Mobile Oase doch kein Zauberwort?

Wo bieten der Marktplatz, der Johannisplatz und andere Stellen der Kernstadt Raum für Bäume? Um diese Frage geht es erneut, als die Stadträte ihre Anträge zum Haushalt 2021 mit der Stadtverwaltung diskutieren. Die Grüne-Fraktion fordert, die Verwaltung soll eine halbe Million Euro einplanen, um innerorts Bäume zu pflanzen, „beispielsweise am Markt- und am Johannisplatz“.

Dafür brauche es eine grundsätzliche Neuplanung von öffentlichen Räumen in der Innenstadt, entgegnet Baubürgermeister Julius Mihm,. Es müsse in einem Nutzungskonzept festgelegt werden, was wann wo stattfinden soll. „Wenn man auf dem Johannisplatz Bäume pflanzt, findet dort keine Staufersaga mehr statt, keine Märkte“, sagt er. Der Antrag der Stadträte müsste daher lauten, dass das Nutzungsprofil der Plätze überprüft wird, „und nicht: pflanzt Bäume“.

Kurzfristig schlägt die Verwaltung für die Kernstadt das Konzept „Mobile Bäume“ vor: eine Gruppe von Bäumen, die so groß sind, dass man sie gerade noch in Kübeln transportieren kann und so an wechselnden Orten zum Einsatz kommen. „Die mobile grüne Oase ist das Zauberwort“, meint Julius Mihm.

Ärger bei den Grünen

Die Antworten der Stadtverwaltung zu den Haushaltsanträgen der Fraktionen haben bei den Grünen „insgesamt für Ärger gesorgt“, sagt deren Sprecher Gabriel Baum: „Die Vorlage lehnt im Grunde alles ab, was aus den Fraktionen kam, selbst Anträge, die Geld einsparen.“ Auch wenn die allermeisten Teile des Haushalts vorbestimmt seien, müssten die Anträge der Fraktionen als Korrektiv verstanden werden. Das Thema Klima sei „aktuell und akut“. „Es geht uns um ein deutliches Umsteuern, sonst ist der Haushalt für uns nicht zustimmungsfähig“, sagt Gabriel Baum. Und konkret zum Antrag für mehr Bäume in der Stadt: Mobile Bäume seien „kein Ersatz“ für Bäume, die sich positiv aufs Stadtklima auswirken. Das höre sich eher an „wie eine Stadtmöblierung“.

„Wir haben uns ernsthaft befasst mit den Anträgen, doch der Spielraum ist eng“, antwortet Oberbürgermeister Richard Arnold hinsichtlich der städtischen Finanzlage. „Klimaschutz ist uns nicht erst 2018, 2019 oder 2020 eingefallen“, sagt er und verweist auf 1000 Bäume, die beim Stadtumbau vor der Landesgartenschau 2014 in Gmünd gepflanzt wurden. Die mobilen Oasen sollen die Stadt kurzfristig aufwerten. Das sei „kein Ersatz, sondern ein Versuch“, wie die Bäume ankommen, sagt Markus Herrmann, Chef der Touristik und Marketing GmbH, der die Idee für die mobilen Bäume hatte. Es sei an der Zeit, Dinge auszuprobieren, statt alles typisch „deutsch“ vorzuplanen, fordert der OB die Stadträte auf.

Der ironische Unterton werde dem Thema nicht gerecht, sagt SPD-Fraktionschefin Sigrid Heusel. Es müsse jetzt Bewegung in die Sache. Die mobilen Bäume seien durchaus ein Einstieg, aber es brauche ein richtiges Konzept für mehr Bäume in der Kernstadt, meint FWF-Sprecherin Karin Rauscher. Es gehe darum, die Altstadt lebenswert zu machen und ökologische Aspekte dabei einzubeziehen, meint Linke-Stadtrat Alexander Relea-Linder. Für Veranstaltungen werde es bestimmt kreative Lösungen geben, ist Linke-Fraktionssprecher Sebastian Fritz überzeugt. Doch die Bürger wünschten sich eine bessere Aufenthaltsqualität an heißen Tagen in der Stadt. „Ich habe kein Mandat dafür, den Marktplatz und den Johannisplatz zuzupflanzen“, antwortet der OB.

Neuer Antrag angekündigt

SPD-Fraktionschefin Sigrid Heusel widerspricht: Das einstimmig beschlossene Konzept „Lebenswerte Altstadt“ sei auf die gesamte Innenstadt bezogen. Doch der Gemeinderat sei sich einig gewesen, mit den Schmiedgassen anzufangen, sagt CDU-Stadtrat David Sopp dazu. Daher verstehe er die Diskussion zu diesem Zeitpunkt nicht. Es gelte nicht nur, die Bäume in den Blick zu nehmen, sondern auch die Nutzer der Plätze sowie den Denkmalschutz, sagt CDU-Fraktionssprecher Alfred Baumhauer. Er fordert, die Grünen mögen einen konkreten Antrag stellen. „Der Wunsch des Gemeinderats ist mehrheitlich eindeutig“, antwortet Gabriel Baum. Abgestimmt mit den anderen Fraktionen will er bis kommenden Mittwoch ein Konzept beantragen, das aufzeigt, wie deutlich mehr Bäume in der Kernstadt gepflanzt werden können. Dann muss der Gemeinderat darüber und über den Haushalt insgesamt entscheiden.

© Gmünder Tagespost 17.03.2021 22:52