Kein Platz für Extremisten im Rathaus

Bürgermeister Dr.Bläse zeigt Kante bei Neubenennung des Integrationsbeirats / Tumultartige Demo auf Marktplatz klingt nach
Viele Gmünder, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, zeigen sich verunsichert angesichts der Kundgebung und Gegendemo mit Handgreiflichkeiten von Türken und Kurden am vergangenen Samstag im Herzen der Stadt Schwäbisch Gmünd, die bislang doch als betont friedlich und tolerant galt.
SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Allgemein verurteilt wird, dass politische und kriegerische Konflikte aus fernab plötzlich auch von Gruppierungen mitten auf Straßen und Plätzen einer Stadt getragen werden, die allen („Gmünder Weg“) Heimat in Frieden und Freiheit anbieten möchte. Und die Demo prägt auch die an diesem Mittwoch im Gemeinderat anstehende Neubenennung der Mitglieder des Integrationsbeirats. Die aktuelle Fragestellung dazu: Ziehen dort nur Vertreter ein, die tatsächlich an Integration interessiert sind oder möglicherweise vielleicht auch Leute, die im Gastland ihr politisches oder gar extremistisches „Süppchen“ kochen wollen. Auf Anfrage erklärte gestern Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, dass auch er die Verunsicherung und die kritischen Fragen der Bürger zum Verhalten von politischen Extremisten unter Bewohnern Gmünds mit Migrationshintergrund zu spüren und zu hören bekomme. Vor allem auch seit den Ereignissen vom vergangenen Samstag auf dem Gmünder Marktplatz. Bei der Benennung der Mitglieder für den neuen Integrationsbeirat sei in der Tat darauf geachtet worden, dass dort Vertreter von vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppierungen keinen Mandat erhielten. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Stadtverwaltung den Dialog zu diesen abbreche. Namentlich nennt Bürgermeister Dr. Joachim Bläse die türkischen Gemeinschaften „Graue Wölfe“ und „Milli-Gö- rüs“, deren Einstellungen im Integrationsbeirat, mithin im toleranten und welt offenen Gmünder Rathaus nichts zu suchen hätten. Deren vorgeschlagene Namen seien aus der Benennungsliste für den neuen Integrationsbeirat zwar gestrichen worden, dennoch strebe die Stadtverwaltung weiterhin einen Dialog mit diesen Gruppierungen im Sinne eines guten Miteinanders und einer ehrlich angebotenen Integrationspolitik an. Er, Bläse, sei vor dem Hintergrund der zunehmenden Ängste und Befürchtungen vieler Bürger vor einem Überschwappen der politischen Konflikte nach Gmünd auch schon in der Ditib-Moschee gewesen. Seine Botschaft dort an die größte türkisch-muslimische Gemeinschaft Gmünds: Absolute Toleranz, Freiheit mit Respekt und Vertrauen für die Religionspflege. Aber kategorisches Nein, wenn religiöse Botschaften in der Gmünder Moschee möglicherweise für politische Inhalte oder gar Empfehlungen missbraucht werden. Wer hier in Deutschland und Schwä- bisch Gmünd im Schutze von Freiheit, betonter Toleranz und Demokratie lebe, der möge das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und Religionsausübung nicht nur für sich selbst in Anspruch nehmen, sondern dieses auch bei anderen respektieren. Für Bürgermeister Dr. Joachim Bläse war vergangenen Samstag die Genehmigung einer Friedensdemonstration gegen den Krieg der türkischen Staatsmacht gegen die Kurden eine Selbstverständlichkeit im Sinne des grundgesetzlich verbrieften Demonstrationsrechts. Er danke dem besonnenen Vorgehen der Polizei und des Ordnungsamtsleiters Gerd Hägele, dass es zu keiner größeren Eskalation mit Gegendemonstranten gekommen sei. Er verstehe auch die Verunsicherung und Irritation der Gmünder Bevölkerung angesichts eines Konflikts, der hier in dieser Stadt nichts zu suchen habe. Daher werde er sich überlegen müssen, ob er im Wiederholungsfall eine solche Veranstaltung auf dem Marktplatz noch guten Gewissens genehmigen könne oder einer solchen einen anderen Platz abseits zuweise.
Rems Zeitung, 19.03.2018