Kritik am Verbrauch von Flächen

Kommunalpolitik Gmünder Linke-Fraktion und Vertreter von BUND und NABU fordern rasches Umdenken.

Schwäbisch Gmünd. Der Flächenverbrauch der Stadt Gmünd stand beim Themenabend der Linken-Fraktion im Gmünder Gemeinderat in der Kritik. Zu Gast waren Walter Beck vom NABU-Vorstand und der Geschäftsführer des BUND-Regionalverbandes, Andreas Mooslehner. Linke-Fraktionsvorsitzender Sebastian Fritz zitierte den Umweltrat der Bundesregierung, der seit Jahren den Flächenverbrauch kritisiere. Trotz vieler Bekundungen, gehe dieser immer weiter, so Fritz.

Professor Andreas Benk berichtete, dass im Bau- und Umweltausschuss wenig Einlenken zu erkennen sei. Die von der Stadt genannten Ausgleichsmaßnahmen seien ungenügend und würden oft nicht ausgeführt. Besonders bitter sei, dass die Landwirtschaft lediglich eine untergeordnete Rolle spiele. Der Flächenverbrauch sei „verantwortungslos gegenüber unseren Nachkommen“ und „verantwortungslos unter klimatischen Aspekten“, so Benk.

Walter Beck bemängelte, dass Biotope und Freiflächen zunehmend von Straßen durchschnitten würden. Dabei gebe das Land einen 15-Prozent-Anteil an Biotopflächen vor. Besonders kritisch sei Paragraf 13b: „Wenn dieses Instrument zur Schaffung von dringend benötigtem bezahlbaren Wohnraum für ein Baugebiet wie den Vogelhof missbraucht wird, dann weiß man, dass da etwas gewaltig schief läuft.“

Alternativ zum Einfamilienhaus

Andreas Mooslehner kritisierte, dass reine Einfamilienhausgebiete große Aufwendungen durch den Ausbau der Infrastruktur nach sich ziehen. Wichtiger sei, Alternativen zu reinen Einfamilienhaussiedlungen zu diskutieren und umzusetzen. Mehr Geschosswohnungsbau, Grundstücke in Erbpacht zu vergeben, und dass das Regierungspräsidium die Flächennutzungspläne genehmige und das Aufstocken auf kleine Wohneinheiten befördert werde, regte er an.

Alexander Relea-Linder kritisierte die Wohnbaupolitik der grün geführten Landesregierung. Er plädierte für einen Paradigmenwechsel: Die beschleunigten Flächenausweisungen für Einfamilienhäuser am Ortsrand seien nicht geeignet, die Wohnungsnot im Land zu beseitigen. Er wünsche sich eine innovative Debatte, auch über ein Tiny House Village in Gmünd.

Fritz verdeutlichte, dass zwischen 2013 und 2019 die Stadt 70 Hektar Fläche verbraucht habe und dabei lediglich 2570 Bürger hinzugekommen seien. Diese Fläche von 100 Fußballfeldern sei unwiederbringlich zugebaut, aber die Absicht, Neubürger zu gewinnen, sei nur in geringem Umfang gelungen.

© Schwäbische Post 31.01.2021 21:55