Kein Lehrgerüst für Hotel-​Neubau am Stadtgarten

Bild 2Es war der Punkt der in der Sitzung des Gmünder Gemeinderats am Mittwoch die meiste Zeit beanspruchte: Muss die Dimension des neuen Hotels beim Bahnhof mit einem Lehrgerüst verdeutlicht werden? Das Gremium sagte mit breiter Mehrheit: Nein.

SCHWÄBISCH GMÜND (ml). Die Grünen hatten den Antrag gestellt und Karl Miller begründete ihn: Das Gebäude rage deutlich über die umgebende Bebauung hinaus, sei höher, als die Traufe des Fünfknopfturms. Das gelieferte Modell zeige das nicht deutlich; deshalb müsse das Lehrgerüst her. Dann könne man sich auch besser vorstellen, wie sehr das Hotel den Remspark besonders Nachmittags verschatten werde.
„Bislang haben wir uns in solchen Fällen eigentlich mit 1:500-Modellen begnügt“, erklärte Baubürgermeister Julius Mihm für die Verwaltung. Der Fünfknopfturm sei vom Neubau auch ziemlich weit weg. Ein Zusammenhang bestehe eher zur Neubebauung gegenüber dem Bahnhof – und hier nehme das Hotel die Traufhöhe der alten Post auf. Darüber hinaus rage dann der Restaurantbereich mit 160 Plätzen, der aber zum allergrößten Teil aus Glas bestehe.
„Dass wir einen Investor und einen Betreiber haben, ist ein Glücksfall für Gmünd“, ergänzte Oberbürgermeister Arnold. Die Fassade des Gebäudes werde eine silbrig-​metallische Gewebestruktur haben und damit ein schönes Gegenstück zum goldenen „Forum“ am anderen Ende des Remsparks bilden.
Man könne kein Stockwerk herausnehmen, ohne das gesamte Hotelprojekt zum Scheitern zu verurteilen, erklärte Celestino Piazza (CDU). Gmünd brauche dieses Vier-​Sterne-​Hotel für die Zukunft des Congresscentrums Stadtgarten.
Es habe keinen Sinn, ein solches Lehrgerüst zu errichten, meinte auch Konrad Sorg (SPD). „Wenn die übrigen Bedingungen stimmen, beißen wir in den vielleicht sauren Apfel eines höheren Hotels; Hauptsache es wird ein Hotel mit Qualität.“ Sorg erinnerte außerdem daran, dass auch beim Forum Gold & Silber über ein zusätzliches Stockwerk gejammert worden sei, man heute aber sehe, dass damit die Proportionen des Gebäudes viel besser seien. Außerdem seien die vielen Arbeitsplätze, die das Hotel bringe, ein großer Gewinn für Gmünd.
„Danach wären wir genau so schlau“, lehnte Ullrich Dombrowski das Lehrgerüst für die FW/​FDP-​Fraktion ab: „Dann würden nämlich immer noch einige sagen, dass ihnen das zu hoch ist, während die anderen es in Ordnung finden, um die Stadt voranzubringen.“ Dombrowski warf ein, dass Stadtgarten-​Manager Wolfram Hub wegen der Verzögerung, die der Grünen-​Antrag für die Baugenehmigung ausgelöst habe, bereits eine Kongress-​Anfrage ablehnen musste.
„Die Gartenschau hat Gmünd ein gutes Stück mehr Urbanität gebracht; darauf sollte man sich einstellen“, forderte Karin Rauscher (FWF). Sie sei wegen des neuen Hotels allerdings etwas weniger euphorisch, als andere, weil diesem die Tiefgarage fehle. Der Verweis auf die benachbarte Stadtgarten-​Tiefgarage führe da nur bedingt weiter.
Ganz anders Sebastian Fritz (Linke), der sich hinter den Grünen-​Antrag stellte. Seine Fraktion habe schon mehrfach Bedenken gegen die geplante Höhe des neuen Hotels geäußert. Für eine öffentliche Diskussion könne das Lehrgerüst die wirklichen Größenverhältnisse visualisieren.
Christof Preiß (CDU) nannte als Architekt ein weiteres Problem: Bei einem so großen Lehrgerüst rede man über Kosten von 40 000 bis 50 000 Euro. Es könne nicht sein, dass man so etwas einem Investor aufs Auge drücke.
Elmar Hägele (Grüne) nannte die Hochhäuser in Großdeinbach als Höhenvergleich: „So etwas will ich nicht am Stadteingang.“ Er wolle kein Hotel um jeden Preis. Seine Fraktionskollegin Brigitte Abele stellte abschließend die Frage, ob wirklich ein Lehrgerüst den gesamten Hotelbau gefährde.
Bei der Abstimmung waren lediglich die Linken-​Fraktion, die Mehrheit der Grünen und Heidi Preibisch (FW/​FDP) für das Lehrgerüst. Es gab vier Enthaltungen (zwei Grüne, zwei SPD). Alle anderen lehnten den Grünen-​Antrag ab.