Noteingänge für Hilfesuchende klemmen noch

Eigentlich verstehe es sich von selbst, meint Dr. Christof Morawitz, Vorstandsmitglied im Gmünder Handels- und Gewerbeverein (HGV): „Wenn jemand in Not ist, dann hilft man ihm.“ Aber mit der Aktion „Noteingang“, die auf einer Initiative des Stadtjugendrings und der Jugendkulturinitiave beruht, sollen sich Geschäfte in der Innenstadt nach außen hin sichtbar als sicheren Hafen für Hilfesuchende ausweisen. 2017 ist die Aktion gestartet. Doch das Projekt verharrt bis jetzt auf der Stelle.

Mehr als nur ein Aufkleber

„Die Aktion ist mehr als nur ein Aufkleber an der Eingangstür“, erläutert Stadtrat Sebastian Fritz, Fraktionsvorsitzender der Linken und Vorstandsmitglied im Stadtjugendring. Die Kooperationspartner erhielten eine Broschüre mit Verhaltenstipps für den Ernstfall und eine Telefonliste mit Notfall-Kontakten. Mitarbeiter der kooperierenden Läden und Gastronomie-Betriebe können an Kursen und Workshops teilnehmen. „Wir wollen die Bürger sensibilisieren, ihren Mitmenschen zu helfen und vorab klar machen, wo Hilfesuchende im Ernstfall unkompliziert Hilfe bekommen“, erklärt Sebastian Fritz.

Einige Aufkleber sind bereits verteilt. „Wir sind nah dran am Ziel, mindestens 24 Partner zu gewinnen“, sagt Fritz. Aber so ganz kam die Aktion in Gmünd bislang nicht in die Gänge. „Wir hängen ein wenig zwischen den Seilen“, erklärt er. Der Stadtjugendring wolle erst mit der öffentlichen Bewerbung und den Workshops starten, wenn alle Unstimmigkeiten mit dem HGV ausgeräumt seien.

Aktion sehen alle Seiten positiv

Wir unterstützen die Aktion voll und ganz“, erläutert Christof Morawitz: „Die Türen aller Geschäfte in der Innenstadt stehen allen Hilfesuchenden offen.“ Doch der HGV habe Bedenken wegen des Namens. „Er könnte suggerieren, dass in Schwäbisch Gmünd eine erhöhte Gefahrensituation besteht“, sagt Morawitz. Er fürchtet eine mögliche Panikmache verbunden mit dem Aufkleber, auf dem das Symbol eines rennenden Männchens abgebildet ist. Auch Erster Bürgermeister Dr. Joachim Bläse habe Bedenken wegen des Namens geäußert, so Morawitz. Auch Bläse unterstütze die Aktion, wünsche sich jedoch einen Namen, der die Prävention von Gewalttaten in den Vordergrund stelle.

„Wir wollen mit der Aktion nicht sagen, dass es bei uns in Gmünd gefährlich ist“, lautet Fritz’ Antwort. Hilfe sei nicht nur bei Gewalt notwendig. „Wenn jemand sich krank fühlt, ein Glas Wasser braucht oder ältere Menschen Hilfe benötigen, sollen sie wissen, wo sie Hilfe finden“, erläutert er.

Notwendige Aktion

„Ich habe noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Ich finde die Aktion sehr wichtig“, sagt Stephanie Adler, Geschäftsführerin von Regional Unverpackt am Kalten Markt. Die Bedenken wegen des Namens kann sie nicht nachvollziehen. Gmünd sei eine relativ sichere Stadt, aber „Verbrechen können überall passieren, nicht nur in einer Großstadt“. Sie selbst sei in ihrem Laden bereits überfallen worden und darüber hinaus am Bahnhof belästigt worden. Sie habe noch keinem in Notgeratenen in ihrem Geschäft helfen müssen. Aber jetzt habe sie eine Anleitung, was im Zweifelsfall zu tun sei.

Auch Martin Röttele, Geschäftsführer von Männermode Röttele am Kalten Markt, hatte noch keinen Ernstfall. „Ich habe gar nicht über den Namen nachgedacht“, sagt er. Es sei ihm wichtig zu zeigen, dass sein Geschäft allen Hilfesuchenden offen stehe.

Einigung steht bevor

Christof Morawiz und Sebastian Fritz sehen gute Chancen, sich bald zu einigen. „Ich habe mit Herrn Fritz ein zeitnahes Treffen verabredet, an dem auch Vertreter der Stadt und der Aktion „Sicheres Gmünd“ beteiligt sein sollen“, sagt Morawitz. Dabei, so sind er und Fritz sich sicher, werde man einen Namen finden, mit dem alle Seiten zufrieden sein können.

© Gmünder Tagespost 19.06.2018 18:05