Mehr Tempo 30 für weniger Lärm?

An vielen Gmünder Straßen leiden Anwohner unter Verkehrslärm. Um dies gemäß EU-Richtlinie zu ändern, stellt die Stadt Schwäbisch Gmünd einen Lärmaktionsplan mit möglichen Gegenmaßnahmen an einigen Straßen in der Innenstadt und den Ortsteilen auf. Konkret geht es um 38 Lärmschwerpunkte, erläuterte Bernd Raubal vom Tiefbauamt am Mittwochabend den Stadträten des Bau- und Umweltausschusses.

Gesundheitsgefährdend sei Lärm ab 70 dB(A), der Maßeinheit, in der die wahrgenommene Lautheit angegeben wird. Dies entspreche etwa dem Lärm eines Staubsaugers, der einen Meter vom Ohr entfernt läuft. Ab 75 dB(A) sei die Stadt zum Handeln gezwungen. Betroffen von 65 dB(A) und mehr seien Anwohner an Straßen mit im Durchschnitt über 8200 Fahrzeugen am Tag: also an der B 29, der B 298 sowie unter anderem an mehreren Ortsdurchfahrten.

Für rund 40 Straßen hat Bernd Raubal kurz- und langfristig umsetzbare Konzepte entworfen. Für die meisten Straßen empfiehlt er, die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer zu reduzieren. Etwa in der Weilerstraße in Bettringen, der Gmünder Straße in Herlikofen oder der Hauptstraße in Hussenhofen. Bei weiteren Straßen hält er zusätzlich eine Straßensanierung mit lärmdämmendem Asphalt für sinnvoll, was den Lärm um zwei bis fünf dB(A) reduzieren könne. Das gelte zum Beispiel für die Remsstraße, die Buchstraße, die Goethestraße, die Eutighofer Straße oder die Weißensteiner Straße in Gmünd. Für andere Straßen – wie die Königsturmstraße, die Pfitzer Straße, die B 298 Richtung Mutlangen sowie die B 29 – sieht der Ingenieur zumindest kurzfristig ausschließlich Lärmschutzfenster als geeignetes Mittel, den Lärm für die Bewohner einzudämmen.

CDU-Stadtrat Christoph Preiß wünscht sich, dass beim Lärmaktionsplan weitere Aspekte betrachtet werden. Etwa, wie der Lastwagenverkehr besser verteilt werden kann. Oder aber, dass der Verkehr stetig sein sollte und nicht abwechselnd auf 30, 50 und 30 km/h festgeschrieben wie in der Eutighofer Straße. Überall 30er-Zone – das rufe Aggressionspotenzial hervor, erklärte Bürgerliste-Stadtrat Alexander Hamler, der meint: „Lkw verursachen den meisten Lärm.“

Stadtrat Dr. Peter Vatheuer (FDP/FW) verwies auf den anstehenden B-29-Ausbau im Gmünder Osten: „Da müssen wir den Bund in die Pflicht nehmen“, erklärte er hinsichtlich des Lärms.

Grünen-Stadtrat Karl Miller sprach den grundlegenden Interessenskonflikt an: Anwohner wollen ihre Ruhe, Fahrer schnell unterwegs sein. „Wir müssen jetzt sehr viel mehr nach den Leidtragenden schauen“, stellte er sich auf die Seite der Anwohner.

Linke-Stadtrat Professor Dr. Andreas Benk machte deutlich, was er von Lärmschutzfenstern hält: „Man muss den Lärm reduzieren und sich nicht in Bunkern davor schützen.“ Zumal man Fenster öffnen können müsse, sagte FWF-Stadträtin Dr. Constance Schwarzkopf-Streit.

SPD-Stadtrat Andreas Zengerle ist es wichtig, die Details zum Lärmaktionsplan nun in den Ortschaften zu diskutieren. Das ist der nächste Schritt, erklärte Bürgermeister Dr. Joachim Bläse. Gleichzeitig will er beim Regierungspräsidium vorfühlen, in welchen Straßen die Zuständigen Tempo 30 genehmigen würden – und in welchen nicht.

© Gmünder Tagespost 04.03.2020 21:01