Mehr für Tunnel werben

Sebastian FritzDer Tunnel ist freigegeben, die Gartenschau vorbei, aber dennoch gibt es ein sehr starkes Verkehrsaufkommen auf der Gmünder Nordschiene. Wie man diesem Problem beikommt, war Thema in einer gemeinsamen Sitzung der Ortschafts- und Stadträte aus Lindach, Rehnenhof, Wetzgau und Großdeinbach am Donnerstag.
Schwäbisch Gmünd-Großdeinbach.

„Es ist nicht sinnvoll, wenn jeder seine eigenen Brötchen bäckt. Wir sind alle von der gleichen Straße betroffen“, stellte Johannes Weiß als Ortsvorsteher Rehnenhof/Wetzgau fest. Sein Pendant aus Großdeinbach, Gerhard Maier, bemerkte: „Dieser Punkt ist für uns alle gleich wichtig.“ Und Lindachs Ortsvorsteher Klaus-Peter Funk hoffte, dass es endlich eine Lösung für das Problem geben wird. Räumte jedoch gleichzeitig ein, dass diese nur bedingt machbar sein wird aufgrund örtlicher Begebenheiten. Von was die Rede war in der Sitzung in Großdeinbach? Es ging um die hohe Verkehrsbelastung auf der Nordschiene. Die nach wie vor für Autofahrer aus den Regionen nördlich von Gmünd so attraktiv zu sein scheint, dass sich täglich zigtausend darüber bewegen – trotz Tunnel in Gmünd. Und dies stößt den Bewohnern mächtig auf.
„Vieles haben wir auf den Weg gebracht“, beschrieb Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, etwa den Kolomankreisel in Wetzgau, die punktuellen 40er-Zonen oder Straßenverschwenkungen an Ortseingängen sowie stationäre Blitzer. „Es wäre schön, wenn man überall Ortsumfahrungen machen könnte“, bedauerte er, dass eben dies nicht möglich ist. Sowohl aus finanzieller als auch aus topografischer Sicht. Bläse ging auf rechtliche Situationen und Vorgaben ein, etwa für Geschwindigkeitsreduzierungen in einer Ortsdurchfahrt. Hier müssten sich glasklar Gefahrenstellen und Unfallschwerpunkte herauskristallisieren. Ein weiteres Kriterium, die Geschwindigkeit zu reduzieren, sei der Lärm.
Bürgermeister Bläse machte deutlich, dass es sich bei dem bereits erstellten einem Verkehrskonzept für die Gesamtstadt um kein Wunschkonzert handle. Da man sich an klare Vorgaben, etwa der Straßenverkehrsbehörde, halten müsse. Und er machte klar, dass es am Donnerstagabend in der Sitzung keine Lösung geben werde. Doch er ermunterte die Räte, Vorschläge vorzubringen.
Johannes Weiß sah im Verkehrsaufkommen auf der Nordschiene das größte Problem. Er prangerte an, dass es unterlassen wurde, die B 298 direkt an den Tunnel anzubinden. Allgemein bemerkte er, dass es nach Richtung Stuttgart vom Rehnenhof aus schneller gehe, wenn man durch den Tunnel fahre. „Das muss in die Köpfe rein“, forderte er. „Die Nichtanbindung war ein großer Fehler“, nickte Antonio Masciullo. Bestätigte aber ebenfalls aus eigener Erfahrung, dass es durch den Tunnel tatsächlich schneller gehe. Thomas Eble und Ute Nuding verlangten mehr Werbung für die Tunnelnutzung. Zudem war man sich einig, dass eine bessere Verkehrslenkung, also Beschilderung, viel bringen würde. Und nicht, wie bislang, die Straße nach Großdeinbach als „Nebenstrecke“ in Richtung Gschwend bezeichnet werden sollte.
Sebastian Fritz verlangte eine 30er-Zone in Großdeinbach, Lindach und Rehnenhof-Wetzgau. Bläse sagte zu, dies aufzunehmen. Allerdings könne man diese nur mit Lärm rechtfertigen. Susanne Lutz forderte eine Verkehrszählung – die zugesagt war. Bläse sah den Kauf weiterer Zählmaschinen ebenfalls als sinnvoll an.
Professor Dieter Maas gab zu bedenken, dass die neuen Wohngebiete ebenfalls mehr Verkehr bringen. Er hofft auf eine Entlastung, wenn der Baldungskreisel fertig ist. „Man muss mit alten Gewohnheiten brechen und den Tunnel auch nutzen“, bekräftigte Annemarie Thamm. Auch sie machte sich dafür stark, dass die Nutzung des Tunnels noch mehr forciert werden sollte. Sebastian Fritz wiederum schlug das Anlegen eines Kreisverkehrs an der Kreuzung bei Gotteszell vor. Und Elmar Hägele verwies darauf, dass der Schwerlastverkehr in den Ortsdurchfahrten im Norden immer noch einen hohen Anteil habe. „Man sollte damit anfangen, die Wegweisung zu ändern“, forderte auch er eine neue Beschilderung.
Bläse sagte zu, diverse Anregungen „mitzunehmen“.

© Gmünder Tagespost 16.10.2014 22:11:06