Noch Distanz zu den Plänen einer Amazon-Ansiedlung

Schwäbisch Gmünd. Wie berichtet will der Internethändler Amazon in Gmünd ein Verteilzentrum eröffnen. Auch in Lorch, Giengen und Essingen ist Amazon vorstellig geworden. Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats wird am kommenden Mittwoch über Amazon beraten. Die Sitzungsvorlage dazu wird an diesem Freitag ausgearbeitet, sagt Wirtschaftsbeauftragter Alexander Groll. Es werde ein Beschlussantrag gestellt, der die Stadtverwaltung ermächtigen soll, in Verhandlungen mit Amazon zu treten. Wir befragten die Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen nach ihren Einstellungen zu Amazon. „Grundsätzlich begrüßt die CDU Ansiedlungen von Unternehmen“, erklärt Alfred Baumhauer. Ein Amazon-Logistikzentrum werfe jedoch Fragen auf – Baumhauer: „Das Verhältnis zwischen dem Flächenverbrauch und der Zahl von Arbeitsplätze ist grenzwertig, die Steuereinnahmen wahrscheinlich nicht hoch“. Generell stehe das Geschäftsmodell von Amazon in Konkurrenz zum Einzelhandel, „den wir mit Nachdruck fördern wollen“, sagt Baumhauer. Gleichzeitig fehle es im Niedriglohnbereich an offenen Arbeitsstellen. Und: „Viele Gmünder bestellen bei Amazon, egal wo das Logistikzentrum steht“. Dem Einzelhandel wäre durch eine Ablehnung deshalb nicht geholfen. Die Verkehrssituation werde die CDU-Fraktion noch abwägen.

Von „keiner positiven Stimmung zu Amazon“, berichtet Gabriel Baum für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Flächenverbrauch und Verkehrsbelastungen seien die Knackpunkte. Um die Menge und Qualität der Arbeitsplätze beurteilen zu können „brauchen wir mehr Informationen“, sagt Baum.

„Natürlich freuen wir uns über neue Arbeitsplätze, die aber nicht im Niedrig-Lohn-Bereich liegen sollen“, sagt Uwe Beck für die SPD-Fraktion, die „sehr sensibel“ auf den Flächenverbrauch reagieren und das Verhältnis zu den Arbeitsplätzen reagieren werde. Über einen Standort gebe es in der Fraktion noch kein Urteil. Es müssten auch die Anlegerinteressen wegen des Lärms im Blick behalten werden. Ein Ausbluten der Innenstadt mit Blick auf den Einzelhandel müsse verhindert werden. „Wir nehmen das Amazon-Konzept vor einer Entscheidung ganz genau unter die Lupe“, verspricht Beck.

Die Linke sieht die Ansiedlung sehr kritisch“, betont Sebastian Fritz. Die Gründe: Zu groß die Fläche, die dauerhaft versiegelt würde; Amazon sei nicht für nachhaltiges Bauen und klimafreundliche Mobilität bekannt; die zu erwartende Verkehrszunahme sei nicht akzeptabel. „Der Trend zum Onlinekauf ist hoch, ob Amazon nach Gmünd kommt oder nicht“, stellt Fritz heraus, beim Werben für Gmünd als Einkaufsstadt sei noch Luft nach oben. „Die Beschäftigungsverhältnisse wie bei Amazon praktiziert, lehnen wir ab“, erklärt Fritz kategorisch.

„Eine abschließende Meinungsbildung fand bei uns noch nicht statt“, teilt Ullrich Dombrowski für die Bürgerliste mit. Grundsätzlich sei bei einem Logistikzentrum der Flächenverbrauch gegenüber den gewonnenen Arbeitsplätzen abzuwägen, ebenso das Verhältnis von Erschließungskosten zu Gewerbesteuererträgen. Er glaube nicht, dass eine Amazon-Ansiedlung den Einzelhandel über das bereits
bestehende Maß beeinträchtigt, sagt Dombrowski.

Karin Rauscher von der Fraktion Freie Wähler Frauen erinnert an die Diskussion um eine Aldi-Ansiedlung vor 17 Jahren. Die damaligen Ablehnungskriterien wie Flächenverbrauch, Verkehr und Lärm würden heute genau so gelten. Die Fraktion brauche für eine Entscheidung, aber noch mehr genau Informationen von Amazon.

„Zum Thema Amazon wurde im Gemeinderat Vertraulichkeit vereinbart“, erklärt Stadtrat Peter Vatheuer, „deshalb wird die FDP/FW keine Stellungnahme abgeben“. Auf jeden Fall werde aber der Einzelhandel unterstützt.

© Gmünder Tagespost 28.11.2019 21:52