Räte stehen hinter Bosch-Mitarbeitern

05. Dezember 2019  Gemeinderat, Presse, Redaktion, Sebastian Fritz

Sprecher aller Ratsfraktionen haben am Mittwoch im Stadtgarten bei der Sitzung über die Wirtschaft in Gmünd und die Situation bei Bosch AS Mitarbeitern den Rücken gestärkt. Sie forderten das Unternehmen auf, Verträge einzuhalten und Mitarbeiter weiterzubilden statt sie zu kündigen.

Gmünd sei in hohem Maß abhängig von der Automobilindustrie, sagte Alfred Baumhauer (CDU). Die habe in den letzten Jahren gut verdient. Die Stadt habe zwei Gartenschauen durchgeführt und durch die gute Konjunktur weniger Schulden. „Wenn es Ihnen gut geht, geht es uns auch gut“, sagte der CDU-Fraktionschef an die Adresse der Unternehmer. Deshalb sei es wichtig, dass Jobs hier blieben. Von Bosch Automotive erwarte er, „dass geschlossene Verträge eingehalten werden“, sagte Baumhauer.

Solidarität für die Bosch-Mitarbeiter und ihre Familien drückte Gabriel Baum (B 90 / Die Grünen) aus. Jetzt müssten alle Kräfte eingesetzt werden, um zu handeln. Die Stadt habe begrenzte Mittel. Dies habe auch mit einem Steuerrecht zu tun, nach dem für die Stadt vom größten Gmünder Arbeitgeber kaum oder keine Gewerbesteuer komme. Baum kündigte an, den Runden Tisch 2030 zu begleiten.

Eigentum verpflichte, das habe schon Robert Bosch gewusst, sagte Sigrid Heusel (SPD). Der jetzige Wandel habe Folgen. Neue Qualifikationen seien gefordert. Dabei dürfe die Gewinnmaximierung nicht vor das Allgemeinwohl gestellt werden, sagte Heusel. Deshalb sei es nicht hinzunehmen, dass bei schlechter Auftragslage gleich die „Keule der Entlassungen“ geschwungen werde, sondern es müssten kreative Lösungen gesucht werden. Fast 1800 Mitarbeiter zu entlassen, sei ein „Armutszeugnis“, sagte Heusel. Sie forderte Bosch AS auf, alternative Lösungen zu suchen, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen und Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten.

Mitarbeitern durch langfristige Perspektive Vertrauen geben.

Ullrich Dombrowski, Bürgerliste

Dass weltweit die Produktion eingebrochen sei, sei nur die halbe Wahrheit, sagte Sebastian Fritz (Die Linke). Die „Schummeleien“ in der Automobilindustrie hätten die Kunden verunsichert. Alternativen seien noch im Anfangsstadium, weil man zu lange auf ein „Weiter so“ beim Verbrennungsmotor gesetzt habe. Dies sei ein „Management- und Politikversagen“, sagte Fritz. Die einseitige Aufkündigung der Vereinbarung von 2017 lasse ihn „fassungslos zurück“. Nun auf eine Einigung über einen weiteren Stellenabbau bis zum Ende des Jahres zu drängen, sei „eine gnadenlose Erpressung“, sagte der Linke-Sprecher.

Das Know-how sei vor Ort, das Bekenntnis zum Standort solle kein reines Lippenbekenntnis sein, sagte Karin Rauscher (FWF). Deshalb müssten von den Unternehmen Konzepte kommen, mit einem „großen Verantwortungsbewusstsein“.

Die Argumentation von Bosch-AS-Geschäftsführer Stefan Grosch überzeuge ihn nicht, sagte Ullrich Dombrowski (Bürgerliste). Dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) hierzulande zunehme, erschüttere den Weltmarkt nicht so, dass Fertigung in Ungarn sein müsse. Zudem sei das Standortbekenntnis zu Gmünd durch
Geschäftsführer Groschs Aussage konterkariert, dass unklar sei, was nach 2022 komme. Er habe den Eindruck, sagte Bürgerliste-Sprecher Dombrowski, dass Bosch selbst nicht genau wisse, was es wolle. Dombrowskis „einzige Alternative“ war deshalb, durch Kurzarbeit die konjunkturelle Delle für Qualifizierung zu nutzen, kein weiteres Personal abzubauen und um Aufträge zu werben. Man müsse den Mitarbeitern „durch eine langfristige Perspektive Vertrauen geben“.

© Gmünder Tagespost 04.12.2019 20:40