Mobilität neu denken

Der Ortsverband der Linken lud zu einer Radtour durch die Stadt ein, um die Situation für Fahrradfahrer zu diskutieren. Dabei zog die Gruppe ein negatives Fazit und mahnt zum Handeln.

Die Zahl der PKWs steigt trotz der Klimadiskussion seit Jahren weiter an. Die Bereitschaft zum Umsteigen ist bei immer mehr Bürger*innen vorhanden, aber die Voraussetzungen stimmen noch immer nicht. Dies bestätigte kürzlich auch wieder der Fahrradklimatest, der im vergangenen Jahr erhoben wurde. Danach haben deutlich mehr Bürger*innen teilgenommen als vor zwei Jahren, aber das Ergebnis für die Stadt Schwäbisch Gmünd ist gerade mal unverändert ausreichend und sie liegt auf Platz 59 von 109 Städten vergleichbarer Größe.
„Wir fordern endlich ein Umdenken, um unseren Teil zur Mobilitätswende und damit zum Klimaschutz beizutragen“, so der Fraktionsvorsitzende Sebastian Fritz. Der Treffpunkt am Schießtalplatz sei nicht ohne Grund gewählt worden. Die Teilnehmer*innen können sich hier einen Park and Ride Parkplatz vorstellen, wo Pendler*innen ihr Auto aus Richtung Norden stehen lassen und dann mit dem eigenen oder geliehenen Fahrrad in die Stadt fahren können. Außerdem sollte es eine gute Busverbindung von dort aus geben, um neben den Bosch-Mitarbeitern auch die Pendler*innen in die Stadt zu bringen und damit einen Anreiz zum Umsteigen zu geben. Weiter schlagen die Teilnehmer*innen vor, sollte auch darüber nachgedacht werden, Fahrradboxen für eigene E-Bikes aufzustellen, um auch diese Möglichkeit anbieten zu können. Diese müsste es nach Meinung der Teilnehmer*innen auch in der gesamten Innenstadt geben.
Die Tour führte dann weiter über die Graf von Soden Straße, den Pfitzer- und Baldungskreisel hoch zum Glockekreisel. Die Teilnehmer*innen bedauerten, dass es in Schwäbisch Gmünd keine durchgängige Planung und Umsetzung von Verkehrsknotenpunkten gebe. „An jedem Kreisverkehr, an jeder Straßenkreuzung und auch in jeder Straße muss man sich als Fahrradfahrer neu orientieren. Dies sorgt nach meiner Erfahrung für eine große Unsicherheit und hält Interessierte eher vom Radfahren ab“, so der Kandidat für den Gemeinderat, Professor Andreas Benk. Die Teilnehmer*innen begrüßen die Bestrebungen der Stadtverwaltung das bereits vorgestellte Radwegekonzept umzusetzen, aber es müsse sich insbesondere an der Durchgängigkeit und der zügigen Umsetzung messen lassen. „Leider wurde es in der Vergangenheit bei den großen Umbaumaßnahmen versäumt, die Radfahrer vernünftig zu berücksichtigen. Dieser Fehler darf sich nicht wiederholen“, so der Radkurier und Kandidat für den Kreistag auf der Linken-Liste, Volker Nick. Begrüßt wurde daher das Einlenken der CDU, den Glockekreisel in einen Turbokreisel umzubauen. Dies hätte nämlich ein Nutzungsverbot für Radfahrer mit sich gebracht und wäre damit völlig kontraproduktiv und nicht mehr zeitgemäß gewesen. Nach Meinung der Teilnehmer*innen sei der Vorschlag des Agenda-Arbeitskreises vernünftig, zukünftig die Wilhelmstraße und die Werrenwiesenstraße als Fahrradstraße umzuwidmen. Dies setze aber voraus, dass die Gemeindehausstraße ebenfalls ertüchtigt werde und vor allen Dingen eine vernünftige Querung am Fuß des Zeiselbergs in Richtung Paradiesstraße möglich werde.
Zum Abschluss der Tour radelten die Teilnehmer*innen noch hoch auf den Hardt. Auch dort sei es nach Meinung der Radfahrer möglich, einen solchen Park and Ride Parkplatz einzurichten. „Bei einer kürzlich erschienenen Studie wurde festgestellt, dass aus Richtung Bargau der größte Einpendlerstrom besteht. Außerdem wäre dies ein Anreiz für die PH-Studenten, bei einer verbesserten ÖPNV-Verbindung auf diesen umzusteigen“, so Alexander Relea-Linder. Bemängelt wurde die geringe Akzeptanz für den dortigen Schutzstreifen. Mehrere Teilnehmer*innen berichteten von gefährlichen Überholmanövern.