Kostenloser Bus kein „Allheilmittel“

Schwäbisch Gmünd. Die Busunternehmen Stadtbus und Fahrbus sehen wenig Chancen, die Zahl der Fahrgäste durch kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu steigern. Dies machten Dirk Massanetz von Stadtbus Schwäbisch Gmünd und Torsten Queren von FahrBus Ostalb am Donnerstag beim Runden Tisch Klimaschutz deutlich. Zu diesem Austausch hatte Gmünds Klimaschutzmanager Michael Schlichenmaier geladen. Kostenloser ÖPNV wird seit einigen Wochen auf Bundesebene diskutiert.

Queren und Massanetz hatten zunächst vor Stadträten und interessierten Bürgern ihre Unternehmen vorgestellt. Im FahrBus Ostalb sind zwölf Busunternehmen gebündelt, die im Jahr mit 130 Bussen etwa vier Millionen Kilometer zurücklegen. Queren nannte eine bessere Anbindung der Züge an die Busse insbesondere ab 2019 als thema für die Zukunft, wenn das britische Unternehmen „Go ahead“ die Remstalstrecke bedient. FahrBus denkt auch über die Mitnahme von Fahrrädern nach. Diese Möglichkeit gibt es bei Stadtbus bereits seit Jahren. Stadtbus bedient hauptsächlich in und um Gmünd zwölf Linien, fährt mehr als 350 Haltestellen an und hat 100 Mitarbeiter und 60 Fahrzeuge. Auch Massanetz warf einen Blick in die Zukunft. Er vermisse „eine klare Richtung, wohin es geht“. Ob Elektro-, Gas- oder Hybridantrieb. Täglich gebe es neue Nachrichten. Für ein Unternehmen wie Stadtbus sei Elektromobilität eine „Revolution“. Es gebe einen hohen zusätzlichen Energiebedarf, es brauche Ladestationen auf der Strecke und Werkstätten müssten komplett umgestaltet werden. Ungeklärt sei die Herkunft der Energie und die Entsorgung der Batterien. Dennoch laufe die Vorbereitung auf E-Mobilität bei Stadtbus in fast allen Bereichen. Ein Problem dabei: Ein Elektrobus sei doppelt so teuer wie ein bisheriger, und dies stehe im Widerspruch zu den häufig zu hörenden Aussagen, dass der Öffentliche Personennahverkehr zu teuer sei.

Paul-Gerhard Maier von Ost-alb Mobil, dem Tarifverbund aller Verkehrsunternehmen im Ostalbkreis, informierte über die Fahrgastzahlen: Danach haben die Unternehmen 2017 knapp zehn Millionen Gäste befördert, die Schüler nicht mitgerechnet. Die Tendenz ist, im Vergleich zu 2015 und 2016, leicht fallend.

Ich vermisse die klare Richtung.
Dirk Massanetz
zur künftigen Antriebstechnoligie
Die Räte Stadträte Sebastian Fritz und Karl Miller, Integrationsbeirätin Süheyla Torun und die Zuhörer Franz Geberth und Siegfried Debschütz suchten nach Wegen, die Fahrgastzahlen zu erhöhen. Ihre Anregungen bewerteten Massanetz, Maier und Queren. ÖPNV sei mit heutigen Arbeitszeiten schwer in Einklang zu bringen, sagte Maier zu dem Vorschlag, Berufstätige mit dem Bus zur Arbeit zu bringen. „Sobald Unternehmen Parkplätze anbieten, tun sich die Bürger mit dem ÖPNV schwer“, sagte Massanetz. Fahrbus habe Firmentickets angeboten, nur wenige nutzten diese, sagte Queren.

Die Abfahrtszeiten der Busse am Bahnhof zu entzerren, diesem Vorschlag erteilte Queren mit der Frage eine Absage, welcher Fahrgast dann länger am Bahnhof sitzen bleiben müsse?

Stadtbus habe das 1-Euro-Ticket, abends ab 19 Uhr und an Wochenenden, sagte Massanetz. Dies führe zwar zu mehr Fahrgästen, locke aber „den überzeugten Pkw-Fahrer nicht“. Deshalb würden auch kostenlose Tickets nicht zu spürbar weniger Autos in der Stadt führen. Dass dies das „Allheilmittel“ sei, könne auch er sich nicht vorstellen, sagte Queren. Zumal FahrBus das 1-Euro-Ticket angeboten und wieder eingestellt hatte, weil dieses sich nicht gerechnet habe.

© Gmünder Tagespost 22.02.2018 20:50