Neue Gemeinschaftsschule für Gmünd beantragt — Künftig nur noch zwei Schularten

Sebastian-FritzNichts weniger als das „die größte Veränderung seit der Einführung des dreigliedrigen Schulsystems“ sorgte am Mittwoch im Gemeinderat für eine Grundsatzdiskussion, nach der wohl eine neue Gemeinschaftsschule auf den Weg gebracht wird.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Mit immerhin 13 Gegenstimmen der CDU–Fraktion und fünf Enthaltungen wurde die Verwaltung beauftragt, eine sich abzeichnende Neuausrichtung der Schullandschaft weiter zu verfolgen. Der Bestand auch kleiner Grundschulen ist, so ist dem entsprechenden Erlass aus Stuttgart zur „Regionalen Schulentwicklung“ zu entnehmen, nicht gefährdet. Das wurde erfreut, mit Blick auf ähnliche Aussagen zu Haupt– oder Werkrealschule aber durchaus mit Skepsis aufgenommen. Auch „der Bestand der Gymnasien bleibt unberührt“. Vor allem aber basiert die Regionale Schulentwicklung auf dem „Zwei Säulen Modell“, das nur noch Gymnasium und eine weitere Schulart kennt: Nicht mehr eine bestimmte Schulart, sondern alle Bildungsabschlüsse müssen in erreichbarer Nähe angeboten werden. Weiterführende Schulen, die wiederholt keine 16 Schüler in der Eingangsklasse erreichen, werden geschlossen; Mindestgröße für die Einrichtung einer weiterführenden Schule sind langfristig 40 Schüler. Amtsleiter Klaus Arnholdt machte deutlich, dass Staufer– und Scheuelberschule nicht zu halten sind, dass aber auch zwei der drei Werkrealschulen, Mozartschule und Uhlandschule mit 16 und 17 Schülern, bedroht seien. Der Weg in ein stabiles „Zwei Säulen Modell“, durchaus mit gestärkten und nicht in Frage gestellten Realschulen sei unumkehrbar. Die Stadt beantragt nun mit Blick auf die begehrten Schulstandorte Mutlangen und Waldstetten sowie auf die privaten Schulen zum Schuljahr 2015/​2016 eine weitere Gemeinschaftsschule. Die Hintergründe und die aktuelle Entwicklung erläuterte Hans-​Jörg Polzer, Leiter des Staatlichen Schulamts – er versicherte unter anderem, die Pestalozzischule werde sonderpädagogischer Stützpunkt bleiben. Die Freigabe der Grundschulempfehlung habe einen unaufhaltsamen Prozess nur beschleunigt. Christian Baron (CDU) kritisierte scharf, dass Bildungsgerechtigkeit über das Ziel gestellt werde, Kinder möglichst viel lernen zu lassen: „Mir ist schleierhaft, wie wir mit den (Gemeinschaftsschul-)Rezepten der Schlusslichter in Deutschlands Bildungslandschaft unseren Spitzenplatz behaupten sollen.“ Besuchten plötzlich 50 Prozent der Schüler das Gymnasium, seien Niveauabsenkung und Schülerfrust unausweichlich. Daniela Maschka-​Dengler (SPD) meinte lächelnd, dem jungen Kollegen fehle „noch das Vertrauen in Veränderung“. Diese müsse noch vor den Schulanmeldungen im März angegangen werden: „Eltern wollen wissen, wie es weitergeht mit einer Schule“. Die Stadt tue gut daran, ihre Baumaßnahmen auf entsprechene Entscheidungen abzustimmen. 20 Prozent aller Schüler besuchten heute Privatschulen; auch mit Blick auf umliegende Gemeinden meinte sie, wie Gmünd diese zweite Säule gestalte, entscheide über die Zukunft der Schulstadt: In vier Jahren wählten wohl 250 Schüler ein Gymnasium, 220 die zweite Schulart; diese müsse gut und stabil dastehen. Mit Blick auf die CDU meinte sie, das Handwerk spreche sich durchaus für Gemeinschaftsschulen aus, dafür, Schüler ausbildungsfähiger zu machen. Karl-​Andreas Tickert (Grüne) fand ebenfalls Vorteile darin, nicht verschiedene Schularten, sondern verschiedene Bildungsabschlüsse anzubieten und machte sich Gedanken über einen Standort für die neue Gemeinschaftsschule: „Nicht erstarren, nicht verstauben.“ Ullrich Lothar Dombrowski (FDP/​FW) warnte wiederum vor einem „schulpolitischen Blindflug“. Es gelte, durch die Umstrukturierung dem Bürgerwunsch nach einer guten Schulsituation gerecht zu werden. Karin Rauscher (FFW) bat um mehr Zahlen und warnte vor einer Aufweichung der Realschulen. Sebastian Fritz (Linke) war sicher, dass das dreigliedrige Schulsystem den Anforderungen nicht gerecht werde, bedauerte freilich „Sonderregelungen“. Die neue Gemeinschaftsschule dürfe auf keinen Fall eine „umetikettierte Werksrealschule“ werden, eine „Restschule“, die noch weniger Akzeptanz erfahre. Auch Ganztagesangebote seien unverzichtbar.

Rems Zeitung, 24.10.2013