Maria-​Kahle-​Schriftzug: Wegnehmen, aber nicht ins Depot

18. Januar 2012  Gemeinderat, Presse

Über drei Stunden lang erörterten am Montagabend Vertreter der Fraktionen und des Arbeitskreises Erinnerungskultur im Rathaus die Frage, wie mit dem Maria-​Kahle-​Schriftzug weiter zu verfahren sei.

SCHWÄBISCH GMÜND (rw). Mit dabei auch der Leiter des Stuttgarter Hauses der Geschichte, Thomas Schnabel. Dieser begrüßte es, dass darüber diskutiert wird und plädierte dafür, das Thema breit anzugehen. Eine Ansicht, welcher die Fraktionen im Gemeinderat beipflichten, so Rathaussprecher Markus Herrmann: Man sei froh über die jetzt in Gang gekommene Diskussion. Maria Kahle und der Schriftzug könnten nur der Einstieg für eine Auseinandersetzung mit der NS– und Nachkriegszeit in Schwäbisch Gmünd sein.

„Relativ einhellig“ sei auch die Einschätzung von Maria Kahles literarischer Qualität gewesen – mit ihrer Biographie und ihrem schriftstellerischem Wirken will man sich nicht lange aufhalten, zumal ein Bezug zu Schwäbisch Gmünd, von einer Vortragsveranstaltung im Jahr 1928 abgesehen, nicht vorhanden ist. Größere Unterschiede kristallisierten sich heraus, als es um die Frage ging, was aus dem Namensschriftzug werden soll. Die SPD will, so Sigrid Heusel, die Entfernung des Schriftzugs über dem Portal an der Klösterleschule. Der Versuch, mit einem Erläuterungstext zu einer Lösung zu kommen, sei mit den beiden von der Verwaltung vorgeschlagenen Textvarianten gescheitert. Auch die Grünen plädieren für die Entfernung, ebenso die Linke. Man solle dies aber zum Anlass einer Aufarbeitung nehmen, auch in musealer Form, so Sebastian Fritz (Linke). Susanne Lutz (Grüne) regte eine Umbenennung an, eventuell nach Katharina Czisch. Für die CDU sprach sich Reinhard Kuhnert dafür aus, die Inschrift zunächst zu belassen, aber sie in kritischer Form zu begleiten. Alles in allem, so der Rathaussprecher, sei nicht der Eindruck entstanden, dass die Positionen unvereinbar seien, man halte die jeweiligen Argumente und Positionen für bedenkenswert. Drei Möglichkeiten zeichnen sich ab: Den Schriftzug belassen, ihn aber mit einer Tafel erläutern. Wobei OB Richard Arnold konzedierte, dass der erste Versuch „nicht tragfähig“ gewesen sei. Auch in der Anordnung am Gebäude sei diese Möglichkeit schwierig.

Unter denkmalschützerischen Gesichtspunkten gehöre der Schriftzug zur Geschichte der Schule. Er müsse aber nicht zwingend an seiner jetzigen Stelle bleiben, sondern könne auch im Gebäude oder seitlich angebracht werden – auch hier natürlich mit kritischer Erläuterung. Der Oberbürgermeister skizzierte den Ansatz, den Schriftzug abzunehmen, ihn aber nicht im Museumsdepot verschwinden zu lassen, sondern ihn zum Anfangspunkt einer Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte zu machen. Dies könne über eine Ausstellungsreihe geschehen, langfristig auch über einen dauerhaften „Ort der Zeitgeschichte“, auch in Form einer Ausstellung. Damit setzen sich nun die Fraktionen intern auseinander. Im Februar soll das Thema im Gemeinderat behandelt werden.