Klare Regeln für das Gmünder Busnetz

Schwäbisch Gmünd. Der Busverkehr auf der Ostalb und somit auch in und um Schwäbisch Gmünd wird sich in den kommenden Jahren verändern. Der Grund: Alle interessierten Unternehmen können sich künftig für die vom Kreis ausgeschriebenen „Bündel“ bewerben. Gesucht wird ein Bieter, der die Linien auf eigene Rechnung betreibt. Zuschüsse gewährt die öffentliche Hand nur noch auf den Schüler- und Ausbildungsverkehr.

Durch diese Strukturveränderung im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wird es zukünftig einen Wettbewerb unter den Busunternehmen geben. Davon betroffen sind auch die Buslinien im Schwäbisch Gmünd und Umgebung – Stadtbus, OKgo, Kolb und Betz.

„Jeder hat die gleiche Chance“

Allerdings komme die geplante Linienbündelung den hiesigen mittelständischen Unternehmen entgegen, erklärte Ingo-Benedikt Gehlhaus, Leiter des Geschäftsbereichs Nahverkehr beim Landratsamt, am Mittwoch im Bau- und Umweltausschuss. Ähnlich wie im Rems-Murr-Kreis werden im Ostalbkreis sämtliche „Bündel relativ klein“ gehalten“. Dadurch seien sie für „große Busunternehmen fast schon unattraktiv“, so Gehlhaus. Weswegen auch im Nachbarkreis hauptsächlich regionale Anbieter unterwegs seien. Was aber nicht bedeute, dass hiesige Busunternehmen den Zuschlag automatisch erhalten. „Jeder hat die gleiche Chance.“

Im Herbst, so Gehlhaus weiter, werde der Kreistag die Standards für den künftigen Busverkehr festlegen. Dabei gehe es etwa um Fahrpläne und Mindestbedienungen von Haltestellen. Auch Tarifvorgaben, Arbeitsbedingungen und Anforderungen an die Fahrzeugflotte, wie etwa Barrierefreiheit und WLAN, sollen dabei formuliert werden. Bedeutet: Der Landkreis macht genaue Vorgaben, was das Busunternehmen zu leisten hat. Die Vertragslaufzeit für den ausgeschriebenen Busverkehr beträgt in der Regel zehn Jahre.

Auf die Frage von Sebastian Fritz (Linke), was die Linienbündelung für das Ein-Euro-Ticket in Schwäbisch Gmünd bedeutet, entgegnete Gehlhaus, dass es sich dabei um ein freiwilliges Angebot des Unternehmens handelt. Heißt: Bekommt ein neuer Anbieter den Zuschlag, müsse es neu ausgehandelt werden. Zuschüsse vom Kreis seien dafür nicht vorgesehen.

Die Sorgen einiger Stadträte, wonach die Ticketpreise durch die Linienbündelung anziehen könnten, entkräftete Gehlhaus. „Die Fahrpreise werden weiterhin vom Kreis vorgegeben.“ Auch werde – zur Freude von Stadtrat Thomas Kaiser (CDU) – darauf geachtet, dass sämtliche Liniennetze aufeinander abgestimmt und flexibel gehandhabt werden können.

Wie es in Gmünd weitergeht

Wann wird sich beim ÖPNV im Raum Schwäbisch frühestens etwas ändern? Während das Aalener Stadtbusnetz bereits im Jahr 2020 ausgeschrieben werden soll, bleibt in Gmünd vorerst alles beim Alten. Den aktuellen Planungen zufolge soll erst 2023 das Gmünder Stadtnetz inklusive der Linien nach Waldstetten, Bargau und Heubach ausgeschrieben und neu vergeben werden – als Starttermin ist der 1. August 2025 vorgesehen. Der Wettbewerb im Bereich „Schwäbisch Gmünd Nordost“ – das Gebiet umfasst den Rosenstein und das Leintal bis Eschach – beginnt im Jahr 2024. Starttermin für diesen Bereich ist der 1. August 2026. Mitte 2026 will der Landkreis schließlich mit dem Verfahren im Bereich „Schwäbisch Gmünd Nord“ beginnen, dabei geht’s um die Buslinien Mutlangen, Täferrot und Spraitbach bis Gschwend. Starttermin in diesem „Bündel“ ist am 1. August 2028.

Während Konrad Sorg (SPD) die Linienbündelung weiterhin ablehnt und keinen finanziellen Vorteil für den Landkreis sieht, sprach sich Elmar Hägele (Grüne) klar dafür aus: „Wir können den ÖPNV nur dann attraktiver gestalten, wenn wir bestimmte Kriterien festlegen.“ Und genau das geschehe mit der Linienbündelung.

© Gmünder Tagespost 05.06.2019 20:01