Nach Brand: 300 Menschen setzen ein Zeichen

25. Dezember 2015  Gemeinderat, Ortsvorstand, Presse, Redaktion

imageBeim Frühstückstisch hat sie von dem Brand in der Flüchtlingsunterkunft erfahren, beim Kaffeetrinken von der geplanten Mahnwache. Bianka (41) sprang sofort in ihr Auto, um nach Gmünd zu fahren. Geplant war eigentlich eine weitere Nacht bei ihren Eltern in Heilbronn. Aber Bianka wollte ein Zeichen setzen – so wie etwa 300 weitere Gmünder.

„Ich war fassungslos, als ich das heute Morgen gelesen habe. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen soll“, sagt die 41-jährige Bianka und umklammert ihr Banner. „REFUGEES WELCOME“ steht darauf zu lesen. An diesem Abend sind die Menschen per „Du“, vereint in Betroffenheit, Solidarität und Wut. Wut darüber, dass es sich bei dem Brand in der geplanten Flüchtlingsunterkunft, der in den frühen Morgenstunden ausbrach, womöglich um Brandstiftung handelt.
Ein paar Meter weiter steht die 60-jährige Sonja Jörgens. Sie ist mit Freunden gekommen. Hat erst wenige Minuten vor Veranstaltungsbeginn per WhatsApp erfahren, dass überhaupt eine Mahnwache geplant ist. „Es gibt Dinge, die sind so wichtig, dass man alles stehen und liegen lässt“, erklärt sie. In ihrem Fall war es das Abendessen. Ihre Bekannte Angelina Mazzei hatte gerade eine Tönung im Haar, als sie – ebenfalls per WhatsApp – von der Kundgebung erfuhr. Sie wusch die Farbe aus, schnappte sich ihren Bruder und mischte sich unter die Menge. „Wir müssen hier Präsenz zeigen“, sagt sie. Sonja Jörgens ergänzt: „Ich bin stolz auf den Gmünder Weg und dass es bei uns bisher anders verlaufen ist, als in anderen Städten.“ Und genau diesen Stolz will sie hier verteidigen.
Oberbürgermeister Richard Arnold hat sich unter die Menschenmenge gemischt. Mit ungekämmten Haaren und weitem Pulli. Er hat nicht geschlafen, ist seit vier Uhr in der Früh auf den Beinen. Und er ist beeindruckt, wie schnell die Kundgebung organisiert, wie viele Menschen mobilisiert wurden. „Das ist eine miese Tat. Es handelt sich um einen Angriff gegen die Demokratie, die Freiheit und unsere Lebensform“, sagt Arnold in einer kurzen Ansprache. „Wir bleiben weiter auf diesem weltoffenen Kurs, es geht hier um Menschen.“
Organisiert wurde die Kundgebung durch eine Gruppe von Bürgern, unter ihnen Stadtrat Sebastian Fritz (Die Linke). „Uns war klar, dass wir ein Zeichen setzten müssen. Das hat sich schnell zu einer Eigendynamik entwickelt.“