Kampf um die Straße: Radfahrer gegen Autofahrer

03. Juli 2019  Gemeinderat, Presse, Redaktion

Fahrradfahrer ziehen bei einem Unfall mit einem Auto in der Regel den Kürzeren. Teilweise verletzen sie sich dabei schwer. Erst kürzlich musste ein 65-jähriger Radler nach einem Zusammenstoß mit einem Auto in Unterbettringen wiederbelebt werden. Der Mann hatte Glück im Unglück – und überlebte.

Kein Einzelfall. Wie die Polizei auf Nachfrage bestätigt, sind die registrierten Unfälle mit Beteiligung eines Radfahrers deutlich gestiegen. Laut Statistik im Jahr 2018 um knapp zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und 46 Prozent mehr als noch 2014. Mit ein Grund für diesen Anstieg sei, dass immer mehr Fahrradfahrer auf den Straßen unterwegs seien, erklärt Polizeisprecher Holger Bienert. Auch die Zahl der Pedelec- und E-Bike-Fahrer habe deutlich zugenommen. Denn vor allem für ältere Menschen sei es attraktiv, ohne Anstrengung radeln zu können, sagt Bienert.

Natürlich sei es mit Blick auf die Umwelt „sehr erfreulich“, dass immer mehr Gmünder auf das Fahrrad umsteigen, sagt Stadtsprecher Markus Herrmann. Doch sorge diese Entwicklung „leider auch für Konflikte“ zwischen Autofahrern und Radlern sowie zwischen Fußgängern und Radlern. Herrmann nennt in diesem Zusammenhang den „begrenzt zur Verfügung stehenden Verkehrsraum“ im gesamten Stadtgebiet: „Es gibt einfach nicht genug Platz für alle.“ Konfliktpunkte gebe es trotz neu geschaffener Radwege, wie dem Remstalradweg, auch weiterhin. Zum Beispiel am Zeiselberg oder entlang der Königsturmstraße kämen sich Fahrradfahrer, Autofahrer und Fußgänger häufig in die Quere. Und nicht selten komme es dann zu Unfällen.

Radler häufig selber schuld

Fahrradfahrer sind per se nicht gefährlicher als Autofahrer.

Holger Bienert,
Polizeisprecher

Nach Angaben des Aalener Polizeipräsidiums verschulden die Radler dabei in mehr als der Hälfte der registrierten Fälle die Unfälle selbst. Die häufigste Ursache sei die Missachtung der Vorfahrt, gefolgt von zu hoher Geschwindigkeit und Fehlern beim Einfahren in den fließenden Verkehr. Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot und das verbotswidrige Benutzen der Fahrbahn seien weitere Gründe für Unfälle. Auch im Falle des Unglücks in Unterbettringen vor wenigen Tagen hatte sich der 65-Jährige nicht an die Verkehrsregeln gehalten und war in falscher Richtung in einem Kreisverkehr unterwegs.

Jedoch, betont Bienert, seien Fahrradfahrer deswegen „per se nicht gefährlicher als Autofahrer“. Aber natürlich gebe es „auch ein paar aggressive Radler“, weiß Herrmann. Beide, Polizeisprecher und Rathaussprecher, appellieren daher an die Vernunft aller Verkehrsteilnehmer. Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer sollten im Straßenverkehr aufeinander Rücksicht nehmen, die für sie vorgesehenen Routen verwenden, die Verkehrsregeln beachten und „wenn’s hart auf hart kommt, auch mal anderen den Vorrang lassen“, sagt Bienert.

Der Polizeisprecher rät Pedelec- und E-Bike-Fahrern zudem, „immer einen Helm zu tragen“ und ihr Gefährt auf einem Parkplatz kennenzulernen – noch bevor sie sich damit auf die Straße wagen. Denn viele unterschätzten die Leistungsfähigkeit dieser Räder – ein Sachverhalt, der für Bienert ein weiterer Grund dafür ist, warum die Zahl an Fahrradunfällen in Schwäbisch Gmünd und Umgebung in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat.

Mehr Radfahrer – mehr Unfälle

Die Zahl an Fahrradfahrern im Ostalbkreis steigt. Wie viele Räder, Pedelecs oder E-Bikes tagtäglich unterwegs sind, ist statistisch nicht festgehalten – dafür aber die Unfallzahlen.

  • 222Unfälle mit Beteiligung eines Radfahrers registrierte die Polizei im Jahr 2018 im Ostalbkreis, das sind 20 mehr als im Vorjahr 2017 und 70 mehr als noch 2014. Tendenz weiter steigend. Unfälle, die der Polizei nicht gemeldet wurden, sind nicht berücksichtigt.
  • 50Radfahrer zogen sich bei den 222 Verkehrsunfällen im Jahr 2018 schwere Verletzungen zu. 142 verletzten sich leicht. Auch hier ist ein Anstieg zu verzeichnen: 2014 verletzten sich nur 36 Radfahrer schwer, während 99 mit leichteren Verletzungen davonkamen. Für einen Radfahrer endete 2018 ein Unfall tödlich.

Aktuelle Zahlen von 2019 liegen derzeit noch nicht vor – sie werden erst im Frühjahr 2020 von der Polizei bekannt gegeben. Eine Statistik nur für den Gmünder Raum gibt es nicht.jas

 

© Gmünder Tagespost 02.07.2019 18:39