Linke will die „Stadt neu denken“

Handel Themenabend der Linken mit Vertretern des Einzelhandels. Kritik an Amazon-Ansiedlung bleibt.

Schwäbisch Gmünd. Neben den Vorständen des Handels- und Gewerbevereins, Martin Röttele und Andreas Schoell, diskutierte Christoph Markowetz von den Seitengässlern mit dem Fraktionsvorsitzenden der Linken Sebastian Fritz und seinem Stellvertreter Alexander Relea-Linder im Bunten Hund über den Einzelhandel, Amazon und den interfraktionellen Antrag der Lebenswerten Altstadt.

Die Einzelhändler berichteten von einer schwierigen Zeit während Corona. Der Umsatz sei zum Teil bis zu 50 Prozent eingebrochen. Die Umstellung auf einen Onlinehandel hätten sich nur wenige getraut. Dennoch sei klar, dass man sich dieser Herausforderung stellen müsse, denn die Kunden würden dieses immer stärker nachfragen.

Sebastian Fritz bedauerte, dass die Vielfalt der Einzelhandelsgeschäfte und die Gastronomie nicht gebündelt auf einer Onlineplattform zu finden seien. Viele der Anwesenden teilten diese Meinung und sahen die Stadt in der Pflicht, neben einem gebündelten Onlineauftritt auch einen zentral organisierten Lieferdienst zu verknüpfen.

Hierbei fiel auch der Vorschlag einer Gmünd Card. Damit sei gemeint, dass man bei jedem Einkauf im regionalen Einzelhandel Punkte auf die Karte gutgeschrieben bekommt, um ab einer bestimmten Anzahl einen Tag kostenlos mit dem Bus fahren zu können oder einen Eintritt ins Freibad zu erhalten. Ebenfalls vorgeschlagen wurde eine App fürs Handy, die mit der zentralen Online-Plattform verknüpft würde, um durch Eingabe von Suchbegriffen schnell mögliche Einzelhändler vor Ort mit den entsprechenden Produkten zu finden.

Alexander Relea-Linder stellte heraus, dass es sehr schwierig sei, gegen den Onlineriesen Amazon zu bestehen und es deshalb mit logistischer Unterstützung der Stadtverwaltung nötig sei, den Einzelhändlern unter die Arme zu greifen und nicht mit einer Ansiedlung im direkten Geschäftsumfeld zusätzlich Konkurrenz zu machen. Die Einzelhändler und die Gastronomen seien mehr als nur Arbeitgeber und Versorger mit Waren, sie prägten maßgeblich das Gesicht der Stadt und, anders als der weltweit agierende Konzern Amazon, trügen sie zum Gewerbesteueraufkommen bei.

Sebastian Fritz erläuterte den interfraktionellen Antrag der „Lebenswerten Altstadt“. Hierbei betonte er, dass es um mehr gehe, als nur um die Frage einer autofreien Altstadt. Sondern darum, mit neuen Ansätzen der Mobilität und mit einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität durch ungestörtes Flanieren und mehr Grün noch mehr Kunden- und Besucherfrequenz in die Stadt zu bekommen. Er betontet, dass es neben den verbesserten Rahmenbedingungen für den Einzelhandel auch um eine Aufwertung des Wohnstandortes in der Altstadt gehe.

Die Vertreter des Einzelhandels stimmten zu, dass dies interessante Ansätze seien und man sich offen gegenüber der Diskussion über Veränderungen zeigen müsse. Wichtig aus Sicht des HGV sei, dass die Erreichbarkeit der Parkhäuser und bestimmter Bereiche der Innenstadt mit dem Auto erhalten bleiben müsse.

© Gmünder Tagespost 17.08.2020 19:55