Nachlass für Menschen mit knapper Kasse

Schwäbisch Gmünd. Für Geringverdiener in Gmünd soll es noch im Lauf dieses Jahres eine Bonuscard geben, mit der sie vergünstigt Waren oder Dienstleistungen bekommen. Die Linke-Fraktion im Gemeinderat hatte dies beantragt und der Sozialausschuss bewilligte es nun einstimmig. Jetzt hofft die Stadtverwaltung auf Einzelhändler und Gewerbetreibende, die bereit sind, ihre Leistungen oder Produkte für Bedürftige vergünstigt anzubieten. Das kann ein Lebensmittelhändler ebenso sein wie ein Friseursalon oder der Ausrichter einer Kulturveranstaltung.

Auch eine Frage der Würde

Der Leiter des Amts für Familie und Soziales, Dieter Lehmann, schätzt, dass rund 2000 Gmünder Bürger die Bedingung für die neue Karte erfüllen: Ihr Einkommen liegt nicht mehr als etwa 35 Prozent über der gesetzlich festgelegten Grundsicherung. Damit, so Lehmann, würden auch Geringverdiener, Arbeitslose, Rentner, kinderreiche Familien oder bedürftige Menschen ohne Anspruch auf laufende Sozialleistungen erfasst. Denn Armut sei auch im wirtschaftsstarken Deutschland aktuell, da mache Gmünd keine Ausnahme. Konkret soll die Bonuscard den bisherigen Ausweis, der zum Einkauf im Tafelladen berechtigt, ersetzen. Das, erläutert Hans-Peter Reuter vom Sozialamt, würde auch den Verwaltungsaufwand in Grenzen halten. Der Einsatz einer solchen Legitimation im Scheckkartenformat sei für die Nutzer zudem würdevoller als zum Beispiel das Vorzeigen eines Sozialhilfebescheids.

„Das wäre ein Gewinn für alle“, warb Cynthia Schneider (Linke) um Zustimmung zum Antrag ihrer Fraktion. Mitglieder ihrer Fraktion würden auch Geschäftsleute ansprechen und zur Beteiligung an diesem Angebot auffordern. Auf eine starke Beteiligung hofft auch SPD-Fraktionsvorsitzende Sigrid Heusel. Sie erwartet, dass die in Gmünd aktiven Busunternehmer Nutzern der Bonuscard ebenfalls Nachlass einräumen. Gmünd setze mit einer solchen Karte „ein gutes Zeichen“, meinte Gertraude von Streit (Grüne).

Einzelhändler und Gewerbetreibende, die bereit sind, Nutzern der Bonuscard Nachlässe auf ihre Waren und Dienstleistungen zu geben, sollten sich beim städtischen Amt für Familie und Soziales melden: Telefon (07171) 603-5010, Mail amt-fuer-familie-und-soziales@schwaebisch-gmuend.de.

© Gmünder Tagespost 09.02.2018 00:39