Neues Hallenbad bleibt mittelfristig ein Thema

Kein neues Hallenbad, keine teure Sanierung des bestehenden Bades: Die Fraktionen des Gemeinderats zeigen Verständnis für die Vorgabe des Regierungspräsidiums und die Einschätzung von Bürgermeister Dr. Joachim Bläse. Der Gmünder Schwimmverein ist dagegen enttäuscht. „Der status quo ist natürlich eine Katastrophe“, sagt Vorsitzender Roland Wendel. Erneut habe man das Thema einfach zerredet.

Für den Moment eine richtige Entscheidung, „aber mittelfristig werden wir versuchen, ein neues Hallenbad zu bauen“, sagt der Fraktionsvorsitzende der CDU, Alfred Baumhauer. Das sei wichtig, um ein energetisch ordentliches Bad zu bekommen, um den Anforderungen von Schulen, Freizeit und Sport gerecht zu werden. Unabhängig davon werde man untersuchen, wie der Schießtalsee wieder als Badesee genutzt werden kann.

„Die Stadt muss zuerst ihre Pflichtaufgaben zur Daseinsvorsorge erfüllen“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzende Sigrid Heusel, Schulen und Kindergärten, aber auch Investitionen für den Öffentlichen Personennahverkehr, hätten Vorrang. Bei künftigen Investitionen müsse man nach dem neuen Haushaltsrecht auch noch die Abschreibungen erwirtschaften. Das belaste dann zusätzlich. Das bestehende Hallenbad sei in einem ordentlichen Zustand, Kinder könnten dort auf jeden Fall Schwimmen lernen.

Es sei jetzt nicht an der Zeit, der Bürgerinitiative die Schuld am Scheitern zu geben, sondern man müsse sagen, „wir waren zu euphorisch“, sagt Gabriel Baum, Fraktionschef der Grünen. Schon in der Diskussion hätten die Grünen betont, 1,7 Millionen Euro im Jahr an einen privaten Investor zu bezahlen, „können und wollen wir nicht tragen“.

Für den Schwimmverein sei das bitter, aber Schwäbisch Gmünd müsse erkennen, dass das Regierungspräsidium einen Hallenbad-Neubau wegen der Haushaltslage nicht genehmigen werde.

Es ist eigentlich seit 25 Jahren zu klein.

Roland Wendel
Vorsitzender des Schwimmvereins

An den Haushalt denkt auch Ullrich Dombrowski, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste. Er geht davon aus, dass „wir bei der Gewerbesteuer Federn lassen werden“. Es sei nötig, „auf Sicht“ zu fahren. Dazu passe es, im bestehenden Hallenbad nur die nötigen Sanierungen zu erledigen. Karin Rauscher, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Frauen, erwartet nach der Sommerpause im Gemeinderat eine umfängliche Information zum Thema Hallenbad. „Was Dr. Joachim Bläse sagt, ist nachvollziehbar.“ Die Wirtschaftslage samt der Steuerprognose seien nicht mehr so optimistisch. Ein neues Hallenbad sei in dem Zusammenhang natürlich nur schwer zu schultern. Auf der anderen Seite müsse dafür gesorgt werden, dass auch im Winter Schwimmmöglichkeiten für Schule, Sport und Freizeit gesichert sind.

„Was wäre ohne Bürgerinitiative gewesen“, fragt sich Sebastian Fritz, Fraktionschef der Linken. Dadurch sei das schon laufende Verfahren mit Investoren erst einmal gestoppt worden. Ohne Bürgerinitiative hätte die Stadt die nächste Stufe genommen, bei der hohe Planungskosten entstanden wären. Die Stadt hätte schon viel früher das Regierungspräsidium ins Boot holen sollen, dann wäre der Aufwand weniger groß gewesen, meint Sebastian Fritz.

Roland Wendel macht sich unterdessen Sorgen um den Schwimmstandort Schwäbisch Gmünd. So bald Aalen ein neues Bad besitze, könnten Talente in die Nachbarstadt abwandern, auch Badegäste würden vermutlich das neue Angebot nutzen. Das Gmünder Hallenbad sei 50 Jahre alt und „es ist eigentlich seit 25 Jahren zu klein“, sagt Wendel. Außerdem sei zurzeit nicht bekannt, was aus dem Mutlantis in Mutlangen genau wird.

Wendel bedauert, dass „alle Bemühungen des Schwimmvereins für ein neues Bad fruchtlos geblieben sind“. Und das nicht zum ersten Mal. Schon 2010 habe man den Schwimmverein auf die Zeit nach der Landesgartenschau 2014 vertröstet. Seit 2015 gehe es um eine neue Lösung, die jetzt durch die Bürgerinitiative zeitlich verzögert worden sei. „Nun sollen wir auf 2023 warten.“ Kindern Schwimmen zu lernen, sei eine gesellschaftliche Aufgabe, nicht schwimmen zu können, sei lebensgefährlich, sagt Roland Wendel. Bei immer weniger Wasserfläche könne man aber ausreichenden Schwimmunterricht nicht mehr garantieren.

© Gmünder Tagespost 12.08.2019 17:38