Kliniken Ostalb: Entscheidung bereits gefallen?

Gesundheit: Welche Kliniken fusionieren im Ostalbkreis? Das sei längst entschieden, behauptet Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting. Unterstützung bekommt er von seinem Schwäbisch Gmünder Amtskollegen Richard Arnold. Der sieht die Öffentlichkeit vor vollendete Tatsachen gestellt. Beide fordern nun Transparenz. Damit sind sie nicht alleine.

Die öffentliche Debatte um die Klinikstandorte im Ostalbkreis nimmt Fahrt auf. Vier Tage nach der Kreistagssitzung, in der den Kreisrätinnen und Kreisräten unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Gutachten zur Zukunft der Kliniken Ostalb vorgestellt wurde, lädt Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting am Freitag die Presse zum Gespräch.
Er behauptet: Der Landkreis habe sich bereits festgelegt, im Hintergrund sei die Vorentscheidung gefallen.
Brütting bezieht sich dabei auf den 18-köpigen Lenkungsausschuss, der einstimmig dafür plädiert habe, die Klinikstandorte Aalen und Schwäbisch Gmünd zu Gunsten eines rund 500 Millionen Euro teuren Neubaus zwischen Aalen und Gmünd aufzugeben.

Das Krankenhaus in Ellwangen solle dabei erhalten bleiben. Für Brütting sei das somit kein ergebnisoffenes Verfahren mehr, wie von Landrat Joachim Bläse bislang behauptet werde, berichten die Aalener Nachrichten aus dem Pressegespräch. „Man kann die Öffentlichkeit nicht vor vollendete Tatsachen stellen“, sagt auch Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold. Beide Stadtoberhäupter fordern Transparenz. Nur was bedeutet das Votum dieses Lenkungsausschusses, in dem Mitarbeiter aller drei Standorte und Fachbereiche vertreten sind?
„Das hat doch gar kein Gewicht“, entgegnet ein Mitarbeiter aus den Kliniken im Gespräch mit der Rems-Zeitung, der in den Entscheidungsprozess eingebunden ist. Es handle sich lediglich um ein „Meinungsbild“ – nach dem der Kreistag sogar selbst gefragt habe. „Bevor die Räte eine Entscheidung treffen, wollten sie wissen, was die Klinikmitarbeiter denken“, so habe man abgewogen und sich unter gegebenen Voraussetzungen für eben den Zusammenschluss von Gmünd und Aalen ausgesprochen. „Und nun wird die Meinung kritisiert? Weil es nicht die erwünschte Meinung war?“, fragt der Klinikmitarbeiter, der sich der Brisanz des Themas bewusst ist und deshalb nicht namentlich genannt
werden will.
Darum geht es Brütting jedoch nicht. Er verteidige beileibe nicht „den eigenen Kirchturm“, sondern fordert wie Gmünds
Oberbürgermeister Arnold einen offenen Dialog. Damit sind sie nicht alleine. Bereits Ende April bezeichnet der Gmünder Ortsverband der Linken die Standortfrage der Kliniken als inakzeptables, intransparentes Verfahren, bei dem „die Öffentlichkeit […] komplett außen vor ist“. Angesichts der Tatsache, dass sich der Kreistag schon seit Längerem mit dem Thema der Krankenhausstandorte beschäftige, fordert der Ortsverband „sofortige und umfassende Transparenz“.
In der Tat berate der Verwaltungsausschuss der Kliniken Ostalb die Neukonzeption bereits seit dem 7. Dezember vergangenen Jahres, sagt Brütting, für den sich seither Eindruck verfestigt habe, dass sich die Kreisebene intern längst auf eine Variante festgelegt hat. Eine einstimmige Abstimmung im Lenkungsausschuss habe dies untermauert. „Brütting und ich sind uns einig, dass es so nicht geht“, sagt Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold. Einem so technokratischem Gremium wie dem Lenkungsausschuss könne man diese Entscheidung nicht überlassen.

Denn es sei eine Entscheidung von großer politischer Tragweite, die der Kreistag nach intensiven Gesprächen mit der Bürgerschaft treffen müsse. Richtig viel Geld sei am Stauferklinikum in die Hand genommen worden, für die Notaufnahme und die Tagesklinik etwa; die Onkologie am Gmünder Klinikum sei ein Aushängeschild für die ganze Region. Und jetzt? „Soll ich Krebspatienten sagen, dass hier dicht gemacht wird? Dass es eine Klinik mit Verfallsdatum ist?“ In so einer Klinik bleibe dann auch kein Personal. Noch wichtiger ist Arnold aber die Versorgung in der Region. Der westliche Teil des Ostalbkreises sei sehr viel dichter besiedelt als der östliche – was für den Gmünder Oberbürgermeister deshalb heißt: „Die Gmünder Klinik ist für mich gesetzt.“

Copyright Rems Zeitung, 07.05.2022