Leserbrief

07. Oktober 2016  Ortsvorstand, Redaktion

Sehr geehrter Herr Rupprecht,
Wir vom Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus – Schwäbisch Gmünd“ freuen uns sehr über das Interesse, welches an uns gezeigt wird. Für Fragen und Anregungen haben wir die E-Mailadresse info@aufstehen-gegen-rassismus-ostalb.de eingerichtet. Dennoch begrüßen wir es, dass Sie sich mit Ihrem Anliegen an die Zeitung gewandt haben, da dies in der Tat eine Thematik ist, welche das Interesse der Öffentlichkeit tangiert.
Wenn man andere Städte betrachtet, stimmt es sicherlich, dass Schwäbisch Gmünd bis jetzt weitgehend von fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten verschont blieb und Hilfsbereitschaft und Offenheit von einem Großteil der Bevölkerung praktiziert wird. Jedoch verklärt Ihre Schilderung die Realität. Erinnern wir uns doch nur einmal an vergangenes Weihnachten, als der Neubau der Schwäbisch Gmünder Gemeinschaftsunterkunft angezündet wurde, an diverse Hakenkreuz-Schmierereien an Moscheen in umliegenden Ortschaften oder an Äußerungen und Vorurteile, die einem als Passant auf der Straße täglich begegnen. Ja, Herr Rupprecht, auch unwahre Anschuldigungen und hetzerische Stimmungsmache zählen zur fremdenfeindlichen Gewalt gegen Migranten und Flüchtlinge. Spätestens jetzt sind wir bei der AfD angelangt. Ich nehme an, dass Sie sich mit Ihrem Leserbrief auf den am 27.9.2016 erschienenen Artikel beziehen. Dann dürfte Ihnen auch bekannt sein, dass die AfD rechtspopulistische Äußerungen und Handlungen in ihren eigenen Reihen duldet, beispielsweise die Unterstellung der Thüringer AfD, Syrer mit syrischem Pass genießen Immunität bei Eigentums- und Sex-Delikten. Aber auch bei einer genauen Betrachtung des Grundsatzprogrammes der AfD wird deutlich, dass es sich um rechtspopulistisches und völkisches Gedankengut handelt. „In seiner Ausbreitung und in der Präsenz einer ständig wachsenden Zahl von Muslimen sieht die AfD eine große Gefahr für unseren Staat […]. Ein Islam, der unsere Rechtsordnung nicht respektiert oder sogar bekämpft […] ist mit unserer Rechtsordnung und Kultur unvereinbar.“ (Quelle: Grundsatzprogramm der AfD; S. 49). Herr Rupprecht, dies ist nicht nur eine Verleumdung auf fremdenfeindlicher, kulturalistischer Basis, sondern stellt auch eine Gefahr für ein friedliches Zusammenleben dar, da mit Angstmache durch Unwahrheiten mit der Bevölkerung gespielt wird. Weitere Beispiele können Sie dem Grundsatzprogramm der AfD entnehmen. Hinzukommend vertritt die AfD den Neokapitalismus und leugnet den von Menschen verursachten Klimawandel. Für das Bündnis ist es unvereinbar die beiden weltweit größten Fluchtursachen nicht beim Namen zu nennen, da wir durch unsere Arbeit Zusammenhänge deutlich machen möchten. Sicher ist Ihnen nun bewusst geworden, dass eine Zusammenarbeit mit der AfD aus den oben genannten Gründen für uns nicht möglich ist. Jedoch laden wir gerne jeden, dem es wirklich am Herzen liegt, sich gegen Rassismus einzusetzen, zu unseren Treffen ein.

Saskia Jürgens, Bündnis Aufstehen gegen Rassismus – Schwäbisch Gmünd