KINDERTAGESBETREUUNG

10. Januar 2010  Gemeinderat

Krippen, Kitas, Kindergärten oder Tagespflege – seit Jahrzehnten wurde die Kinderbetreuung in Deutschland, insbesondere im Westen, vernachlässigt. Einen Krippenplatz für unter Dreijährige zu finden, ist in vielen Regionen so, wie einen Fünfer im Lotto zu gewinnen. Mütter und Väter müssen für die Kinderbetreuung immer tiefer in die Tasche greifen. Und während sie zur Kasse gebeten werden, entzieht sich der Staat seiner Verantwortung. Das Resultat sind zu große Gruppen, fehlende Weiterbildungsmöglichkeiten für Erzieherinnen und Erzieher, fehlende Instandhaltungsarbeiten, starre Öffnungszeiten. Entsprechend schlecht schneidet Deutschland im europäischen Vergleich der Kinderbetreuung ab.

Kinderbetreuung ist ein soziales Recht für Eltern und Kinder. Gute Kinderkrippen und Kindergärten helfen, Kinder zu bilden und zu erziehen. Sie sind Orte des sozialen Lernens, gemeinsamen Spielens und Entdeckens. Sie können am Abbau sozialer Ungleichheit mitwirken, und sie sind für viele Kinder das Tor in die Gesellschaft. Die Bundesregierung will die Kinderbetreuung mit Hilfe von Privatkindergärten verbessern. Diese sollen wie gemeinnützige Einrichtungen mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Damit wird dem privaten Kapitalmarkt ein neues Feld bereitet. Profitorientierung ist das Ende der sozialen Jugendhilfe. Öffentliche Förderung profitorientierter Kita-Unternehmen fördert teure Betreuung für Kinder zahlungskräftiger Eltern und Billigverwahrung für die Kinder einkommensschwacher Eltern. Darunter haben nicht nur Kinder und Eltern, sondern auch Erzieherinnen und Erzieher durch verschlechterte Arbeitsbedingungen zu leiden. DIE LINKE lehnt die Förderung privat-gewerblicher Träger von Kindertagesbetreuungseinrichtungen mit öffentlichen Mitteln ab. Eine Gleichstellung von privat-gewerblichen und gemeinnützigen Trägern fördert Gewinnorientierung und Privatisierung in der Jugendhilfelandschaft.

Zu all den beschriebenen Problemen, insbesondere der Möglichkeit überhaupt einen Platz zu bekommen, kommt speziell in Schwäbisch Gmünd noch ein weiteres hinzu. Der Gemeinderat hat im Juni des vergangenen Jahres die Gebühren für die Kinderbetreuung um sage und schreibe 30 % erhöht. Diese Erhöhung wurde schon jetzt am 01. Januar 2010 zur Hälfte  erhoben und soll zu einem späteren Zeitpunkt vollends erhoben werden. Diese Aufteilung wurde aber nur aufgrund des Elternprotests durchgeführt.

Die im Aufbau befindliche Fraktion DIE LINKE im Schwäbisch Gmünder Gemeinderat wird sich daher bei den Haushaltsberatungen mit einem entsprechenden Antrag einbringen, um dem Ziel einer gebührenfreien Kinderbetreuung einen Schritt näher zu kommen, bzw. um vor allen Dingen an dieser Stelle eine Staffelung zu erreichen, die es allen Menschen ermöglicht, ihre Kinder in eine Betreuung zu geben.