Müllsünder sind oft nicht einsichtig

26. September 2019  Gemeinderat, Presse, Redaktion, Sebastian Fritz

Stadträtin Karin Rauscher (FW Frauen) sieht eine Mutter mit Kind, die ein Bonbonpapier einfach auf die Straße schnipst. Darauf angesprochen kam die Antwort: Ich habe nichts weggeworfen. Schlechte Vorbilder gibt es auch an anderen Stellen. Markus Lang vom Kommunalen Ordnungsdienst und Carmen Eckert vom Städtischen Vollzugsdienst plaudern im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats über ihre Erfahrungen auf der Straße.

Da wird Hausmüll in Gelben Säcken vor die Tür gestellt, Reste von Trinkgelagen finden sich in der Stadt und immer wieder Müll an Glascontainern. Wer künftig dabei erwischt wird, bezahlt nun deutlich höhere Bußgelder (siehe Grafik). Stadträte sprechen sich einhellig dafür aus, auch wenn das nach Einschätzung von Sigrid Heusel (SPD) nicht ausreichen werde. Parallel dazu müsste Aufklärung betrieben werden, sagt sie.

Sebastian Fritz (Linke) denkt an Prävention schon in den Schulen und möchte die Fast-Food-Ketten mehr in die Verantwortung nehmen. Hinterlassenschaften dieser Art finden sich, meint Oberbürgermeister Richard Arnold, etwa an der Buchauffahrt. „Es gibt Lkw-Fahrer, die das einfach zum Fenster rauswerfen.“ 400 Mülldelikte werden im Jahr in Schwäbisch Gmünd festgestellt, nur ein Teil wird auch geahndet. Nicht immer gebe es im Müll Rückschlüsse auf die Verursacher, meint Carmen Eckert. Immer wieder gelinge es aber wie im Fall eines Gastronomiebetriebs, der seinen Sperrmüll im Wald entsorgte. Das kann künftig bis zu 1000 Euro kosten. Die Entsorgung des Mülls nicht mitgerechnet.

Häufig erwischen Mitarbeiter der Stadt Müllsünder auf frischer Tat. „Das stößt bei denen auf wenig Gegenliebe“, sagt Markus Lang. Er muss sich bei seinen Streifen durchsetzen. Oft sei der Nachweis aber bei weggeworfenen Zigarettenkippen oder Kaugummis schwierig. Im Notfall scheue man sich nicht, die Leute anzuzeigen.

Müll wegzuwerfen, ist kein Kavaliersdelikt.

Christian Baron
Stadtrat

Seine Fraktion unterstütze die Arbeit des Vollzugsdienstes und des Kommunalen Ordnungsdienstes, betont Christian Baron (CDU). Er hält das Müllproblem für gravierend, „weil es auch das Sicherheitsgefühl in der Stadt tangiert“. Schmuddelecken sorgten für ein subjektiv schlechteres Sicherheitsgefühl. Baron: „Müll wegzuwerfen, ist kein Kavaliersdelikt.“

Das gilt auch für die Unbekümmertheit vieler Bürger, Gelbe Säcke oder Biomüll schon am Tag vor der Abfuhr auf die Straße zu stellen. Dies, so meint Carmen Eckert, führe zu weiteren Problemen, weil Tiere die Säcke aufreißen, der Inhalt oft auf der Straße verteilt werde. In solchen Fällen landen schon mal Hinweiszettel im Briefkasten der Gebäude. Nach einer Kontrollaktion in der Weißensteiner Straße habe sich dort das Verhalten verbessert.

Immer noch werde an vielen Stellen gegen das Verbot des zu frühen Ablagerns verstoßen, meint Brigitte Abele (Bürgerliste). Und Gertraude von Streit (Grüne) sieht eine Verbesserung der Situation nur, wenn noch stärker kontrolliert werde.

Von der neuen Bußgeldverordnung erhofft sich die Stadt Schwäbisch Gmünd ein Umdenken und eine abschreckende Wirkung.

© Gmünder Tagespost 25.09.2019 21:37