Preiswerter Wohnraum ist knapp

Kürzlich traf sich die Stadtratsfraktion der Linken mit dem Geschäftsführer des Gmünder Bauvereins. Raynulf Jehle bestätigte im Gespräch den großen Bedarf an preiswertem Wohnraum in Schwäbisch Gmünd. In seiner Tätigkeit beobachtet er auch die besorgniserregende Entwicklung, dass auch zunehmend Bürgerinnen und Bürger aus der Mittelschicht Probleme haben, eine preiswerte Wohnung zu finden. Selbst Polizisten, Erzieher*innen und Krankenpfleger*innen hätten seiner Beobachtung nach zunehmend Schwierigkeiten solche Wohnungen zu finden. Im Neubau seien in Schwäbisch Gmünd mittlerweile ohne Probleme 10-14 Euro für den Quadratmeter an Miete zu erzielen. Dies sei für diese Personengruppen, insbesondere auch Alleinerziehende, meist nicht zu bezahlen. Daher braucht es aus seiner Sicht dringend mehr Angebote an preiswertem Wohnraum.

Der Bauverein blickt auf eine 117-jährige Genossenschaftsgeschichte zurück und steht in den Startlöchern. „Wir würden gerne mehr machen, brauchen dabei aber die Unterstützung der Stadt und der Politik“, so Jehle. Zum einen sei aus seiner Sicht die Mietobergrenze Für die Beantragung von Wohngeld im Ostalbkreis zu niedrig. Insbesondere nach einer Renovierung, die durch die hohen Auflagen zu einer deutlichen Erhöhung der Miete führt, reiche die Mietobergrenze oft nicht aus und die Mieter*innen verlieren ihre Wohnung. Ebenfalls wichtig sei, dass die Stadt und der Gemeinderat dem Bauverein Grundstücke in Erbpacht vergeben, da es in Schwäbisch Gmünd zunehmend schwierig werde an ein Grundstück, das bezahlbar ist, zu kommen. Ebenfalls begrüßenswert wäre aus seiner Sicht eine größere Flexibilität bei den Bauvorschriften. Die aktuelle Landesbauordnung schreibe ihm zwar gut gemeinte Dinge vor, doch diese führten eben dazu, dass sich der Bau und damit auch am Ende die Miete verteuere. Bei zukünftigen Bebauungsplänen hält er es für wichtig und richtig, dass ein Umdenken erfolgt. „Wir müssen in Anbetracht des Wohnungsmangels auch wieder mehr in die Höhe bauen“, so Jehle weiter. Als letzten Punkt wies er auf die hohe Bedeutung einer guten Quartiersbildung hin: „Wir dürfen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen und homogene Baugebiete und Wohnquartiere entwickeln. Vielmehr brauche es eine gute Durchmischung um ein gutes Sozialgefüge in der Stadt zu erhalten.“

Die Linken-Fraktion stimmt ihm in allen Punkten und Forderungen zu. „Unsere Fraktion drängt bei diesem Thema seit Jahren auf mehr Initiative seitens der Stadtverwaltung und des Gemeinderates. Leider ist aber noch zu wenig passiert“, so Stadträtin Martina Rosenberger. Auch der Fraktionsvorsitzende unterstrich, dass die Fraktion nicht nur in allen Punkten zustimme, sondern dass sie seit Jahren mit Anträgen und Initiativen bei diesem Thema Druck machen würden. „Wir brauchen Wohnraum für alle, aber insbesondere bei den Schwächeren muss darauf geachtet werden, dass diese nicht leer ausgehen. Diese Verdrängung ist leider nicht nur in Ballungsgebieten festzustellen, sondern auch in unserer Stadt Schwäbisch Gmünd“, so Sebastian Fritz.