Klimaschutz im Kleinen

Wir finden es gut, wenn sie Spitzenreiter in Sachen Klimaschutz werden und unsere Zukunft retten.“ Mit diesem Appell beendet Tim-Luka Schwab vom Aktionsbündnis „Fridays for Future Ostalb“ eine Diskussion im Gemeinderat über den Klimaschutz. Auf Antrag der Fraktionen SPD, Die Grünen und Die Linken hatte die Stadtverwaltung ihn und Laura Weber eingeladen, in der Sitzung über ihre Initiative zu berichten. Diese rufe abwechselnd in Gmünd und in Aalen immer freitags um 14 Uhr – und damit bewusst nach der Schulzeit – zu Demonstrationen auf, um Einfluss auf die Politik zu gewinnen, erklärt Laura Weber. Laut Studien erwärme sich die Erde bis 2100 um drei bis vier Grad, macht Tim-Luka Schwab deutlich. Er geht auch darauf ein, wo Gmünd aktuell steht. 2011 hat der Gemeinderat ein Zehn-Punkte-Programm zum Energie- und Klimaschutz verabschiedet. „Wir wollen wissen, wie viele Treibhausgase Gmünd 2020 ausstößt, um die Einhaltung der Ziele von 2011 zu überprüfen“, erklärt Tim-Luka Schwab und nennt weitere Forderungen: Klimaschutz müsse im Haushalt der Stadt priorisiert werden. Die Stadt solle ein integriertes Klimaschutzkonzept erstellen, das den Anforderungen des Pariser Klimaschutzabkommens entspricht. Es brauche konkrete Maßnahmen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Und Selbstkontrolle bei der Auswertung relevanter Daten.

„Energieschleuder auf Stelzen“

Die Analyse des Stadtklimas sei ein guter Schritt. Genauso das Forschungsprojekt „RESI-extrem“, in dem Starkregen analysiert und in der Stadtentwicklung berücksichtigt wird. Allerdings müsse auch nach den Erkenntnissen gehandelt werden. „Daher dürfen beispielsweise keine weiteren Kaltluftentstehungsgebiete wie der Nepperberg bebaut werden“, meint der 18-Jährige zu der Fläche, auf der die Stadt ein Investorenbad bauen lassen will. Als Ersatz für das alte Hallenbad an der Goethestraße. Dieses sei sanierungsbedürftig und brauche viel Energie, sagt Reinhard Langer, Vorsitzender des Jugendgemeinderats, als er zusammen mit seiner Stellvertreterin Janna Speckle über Umwelt- und Klimaschutz im Kleinen spricht. CDU-Stadtrat Christian Baron formuliert es in der folgenden Diskussion drastischer: Wenn es einen Negativpreis gäbe für eine Anti-CO2-Maßnahme, müsste man diesen der Bürgerinitiative Taubental verleihen, die den Bau des Bades verhindert habe. Das aktuelle Hallenbad nennt Baron „eine Energieschleuder auf Stelzen“ mit einer „verheerenden CO2-Bilanz“. „Wir sollten das Hallenbad unbedingt bauen“, meint auch Bürgerliste-Stadträtin Brigitte Abele. Denn Gmünder sollen in Gmünd baden können und nicht nach Schorndorf fahren müssen.

Reinhard Langer lobt auch die Pläne, den See im Schießtal wieder zum Badesee zu machen: Das wäre „ein Sommer-Highlight in Gmünd“. Und Jugendliche müssten nicht mehr länger zu den Seen in Plüderhausen oder in Gschwend fahren. Beziehungsweise sich fahren lassen. Der Jugendgemeinderatsvorsitzende appelliert an Jugendliche, auf Elterntaxen zu verzichten.

Einen Badesee vor der Haustür, das nennt SPD-Fraktionssprecherin Sigrid Heusel „wunderbar“. Sie schlägt einen runden Tisch Klimaschutz vor. Es sei nicht zu verachten, was Gmünd für den Klimaschutz leiste, doch es sei noch nicht genug, meint sie und fordert etwa den weiteren Ausbau von Radwegen. An die Themen Radwegenetz und Mobilität „müssen wir ran“, sagt auch Linken-Sprecher Sebastian Fritz, der zudem auf Verbesserungen beim öffentlichen Personennahverkehr setzen will.

Erfolge als Motivation

Unter anderem um das Thema Mobilität gehöre der Zehn-Punkte-Klimaschutz-Plan der Stadt erweitert, fordert Grünen-Stadtrat Alexander Schenk. Auf den Radwegeausbau geht auch FWF-Rätin Karin Rauscher ein. Sie sieht eine wichtige Rolle bei Klimaschutzmanager Robin Hecker. Auf diesen verweist auch Oberbürgermeister Richard Arnold. Er appelliert, „wir sollten unsere Erfolge nicht kleinreden“. Doch „wir sollten sie als Motivation nehmen, kräftig weiterzumachen in Sachen Klimaschutz“.

Der Jugendgemeinderat diskutiert in seiner Sitzung an diesem Donnerstag, 11. April, unter anderem über „Fridays for Future“. Beginn ist um 17 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Rathauses.

© Gmünder Tagespost 10.04.2019 21:31