Nicht fahrradfreundlich

SCHWÄBISCH GMÜND (esc). ADFC-Fahrradklima-Test fand zuletzt im Jahr 2020 statt, dabei wurden 1024 Städte in ganz Deutschland von Radfahrenden bewertet,das sind so viele, wie nie zuvor – darunter auch Schwäbisch Gmünd. Die Ergebnisse stellte der ADFC am 16. März vor. Schon 2018 platzierte sich Schwäbisch Gmünd beim Fahrradklima-Test eher auf den hinteren Rängen mit einer Gesamtnote von 4,0. Die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2020 legen dar: Die Stauferstadt hat beim Fahrradklima weiter ab-gebaut. Die Schulnote 4,2 und dazu Platz 75 von 110 Orten im Ranking der Städte zwischen 50 000 und 100 000 Einwohner bundesweit lassen Gmünd nicht als Fahrradstadt par excellence erscheinen. Platz 13 von 15 landesweit ist auch kein Gütesiegel. Doch woran hapertes hauptsächlich nach Ansicht der 222 Teilnehmer, die ihre Bewertung für Gmünd abgeben haben? Zu den größten Schwächen zählen demnach fehlende Falschparkerkontrollen auf Radwegen und die Radwegeführung an Baustellen. Auch die fehlende Breite der Radwege und eine falsche Ampelschaltung sind Kriterien für eine schlechte Bewertung. Hier wurden Noten zwischen 4,9 und 5,1 vergeben. Die Noten entsprechen der Benotung in der Schule und reichen von 1 (fahrradfreundlich) bis 6 (nicht fahrradfreundlich). Im direkten Vergleich lag Gmünd im Schnitt 0,5 Punkte hinter ähnlichen Städten in den Bereichen „Radfahren durch Alt undJung“ und Akzeptanz als Verkehrsteil-nehmer. Auch zügig Radfahren funktioniert in Gmünd demnach weniger gut als in vergleichbaren Orten. Mit einer 4,5 bewerteten die Teilnehmer ihr persönliches Sicherheitsgefühl, wenn sie mit dem Fahrrad in Gmünd unterwegs sind.

Das ist für den Gmünder Alltagsradler Sebastian Fritz, der das ganze Jahr über mit dem Rad zur Arbeit fährt, erschreckend. „Das Sicherheitsgefühl bekommt eine 4,5, ebenso die Konflikte mit Kraftfahrzeugen. Das spricht Bände. Es ist kein Wunder“, sagt er, „dass die Stadt anhaltend schlecht abschneidet. Es passiert fast nichts, die Umfrage ist ein Beleg für die hohe Unzufriedenheit.“ Fritz fordert: „Die Stadt muss was tun.“Doch natürlich wurden auch die positiven Aspekte bewertet. Allerdings kommt Schwäbisch Gmünd auch hier nicht über die Note 2,7 hinaus, die sie dafür erhielt, dass Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung geöffnet sind. Die nächstbesten Noten sind 3,1 für die Bereitstellung öffentlicher Räder und die 3,2 für die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Fahrrad. Die öffentliche Verfügbarkeit von Fahrrädern sorgte auch für einen Vorsprung von ähnlichen Städten im Durchschnitt. Auch inpunkto Fahrraddiebstahl und Fahrradmitnahme in Bus und Bahn steht Schwäbisch Gmünd im Schnitt um 0,4 bzw. 0,2 Punkte vor ähnlichen Städten. Der Sprecher der Stadtverwaltung, Markus Herrmann, sagt zum Fahrradklima-Test 2020: „Wir sehen uns das Ergebnis jetzt im Detail an.“ Alle Beteiligten, anfangen von der Mobilitätsmanagerin Anja Tamm über das Tiefbauamt und die Stadtplanung werden danach gemeinsam ihre Schlüsse ziehen. Zum Thema Sicher-heitsgefühl betont Herrmann: „Das ist eine sehr subjektive Beurteilung und sehr individuell geprägt.“ Spannend findet er in dem Zusammenhang die Planungen für die Schmiedgassen, „wo wir eben alle Verkehrsteilnehmer, Fußgänger, Radfahrer und den Auto- und Busverkehr gemeinsam regeln wollen.“

Copyright Rems Zeitung, 20.03.2021