Mit Medien über Medien lernen

Es braucht eine Kamera, ein Bildbearbeitungsprogramm, das Internet und einen Drucker. Und schon ist CDU-Stadtrat Albert Scherrenbacher in Sekundenschnelle in Gmünds ungarischer Partnerstadt Székesfehérvár. Obwohl er leibhaftig in einem Klassenzimmer der Adalbert-Stifter-Realschule (ASR) steht.

Schüler hatten Scherrenbacher dort fotografiert und das Foto bearbeitet. Sie lernen so Möglichkeiten kennen, Fotos zu manipulieren, sagt Klaus Klötzer, an der ASR Technik- und Englischlehrer. Dadurch werde ihr kritisches Bewusstsein geschärft. Diese Station war eine von vier Stationen, die Stadträte kennen lernen, als sie am Mittwoch im Ausschuss nicht im Rathaus, sondern an der Schule das Thema „Digitale Medienentwicklung im Bereich der Schulen“ diskutieren. Lehrer von zwei Schulen, der Adalbert-Stifter-Realschule und der Uhlandschule als Grundschule, informieren die Stadträte über den aktuellen Stand.

„Wir wollen ihnen zeigen, wie digitale Medien in Schulen genutzt werden“, sagt zunächst ASR-Rektorin Adelheid Singer-Luschka. Dabei weist sie darauf hin: Lesen und Schreiben müssen die Schüler trotzdem lernen. Joachim Göser, Rektor der Bettringer Uhlandschule, und sein Kollege Martin Holzmann skizzieren die Uhlandschule vor vier Jahren – mit wenig digitalen Medien, einem Computerraum, einem Beamer und ohne WLAN. Heute haben sie einen Computerraum für Klasse 2 bis 4 mit acht Beamern und WLAN in einzelnen Klassenräumen. In Klasse 1 wird das iPad eingesetzt, um Buchstaben nachzufahren, um zu addieren und zu substrahieren, sagt Holzmann. In Klasse 4 würden mit dem iPad zum Beispiel Pronomen bestimmt. „Alle haben ein Smartphone, alle haben Alexa, doch keiner versteht’s richtig“, sagt Holzmann, weshalb Schüler in Klasse 4 mit Grundlagen der Programmierung vertraut gemacht werden. „Ein fest installierter lichtstarker Beamer mit einem PC an jedem Lehrerarbeitsplatz und ein iPad für jede Lehrkraft“, sagt Göser, was notwendig ist. Um nochmal zu betonen: „Digitale Medien ersetzen keine Lehrkraft, kein Buch, kein Schulheft, aber sie erleichtern die Arbeit im Alltag.“

„Es geht ums Lernen mit und über Medien“, macht ASR-Lehrer Benjamin Elser die Bedeutung von Medienkompetenz klar. Dazu brauche eine Schule ein medienpädagogisches Konzept. Dies sei Voraussetzung dafür, welche Technik an einer Schule angeschafft werden muss. Elser sieht eine Entwicklung vom PC zu mehr Tablets. Notwendig sei „flächendeckendes WLAN“. Aktuell hat die Schule einen Hauptserver, etwa 100 PCs oder Notebooks, gut 120 iPads und etwa 40 Beamer. Dass es von der Entwicklung „begeisterte“ wie auch „zurückhaltende“ Kollegen gibt, sagt Konrektor Wilfried Morschel. Schulungen und Fortbildung werden deshalb schulintern in einem iPad-Café angeboten. Der ASR schwebt ein „Medienzug“ vor. Dafür braucht’s jedoch die Genehmigung des Regierungspräsidiums, die verbunden ist mit mehr Lehrerstunden.

Die digitale Dynamik braucht den analogen Anker.

Richard Arnold, Oberbürgermeister

Die Stadträte sind beeindruckt. Offenheit für die Digitalisierung fordert Christian Baron (CDU), ohne Sicherheit und Kosten aus den Augen zu verlieren. Land und Bund nimmt Sigrid Heusel (SPD) in die Pflicht. Sie würden die Kommunen zu sehr allein lassen bei der Ausstattung der Schulen und Datensicherheit. Ob der Medienbildung wegen andere Inhalte entfielen, will Gabriel Baum (B 90 / Die Grünen) wissen. Laut Bildungsplan sollten Medien eingesetzt werden, wenn dies sinnvoll sei, sagt dazu Dennis Richter vom Amt für Bildung und Sport. Sie ersetzten kein Fach. Auf gutem Weg sieht Brigitte Abele (BL) die Schulen bei der Digitalisierung. Karin Rauscher (FWF) begrüßt, dass nicht nur mit Medien, sondern auch über Medien gearbeitet werde. Sebastian Fritz (Die Linke) begrüßt die Transparenz, mit der sich die Stadt des Themas gemeinsam mit den Schulen annimmt. Gmünd stellt 2019 gut 700 000 Euro für die Digitalisierung der Schulen bereit. Hätte die Stadt das Geld, könnte sie aktuell sofort drei Millionen Euro dafür ausgeben, sagt Bürgermeister Dr. Joachim Bläse.

Die Schulen seien zu einem Innovationsort geworden, sieht Oberbürgermeister Richard Arnold die Gesellschaft „mitten in einem Kulturwandel“. Er könne, auch bei diesem Besuch, nicht erkennen, „dass das humanistische Bildungsideal weggewischt wird“. Arnold fasst zusammen: „Die digitale Dynamik braucht den analogen Anker.“

© Gmünder Tagespost 06.02.2019 20:33