Kritik an der Erinnerungskultur

26. September 2012  Gemeinderat, Presse, Redaktion

Petersweg bleibt Petersweg, nur der Vorname ändert sich von Carl in Hans. Das beschloss der Gemeinderat am Mittwoch und folgte damit dem Wunsch der Anwohner und des Bezirksbeirats. Zuvor gab es eine heftige Diskussion um den Sinn der Umbenennung und um die Erinnerungskultur in Schwäbisch Gmünd.

KUNO STAUDENMAIER

Schwäbisch Gmünd. Abgelehnt hat das Gremium mit einer Mehrheit von 28 zu 20 Stimmen einen Antrag von Stadtrat Elmar Hägele (Grüne), die Entscheidung zu vertagen und die Diskussion um Carl Peters in die Öffentlichkeit zu tragen, eine Anregung, die zuvor auch Peter Müller (Linke) geäußert hatte. CDU-Fraktionsvorsitzender Alfred Baumhauer betonte, man werde nicht gegen das Votum der Bürger und des Bezirksbeirats stimmen. Auch er wünschte sich, dass das Thema breiter diskutiert worden wäre. „Man blickt zu kurz, wenn man nur den Vornamen austauscht“, so Baumhauer. So hätte man im Vorfeld der Entscheidung vielleicht einen Vortrag in der Volkshochschule anbieten können. Hans-Jürgen Westhauser beschäftigte sich näher mit der Person Claus Peters. Verlässliche Quellen bezeichneten ihn als Rassisten übelster Sorte, als Verbrecher in Afrika. Er habe Völkermord betrieben, sei nach seiner Rückkehr in Ungnade gefallen, aber 1937 von Hitler posthum rehabilitiert worden. Westhauser findet es „nicht gut, wie in Gmünd Erinnerungskultur gemacht wird“. Das Thema sei in den Arbeitskreis Erinnerungskultur getragen, dort nichtöffentlich besprochen worden.

Bürgermeister Dr. Joachim Bläse wehrte sich gegen den Vorwurf, der Erinnerungskultur nicht den nötigen Stellenwert gegeben zu haben. „Es ist ungeheuerlich, wie man der Stadtverwaltung jetzt Vorwürfe macht“, so Bläse. Man habe das Thema sofort aufgegriffen, als es auf dem Rehnenhof angesprochen worden war. Es könne nicht sein, dass man so über den Arbeitskreis Erinnerungskultur und über die Entscheidung des Bezirksbeirats rede. Oberbürgermeister Richard Arnold pflichtete ihm bei, auch das Votum der 37 Anwohner sei wichtig, man werde sich nicht dagegen stellen.

Das sei kein Vorwurf an Joachim Bläse, meinte Hans-Jürgen Westhauser. Aber es sei nach Maria Kahle der zweite Vorgang, der nicht zufriedenstellend gelaufen sei. „Ich habe mich nicht entsprechend informiert gefühlt“, so Westhauser dazu. Die Ausgangslage sei zu dünn gewesen. „Wir müssen darüber reden, wie man in Schwäbisch Gmünd Erinnerungskultur machen will.“ Ullrich Dombrowski (FW/FDP) stellte die Frage, ob man wirklich alle Fehler der Vergangenheit so korrigieren sollte. Es gebe die Möglichkeit, auf einem Schild die Wahrheit über die Zeit zu dokumentieren. Auch er wünscht sich eine Diskussion über den Umgang mit dieser Zeit der Geschichte.

Als eine Pseudolösung bezeichnete Gertraude von Streit (Grüne) die Umbenennung von Carl Peters auf Hans Peters. „Ein völlig neuer Name wäre sicher sinnvoller gewesen.“ Elmar Hägele (Grüne) wollte unter diesen Voraussetzungen eine Entscheidung über die Umbenennung des Weges verschieben, fand dafür nicht genug Befürworter.

In der anschließenden Abstimmung sprachen sich 33 Gemeinderäte für die Namensänderung aus, zehn stimmten dagegen und vier enthielten sich der Stimme.

© Gmünder Tagespost 26.09.2012