OB will Bürgerentscheid zum Hallenbad

19. Oktober 2017  Gemeinderat, Presse, Redaktion

Die Gmünder sollen sich in einem Bürgerentscheid zu einem Familien- und Spaßbad auf dem Gleispark am Nepperberg äußern. Einen entsprechenden Beschluss will Oberbürgermeister Richard Arnold dem Gemeinderat vorlegen. Dies sagte er am Mittwochabend bei der Bürger-info zum neuen Bad im Stadtgarten. Arnold skizzierte dabei die nunmehr Jahrzehnte andauernde Diskussion über ein neues Bad. Er nannte die Varianten

  • Sanierung des jetzigen Bades in der Goethestraße für 16 Millionen Euro
  • Neubau eines Bades in der Goethestraße mit 50-m-Becken
  • Kombibad im Schießtal mit 50-m-Becken für 21,4 Millionen Euro
  • Seebad im Schießtal mit 50-m-Becken und
  • Neubau an einem anderen Standort.

All diesen Varianten erteilte Arnold eine Absage. Eine Sanierung bringe nicht mehr Attraktivität, keine 50-m-Bahn und könnte dazu noch teurer werden. Ein Kombibad, sagte Arnold, halte er auf den ersten Blick für „bestechend“, auf den zweiten Blick sei das Schießtalbad dann nicht mehr so wie jetzt und würde Wasserfläche verlieren. Zudem wies er auf die schlechtere Erreichbarkeit eines Bades im Schießtal für Schulen hin. Ein neues Bad auf der „grünen Wiese“ befürwortete Arnold nicht, weil ein solches komplett neu erschlossen werden müsste und ebenfalls schlechter erreichbar sei. All dies, sagte der OB, führte zum Gleispark. Auf diesem sieht Arnold Synergien: die Jugendmeile, die Kletterhalle, das Haus Lindenhof. Zudem gehöre die ehemalige Güterbahnhoffläche der Stadt. Arnold beschrieb, was dort entstehen soll: ein städtischer Teil mit einem 50-m-Becken auf dem Gleispark und ein Wellnessbereich am Hang des Nepperbergs. Ein privater Investor finanziert dieses Bad komplett, die Stadt schließt mit diesem einen Vertrag, nach dem sie über 30 Jahre dem Investor jährlich 1,7 Millionen Euro bezahlt. Dies ist die Summe, die die Stadt zurzeit pro Jahr ins jetzige Hallenbad steckt. Arnold sprach bei diesem Verfahren von einer Aufteilung des Risikos. Nach einer Markterkundung gibt es in der Region Ostwürttemberg Bedarf für ein solches Bad, das Arnold und Bürgermeister Dr. Joachim Bläse mit Kosten von etwa 40 Millionen Euro bezifferten. Die Stadt selbst, machten beide deutlich, könnte das allein nicht bezahlen. Das Risiko, dass der private Partner insolvent gehe, sei niemals auszuschließen, sagte der OB. Dann gehe der Betrieb des kommunalen Teils geordnet weiter, der Wellness- und Saunabereich werde neu vergeben. Als Eintrittspreise für den städtischen Bereich nannte Arnold 4,20 bis 4,80 Euro für Erwachsene, ermäßigt 2,50 bis 3 Euro. Der Bereich der Therme sei teurer, aber niemand sei gezwungen, da reinzugehen. Mit dem Bau dieses Hallenbades verdopple sich dessen Wasserfläche von jetzt 618 Quadratmetern auf 1250 Quadratmeter.

Arnold skizzierte das weitere Verfahren: Das Projekt solle europaweit ausgeschrieben werden, der Gemeinderat solle am 29. November über den Ausschreibungstext entscheiden. Dabei schloss Arnold nicht aus, dass sich ein Investor meldet, der nicht in den Hang am Nepperberg hineinbauen will. In jedem Fall würden alle Belange des Naturschutzes berücksichtigt. Auch solle der Gemeinderat darüber entscheiden, ob es zu einem neuen Hallenbad einen Bürgerentscheid geben soll, sagte Arnold. Da würden dann alle entscheiden und nicht nur die, die Leserbriefe schrieben. Er trete für dieses neue Bad ein, schloss der OB. Denn Gmünd sei immer dann gut gefahren, wenn ein Projekt über Gmünd hinaus strahle.

Nach der Vorstellung beantworteten Arnold und Bläse Fragen. Das jetzige Vorhaben sei keine Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP), widersprachen sie der Gmünderin Barbara Greil. Auch er sein kein Freund von ÖPP, sagte Arnold. ÖPP wäre, „wenn die Stadt Wasserfläche und Bad an einen Privaten gibt“. Kosten in Höhe von 60 Millionen Euro für ein neues Bad nannte Andrea Stegmaier. Er wundere sich, wie sie auf diese Zahl komme, sagte Bläse. 40 Millionen Euro seien „recht realistisch“, sagte Arnold.

Die beiden Schulleiter Klaus Dengler und Veit Botsch sprachen sich für mehr Wasserfläche am Standort Gleispark aus. Die Schulen seien in der Kritik, dass sie den Schülern das Schwimmen nicht beibringen könnten, sagte Dengler. Der Standort Gleispark sei ok, doch er habe große Bedenken, in den Nepperberg einzugreifen, sagte Andreas Mooslehner vom BUND Ostwürttemberg. Im Flächennutzungsplan werde empfohlen, diesen von jeglicher Bebauung freizuhalten. Arnold gab Mooslehner Recht, dass dies ein „sensibler Bereich“ sei. Man könne dort nicht einfach so eingreifen, müsse genau untersuchen, was man mache. Was zu der Frage von Walter Beck vom Arbeitskreis Naturschutz in Ostwürttemberg führte: Weshalb der Nepperberg dann nicht gleich aus der europaweiten Ausschreibung des Projektes herausgehalten werde? „Wir brauchen das Grundstück, weil es eine wesentliche Attraktivitätssteigerung ist“, als Erlebnis und mit Blickbeziehung zur Stadt, sagte Bläse.

Einen weiteren Bericht über die Bürgerinfo zum Hallenbad lesen Sie am Donnerstag aufwww.tagespost.de und in der GT-Ausgabe vom Freitag.

© Gmünder Tagespost 18.10.2017 22:04