Jugendgemeinderat für Gmünder Klimanotstand

08. Juni 2019  Gemeinderat, Presse, Redaktion

SCHWÄBISCH GMÜND (nb). In einigen Städten in Deutschland wurde der Klimanotstand bereits ausgerufen. Geht es nach der Fraktion der Linken im Gemeinderat, dann soll auch die Stadt Gmünd den Klimanotstand ausrufen (die RZ berichtete). Einen entsprechenden Antrag wollte auch der Jugendgemeinderat formulieren, die Linksfraktion kam ihnen zuvor. In einer eigens einberufenen Sitzung des Jugendgemeinderates gestern stand das Thema Klimanotstand im Mittelpunkt und damit verbunden die Frage, ob sich der Jugendgemeinderat dem Antrag der Linken anschließt oder nicht.

Jugendgemeinderat Linus Nolte befürwortete den Antrag und erklärte eingangs, dass ein Klimanotstand auch in Gmünd ein wichtiger Beitrag zum Weltklima sei. Dieses sei ins Wanken geraten, man müsse handeln.

Zur Sitzung gekommen gestern war auch Oberbürgermeister Richard Arnold, der sich erfreut zeigte, dass im Gremium des Jugendgemeinderates über den Klimaschutz gesprochen wird; „es zeigt, wie wichtig das Thema den jungen Leuten ist“. Man dürfe jedoch, so sagte er weiter, nicht bei den Appellen stehenbleiben.

OB Arnold berichtete von der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages, an der er kürzlich gemeinsam mit Stadträtin Heidi Preibisch teilgenommen habe und bei der die Frage, wie sich die Städte in Sachen Klimaschutz verhalten, ein großes Thema war.

Wenn Klimanotstand als Resolution einfach nur im Raum stehe, dann könne es schnell zu einer Klimanotstandslüge werden, so Arnold. Der Begriff Klimaschutz habe etwas hemmendes, demotivierendes. Das Thema Notstand an sich sei ein überladener Begriff, deshalb müsse man dies zurückhaltend angehen.

Untätig sein will die Stadt dennoch nicht. Und dass sie es auch bisher nicht war, das erklärte der Oberbürgermeister gestern den Jugendgemeinderäten anhand von Beispielen. Er nannte das Konzept „Energieeffiziente Stadt“ und erklärte, dass alle öffentlichen Gebäude – dort, wo es möglich war – mit Solardächern ausgestattet wurden. Auch verwies er auf die energetische Sanierung von Immobilien und darauf, dass nach und nach auch der städtische Fuhrpark elektrifiziert worden sei. Der ÖPNV habe mit Elektrobussen nachgezogen. Auch ver

wies der OB darauf, dass die Stadt einen Klimaschutzmanager, Mobilitätsmanager und Flächenmanager habe.

Stolz berichteten er und Stefan Herzhauser von den Gmünder Stadtwerken, der ebenfalls zur Sitzung gekommen war, davon, dass der Anteil der regenerativen Energien der städtischen Gebäude inzwischen bei 54 Prozent liegt. Als Ziel formuliert wurde ein Anteil von 50 Prozent bis zum Jahr 2022. Und es waren viele weitere Stichwörter, die in den Ausführungen des OB zur Sprache kamen. Etwa, dass es hier den zweitgrößten Solarpark in Baden-Württemberg gibt, ein integriertes Klimaschutzkonzept verabschiedet worden ist, die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt wurde, die Stadt Ökostrom be- zieht und Gmünd Pilotstadt für Elektromobilität ist. Der Oberbürgermeister bat die Jugendgemeinderäte, beim Thema Klimanotstand all das zu berücksichtigen, was in der Stadt bisher geleistet worden sei. Bei vielen Bürgern, so der OB, könne ein Klimanotstand auch zu Abwehrreaktionen führen. Arnold: „Das Thema heißt nicht Klimanotstand, son- dern Klima in Not, damit wir alle Menschen erreichen.“ Jugendgemeinderat

Tim-Luka Schwab kritisierte die langen Ausführungen des OB und meinte: „Sie versuchen, uns zu beeinflussen.“ Er finde den Antrag der Linken gut. Damit der Klimanotstand nicht nur ein Etikett bleibe, könne der OB es mit Leben füllen. Und: „Wenn man sich die Daten und Fakten anschaut, dann ist es so, dass es nicht mehr arg viel schlimmer werden kann.“

Wenn viele Städte nicht den Klimanotstand ausrufen, dann habe das ganze nicht die gewünschte Reichweite, meinte eine weitere Jugendgemeinderätin. Vorsitzender Reinhard Langer meinte, dass die Stadt Gmünd sehr viel mache, es sei wichtig, dies der Bevölkerung aufzuzeigen.

OB Arnold sprach sich klar gegen eine Resolution aus und meinte: „Wir müssen auch beim Klimaschutz den Gmünder Weg finden.“

Bei der anschließenden Abstimmung stimmten nicht alle, aber doch die meisten Jugendgemeinderäte dafür, den Antrag der Linken zu unterstützen.

In zwei Wochen wird der Gemeinderat darüber entscheiden, ob in der Stadt der Klimanotstand ausgerufen wird oder nicht.

© Rems Zeitung, 08.06.2019