Kein Schnellschuss

Stadt zu Linke-Anfrage über Name Richard-Bullinger-Straße

OB Richard Arnold will bei der Anfrage zu einer Umbenennung der Richard-Bullinger-Straße keinen Schnellschuss. Dies sagte Stadtsprecher Markus Herrmann. Die Linke-Stadträte Sebastian Fritz und Peter Müller haben den OB um eine Stellungnahme zur Richard-Bullinger-Straße gebeten.

MICHAEL LÄNGE

Schwäbisch Gmünd. Bullinger sei hoher Angestellter im Generalsrang im Reichsluftfahrtministerium gewesen, schreiben Müller und Fritz an den Oberbürgemeister. Er habe die kriegswichtige Produktion im Luftfahrtbereich koordiniert. Und er sei zuständig gewesen für die Verlagerung von Industrieanlagen ins Hinterland, zum Beispiel nach Gmünd. Dafür sei er von der damaligen Stadtverwaltung mit Ehrungen überschüttet worden, und eine Straße sei nach ihm benannt worden. Die beiden Stadträte wollen dazu nun eine Diskussion führen, die auch die ZF einbezieht, die im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter in Gmünd beschäftigt habe. Im August 1999 habe sich die ZFLS an dem Fonds der deutschen Industrie zur „Entschädigung der Zwangsarbeiter“ beteiligt. Müller und Fritz schlagen nun vor, die Richard-Bullinger-Straße entweder nach Robert Haidner oder nach Heinrich Probst zu benennen, die kurz vor Kriegsende am Unteren Buch und im Schießtal hingerichtet worden seien

Die Linke hatte vor etwa zwei Wochen im Gemeinderat bereits nach der Richard-Bullinger-Straße gefragt. Der OB hatte damals deutlich gemacht, dass er zum einen die Anlieger in die Diskussion einbeziehen will, zum anderen aber die Frage breit im Arbeitskreis Erinnerungskultur diskutieren will. Bei der Richard-Bullinger-Straße sei keine Lösung möglich wie beim Petersweg auf dem Rehnenhof, sagte Herrmann am Montag. Dort soll der Namensgebung künftig statt Carl Peters Hans Peters zugrunde gelegt werden. Carl Peters hat im 19. Jahrhundert die Bevölkerung in Deutsch-Ostafrika unterdrückt. Hans Peters war ein schlesischer Maler. In der Frage der Richard- Bullinger-Straße wolle der OB keinen Schnellschuss, sagte Herrmann. Der nächste Schritt ist der Arbeitskreis Erinnerungskultur. Und der OB werde auch auf die ZFLS zugehen.

Inhaltlich sei es ZFLS nicht möglich, in der Kürze der Zeit auf diesen an den OB gerichteten offenen Brief einzugehen, sagte ZFLS-Unternehmenssprecher Andreas Ziegele auf GT-Anfrage. Allerdings stehe die ZFLS selbstverständlich für die Gespräche mit der Stadt zur Verfügung.

© Gmünder Tagespost 15.05.2012