Kurzzeitparker und Parken für Anwohner künftig klar getrennt

In Gmünds Kernstadt wird es künftig eine klare Trennung zwischen Kurzzeitparkplätzen und Anwohnerparkplätzen geben. Dies beschloss der Gemeinderat am Mittwoch. Zwölf Stadträte stimmten dagegen. Drei enthielten sich. Die Stadträte folgen damit dem Vorschlag des Agenda-Arbeitskreises Mobilität und Verkehr. Dieser hatte sich für eine klare Trennung ausgesprochen. Dies in der Überzeugung, dass so der Parksuchverkehr abnimmt. Ganz anders das Fraunhofer Institut Stuttgart, das für knapp 40 000 Euro der Stadt Gmünd Empfehlungen für ein Parkkonzept der Zukunft gegeben hatte.

Dr. Bernd Bienzeisler vom Fraunhofer Institut hatte sich für Mischzonen ausgesprochen, auf denen Innenstadtbesucher gebührenpflichtig und Anwohner kostenfrei parken können. Der Vorteil dieses Systems nach Meinung des Fraunhofer Instituts: „Keine Parkflächen bleiben mehr exklusiv freigehalten und ungenutzt.“ Denn Flächen leer stehen zu lassen, sei „suboptimal“.

Konkret bedeutet der Beschluss: In der Kernstadt erhöht sich die Zahl der reinen Anwohnerparkplätze von derzeit 86 auf 163. Gleichzeitig wird die Zahl der Kurzzeitparkplätze von aktuell 125 auf 188 erhöht. Entfallen werden 147 gemischt genutzte Parkplätze.

Die CDU-Fraktion sei in dieser Sache uneins, sagte Thomas Kaiser (CDU). Dies sei ein „wesentlicher Wechsel.“ Wichtig sei allen CDU-Räten ein „klares System“. Deshalb brauche es eine „deutliche Kennzeichnung, auch auf dem Boden“. Wo sich die CDU jedoch sicher ist: „Dass der Nachttarif in den Parkhäusern zwingend um 19 Uhr beginnen muss.“ Nicht erst um 20 Uhr. Und Kaiser forderte für die Zukunft eine „scharfe Kontrolle“.

„Höchste Zeit“ sei es, dass etwas passiert, sagte Gerhard Bucher (SPD). Es sei richtig, das Mischsystem abzuschaffen. Dies verringere den Parksuchverkehr. Auch Bucher forderte einen Nachttarif ab 19 Uhr. Und dass in den Parkhäusern der Abrechnungszyklus verkürzt wird: viertel- oder halbstündlich statt stündlich.

Die Neuregelung sei „überfällig“, sagte Elmar Hägele (B 90 / Die Grünen). Auch er ist überzeugt, dass es weniger Parksuchverkehr geben wird. Hägele wies darauf hin, dass das neue System gut kommuniziert werden muss.

Ullrich Dombrowski (BL) vermisste beim Fraunhofer Instituts die E-Mobilität. Er hält den Weg der Trennung für richtig, um den Parksuchverkehr in Griff zu kriegen. Allerdings nur, „wenn konsequent getrennt wird“. Dazu müsse nachgearbeitet werden.

Einen halbstündigen Abrechnungszyklus forderte Karin Rauscher (FWF). Und attraktivere Parkhäuser. Sebastian Fritz (Die Linke) begrüßte den Wechsel: wegen weniger Parksuchverkehr und Klarheit für Anwohner.

Den Nachttarif um 19 Uhr zu starten, dies nahmen OB Richard Arnold und Bürgermeister Dr. Joachim Bläse auf. Sie würden dies umsetzen, wenn die Stadträte ihnen den dafür nötigen Zuschuss an die Parkhausbetreiber genehmigt.

Parken muss billiger werden

Die Stadt hat das renommierte Fraunhofer Institut mit einem Konzept fürs Parken beauftragt. Ein Ergebnis dieser Studie war: Gmünd hat genügend Parkplätze. In Parkhäusern. Aha! Diese Erkenntnis aber rechtfertigt keine 40 000 Euro für die Studie. Die zweite Erkenntnis ist interessanter: Das Institut empfiehlt mehr gemischte Nutzung der vorhandenen Fläche in der Kernstadt. Die Stadträte haben anders entschieden. Ihre Entscheidung ist falsch. Sie können noch so viel kontrollieren, die Kurzzeitparker werden ihre Autos trotzdem auf zeitweise leere Anwohnerparkplätze stellen. Den Parksuchverkehr in der Kernstadt wird Gmünd nur los, wenn Autos in Parkhäuser fahren. Und das geht nur über den Preis.

© Gmünder Tagespost 06.06.2018 20:21