei nur einem Hauch von Risiko neu überlegen.

Sigrid Heusel, SPD-Fraktion

Die Grünen heben beim Hallenbad stark auf Gmünds Finanzen ab: Das Angebot an einen privaten Investor enthalte die „kreditähnliche Sicherung der 30-jährigen Zahlung von jährlich 1,7 Millionen Euro“, sagt Grünen-Sprecher Gabriel Baum. Diese Zahlungsverpflichtung entspreche einem Kredit von 35,5 Millionen Euro bei einem Zinssatz von 2,5 Prozent. Die Grünen könnten dem Haushalt 2018 „einigermaßen beruhigt zustimmen, wenn wir uns beim Hallenbad nicht langfristig einem Dritten gegenüber finanziell verpflichten und darüber hinaus das Ausfallrisiko tragen“, sagt Baum.

„Sollte das gewünschte Hallenbad im Bahnhofsareal kommen, wird dort ein weiteres wuchtiges Gebäude entstehen“, hebt Bürgerliste-Sprecher Ullrich Dombrowski auf Klima und Luft ab. Denn „diese baulichen Maßnahmen grenzen den Frischluftaustausch unserer Stadt nachhaltig ein“. Die Bürgerliste (BL) fordert deshalb, dass vor weiteren Baumaßnahmen in der Stadt ein Klimagutachten erstellt wird. Abzuwarten bleibe, welche Varianten die vier Bewerber vorschlagen: „einen Ersatz unseres Hallenbades oder ein Wellnessbad“. Fest steht für die BL-Fraktion, dass der Stadt keinesfalls eine höhere Belastung erwachsen darf, als sie durch das derzeitige Hallenbad verursacht wird“. Zurzeit sind dies 1,7 Millionen Euro im Jahr. Ein höherer Kostenaufwand überfordere die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt.

Die Risiken müssen berechenbar bleiben.

Alfred Baumhauer, CDU-Fraktion

Ein Hallenbad zu bekommen, unter „den entsprechenden finanziellen Rahmenbedingungen“, das wäre für Karin Rauscher, Sprecherin der Fraktion Freie Wähler Frauen FWF, „auf jeden Fall ein Gewinn“. Sie fand die Bezeichnung „Spaßbad“ angesichts der Dimensionen und der Vielfalt des Angebots „schon immer als zu einfach dahingesagt“. Schließlich gehe es um Schwimmsport, Schwimmunterricht sowie Wellness und Gesundheit in der Freizeit.

Ein Klimagutachten will auch die Fraktion Die Linke, bevor „wir über weitere Projekte in den Hanglagen diskutieren“, sagt Linke-Sprecher Sebastian Fritz. Taubental und Nepperberg seien ein Geschenk für die Stadt und das Stadtklima. Der Schutzstatus des Taubentals müsse mit den Naturschutzverbänden langfristig gesichert werden. Die Linke warnt davor, dass ÖPP-Projekte mit privaten Investoren von großem Risiko für die Stadt seien, nicht für den Investor. Deshalb rät die Fraktion „von dem ungewissen und riskanten Abenteuer eines durch Investoren vorfinanzierten Bades“ ab.

Das neue Hallenbad – aktueller Stand und Planung

Eine Bäderkommission aus Vertretern des Gemeinderates, der Stadtverwaltung und der Bäderbetriebe prüft zurzeit die Bewerbungen der vier Investoren für ein Familien- und Freizeitbad am Gleispark. Im April und Juni gibt es dazu Dialogrunden. Im Juli entscheidet der Gemeinderat über die Fortsetzung des Verfahrens. Die Bewerbungen werden in der VHS ausgestellt. Wird das Verfahren fortgesetzt, entscheiden der Gemeinderat und die Bürger im Oktober. mil

© Gmünder Tagespost 01.03.2018 18:34