Politiker „übersetzen“ Wahlprogramme

bildschirmfoto-2016-01-31-um-18-23-30Lorch-Waldhausen. Nur noch zwei Monate bis zur Bundestagswahl, informieren Sie sich!“ Dieser Satz stand im Raum der Remstal-Werkstätten in Lorch. Es präsentierten sich drei Parteien mit ihren Kandidaten in einer Diskussionsrunde mit Menschen mit Behinderung, ihren Betreuern und Gästen – ein hochinteressiertes und motiviertes Publikum mit ganz eigenen Ansichten.

Das Besondere war die „einfache Sprache“ dieser Runde. Norbert Barthle, CDU, Christian Lange, SPD, und Alexander Relea-Linder, Linke, standen auf dem Podium. „Wir haben diese Veranstaltung extra in die Arbeitszeit gelegt und die Mitarbeiter freigestellt, damit möglichst viele an diesem wichtigen Thema teilnehmen können“, erklärte die Geschäftsführerin Susann Haalck.

Nach der Vorstellungsrunde der Politiker hagelte es Fragen in großer Bandbreite. Die Moderation übernahm Jürgen Lutz, Dozent für „Einfache Sprache“. Er stellte der Diskussion einige grundlegende Fragen voran. „Was ist Demokratie?“ Die Finger streckten sich: „Wenn man Demo macht.“ „Zusammenhalt, Streiten, Wählen, die Mehrheit zählt.“ Lutz fasste in einem Bild zusammen: „Demokratie ist die Herrschaft des Volkes. Wir sind alle die Könige.“ Das Bild kam gut an. Nach Erläuterung der Funktion der Wahl mit Persönlichkeiten, „die für uns sprechen und entscheiden sollen, auf Zeit gewählt“, ging es an die Beantwortung von Fragen wie: „Was macht ein Bundesabgeordneter den ganzen Tag?“ „Ist es auch langweilig oder nur schön?“

Norbert Barthle, Christian Lange und Alexander Relea-Linder verbindet eines: Sie haben einen langen Tag. Die beiden ersteren als Staatssekretäre in Berlin und ihrem Wahlkreis, der 24-jährige Linder, der gerade seine Abschlussarbeit schreibt, in Bürgerversammlungen und im Parteigremium. Alle drei sind „Vollblutpolitiker“, weil sie etwas bewegen wollen.

Die Bedeutung von „Inklusion“ wurde hinterfragt. Der Moderator stellte als Definition voran: „Jeder Mensch gehört ganz natürlich dazu.“ Für Barthle sind es die Bedingungen für das Zusammenleben. Jeder soll seinen Alltag bestehen können. Für Lange ist auch die Entscheidung dieser Menschengruppe wesentlich, im ersten Arbeitsmarkt mitarbeiten zu dürfen, aber sich auch wieder dagegen entscheiden zu dürfen. Aus Linders Sicht wird nicht genug getan. Das Bundesteilhabegesetz sei ein Spargesetz. Auch für Rainer Hinzen, Pfarrer der Diakonie Stetten, sind hier Verbesserungen nötig. Denn Wohnraum für eigenständiges Wohnen sei rar, weil die Mieten zu hoch seien und nicht entsprechend bezuschusst würden. Für ihn ist wichtig, mit Politikern darüber zu sprechen, wie sich Gesetze in der Realität für Menschen mit Behinderung auswirken.

Die Zuhörer folgten dem Austausch gespannt und kommentierten schlagfertig.

© Gmünder Tagespost 20.07.2017 21:58