Radweg für die Remsbrücke gefordert

Mal wieder wurde nicht an die Radfahrer gedacht“, ärgert sich Sebastian Fritz, Fraktionssprecher der Linken im Gemeinderat, angesichts der Pläne für die Sanierung der Remsbrücke am Fuße der Buchauffahrt. Der Gemeinderat soll nächsten Mittwoch darüber entscheiden, ob die Verwaltung das Bauunternehmen Leonhard Weiss damit beauftragt. Die Göppinger Firma hat mit rund zwei Millionen Euro das günstigste Angebot für die Arbeiten abgegeben.

Ob die Grünen-Fraktion der Vergabe zustimme, hänge davon ab, ob hier ein Radweg oder -schutzstreifen als Verbindung zwischen Buchstraße und Kaufland geplant ist, erklärte Grünen-Stadtrat Thomas Krieg in der jüngsten Ausschusssitzung des Gemeinderats. Die Brücke könne bei der Sanierung nicht verbreitert werden, antwortete Baubürgermeister Julius Mihm und verwies auf den bestehenden Remstalradweg, der am Gaskessel und am Waldrand entlang führt. Diesen Umweg hält Sebastian Fritz für „wenig alltagstauglich“.

Julius Mihm nahm auch Bezug auf die Rolle des Landes bei den Bauarbeiten. Dieses erklärt sich erst bereit, die Buchauffahrt mitsamt der Remsbrücke in seine Zuständigkeit zu übernehmen, wenn das 55 Jahre alte schadhafte Brückenbauwerk saniert ist, erläutert Eva Hafner, die beim Tiefbauamt für die Brücken zuständig ist. Der Stadt ist daran gelegen, dass dies möglichst bald passiert. Denn für den Unterhalt der Straße fallen Kosten an, etwa für den Winterdienst.

Die Bauarbeiten an der Remsbrücke sind ab Mai und bis Oktober geplant. Der Gemeinderat hat die Pläne für die Sanierung im November 2018 beschlossen. Auf der gut 21 Meter breiten Brücke sind zwei Spuren mit zusammen 7,50 Metern Breite in jeder Richtung vorgesehen, zudem in der Mitte wieder eine erhöhte Abgrenzung von 1,50 Metern Breite und auf beiden Seiten 2,22 Meter breite Gehwege. Auf die Mittelabgrenzung zu verzichten, um seitlich breitere Wege bauen zu können, sei technisch nicht möglich, erklärt Eva Hafner, denn die Brücke bestehe aus zwei getrennten Überbauten, die dort verbunden sind.

Ob auf 2,22 Metern ein Geh- und Radweg möglich sei, müsse letztlich das Regierungspräsidium (RP) als Planungsbehörde des Landes entscheiden. In der Regel seien für Geh- und Radwege mindestens drei Meter Breite vorgesehen, doch das hänge auch davon ab, wie viele Radfahrer und Fußgänger dort unterwegs sind.

Was sich mit der Sanierung auf jeden Fall verbessern soll: Die neuen Brückengeländer werden mit 1,30 Metern deutlich höher als die jetzigen, sagt Eva Hafner. Das sei an Brücken Vorschrift, damit Kinder auf den Gehwegen radfahren dürfen. Doch Radfahrer müssen, wenn sie aus Richtung Kaufland kommen, die Straße queren, um neben dem Kreisverkehr unterhalb der Buchauffahrt auf dem Fahrradweg bei der Firma Schüle zu landen. Die Radfahrer auf einer eigenen Spur durch den Kreisverkehr zu führen, sei rechtlich nicht zulässig.

Möglicherweise böten sich noch ganz andere Möglichkeiten für eine Radwegführung an, wenn die B 29 dort vierspurig und der Anschluss der Kleingartenanlage neu gebaut wird, sagt Eva Hafner. Auch Jürgen Holzwarth, Leiter des Referats Straßenplanung beim RP, verweist darauf, dass der Bereich neu überplant wird: Der Kreisverkehr bei der B 29 werde ab 2027/2028 „auf keinen Fall mehr so aussehen wie jetzt und das strahlt auch auf die Brücke aus“. Wie die Straßen dort verlaufen sollen, stehe erst in zwei bis drei Jahren fest. Bei der Planung sollen die Stadt und auch Interessengruppen wie die für Radfahrer einbezogen werden, verspricht er.

Die Gemeinderatssitzung beginnt am Mittwoch, 12. Februar, um 16 Uhr im Rathaus. Bürger sind willkommen.

© Gmünder Tagespost 07.02.2020 18:10