Nur 100 000 Euro für den Klimaschutz in Gmünd?

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Glücklich zeigten sich, wie bereits kurz berichtet, am Mittwoch im Gemeinderat die Fraktionssprecher mit der von Oberbürgermeister Richard Arnold eingebrachten Umstrukturierung mehrerer Ämter, was vor allem die Etablierung der neuen städtischen Dienststelle für Klimaschutz, nachhaltige Entwicklung und Bürgerbeteiligung unter der Leitung von Franka Zanek beinhalten wird. Bereits am 1. August soll dieses Team, das voraussichtlich im Kornhaus sein Domizil finden wird, die Arbeit aufnehmen.


Die Themen Integration und Flüchtlingshilfe werden im gleichen Zuge an das Amt für Familie und Soziales übergeben.
OB Richard Arnold erwartet und verspricht von der Arbeit des neuen Amtes „mehr Verbindlichkeit auch gegenüber
den vom Gemeinderat verstärkt vorgetragenen Forderungen“. Weil bei Integration und Flüchtlings Fürsorge unter der bisherigen Führung von Franka Zanek ein routiniertes Netzwerk aufgebaut werden konnte, sieht OB Arnold gute Voraussetzungen, dass diese Aufgabe nun auch vom Amt für Soziales und Familie übernommen werde könne. Für die Fraktion Bündnis90/Die Grünen urteilte Karl Miller über das neue Klimaschutz-Amt. „Eine Diskussion über die Notwendigkeit ist gewiss nicht mehr notwendig. Die Ziele sind gesetzt.“ Die Grüne vertrauten nun auf „klare Schritte“ der Stadtverwaltung in Richtung mehr Klimaschutz. „Wir freuen uns“, meinte auch SPD-Fraktionsvorsitzende Sigrid Heusel. Denn schon seit vielen Jahren sei dies ein immer wieder vorgebrachtes Anliegen der Gmünder Sozialdemokraten. Das Amt für Klimaschutz müsse sich nun an konkreten Ergebnissen messen lassen.
SPD hätte sich eine frühere Einbindung in die Neustrukturierung gewünscht Sigrid Heusel brachte aber auch zum
Ausdruck: Die SPD hätte sich bei dieser Ämter-Umorganisation durch den Oberbürgermeister mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Stadträtinnen und Stadträten gewünscht, konkret eine frühzeitigere Einbindung und Beteiligung.
Sebastian Fritz (Fraktionschef Die Linke) betonte die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, um gegen Klimawandel und seine Folgen vorzugehen. Die Politik müsse liefern, kommunizieren und die Bürgerschaft in die Entscheidungsprozesse einbeziehen.
Karin Rauscher (Freie Wähler Frauen) lobte: Das sei ein starkes Zeichen der Verwaltung für den Klimaschutz. Sie hoffe,
dass es sich nicht nur um ein Kommunikationsamt handeln werde, sondern um ein tatkräftiges Querschnittsamt innerhalb der Stadtverwaltung und im Miteinander mit dem Gemeinderat. Ullrich Dombrowski (Bürgerliste) ergänzte: Es
sei höchste Zeit für ein solches Amt geworden und er sei froh, dass die Führung in die bewährte Hände von Franka Zanek gelegt worden sei, die ihre Netzwerk- und andere Fähigkeiten schon in ihrer bisherigen Arbeit bewiesen habe.
„Klasse, spitze, dass endlich auch Frauen in solche Führungspositionen kommen“, freute sich Cynthia Schneider (Die
Linke). Auch Dr. Peter Vatheuer (FDP) zeigte sich mit der von Kompetenz geprägten Umorganisation innerhalb der
Stadtverwaltung zufrieden.
Für Fragen und Irritationen sorgten dennoch zwei Aspekte: Wie geht es mit dem Welcome-Center weiter, das bislang
unter der Leitung von Franka Zanek stand? Und: Bekommt das Klimaschutz Amt für autarke Schlagkraft auch ein eigenes Budget?
OB Richard Arnold sagte den Erhalt des Welcome-Center am Bahnhof unter der neuen Führung des Amtes für Soziales und Familie zu. Und als Jahresbudget für das Klimaschutz-Amt nannte er die Summe von 100 000 Euro.
Letzteres sorgte im Nachklang für Gesprächsstoff unter der Fragestellung, ob der Stadt Schwäbisch Gmünd dieses zentrale Zukunftsthema Klimaschutz tatsächlich nur 100 000 Euro wert sei? Rathaus-Pressesprecher Markus Herrmann
stellte auf Nachfrage unserer Zeitung am Donnerstag klar: Bei der vom OB genannten Summe handle es sich lediglich um einen ersten Organisationsposten für den Start. Erst mit Beginn der Arbeit des neuen Amtes könne genau definiert werden, wie und ob überhaupt dieses Geld in diesem Jahr eingesetzt werde. Da müsse sich zunächst noch vieles entwickeln. Ein Querschnitts- und Netzwerkamt mit vielen denkbaren Quellen für Projekt-Finanzierungen Das neue Amt werde zudem viele Schnittstellen mit anderen Dienststellen der Stadtverwaltung und weiteren Institutionen haben, um von dort auch andere Geld- und vor allem Fördertöpfe anzuzapfen. Beispielsweise sei nicht daran gedacht, dass das zukünftige Amt für Klimaschutz ein Photovoltaik-Programm oder andere Ideen aus eigener Kasse finanziere. Sondern in einem solchen Fall biete sich etwa – ganz im Sinne des gewollten Querschnittscharakters dieses Amts – ein Miteinander mit den Stadtwerken oder mit dem Gebäudemanagement der Stadtverwaltung an.

Copyright Rems Zeitung, 11.06.2021