Innenstadtstraßen für eine Stunde auf Fahrradtempo

Schwäbisch Gmünd. Der Feierabendverkehr läuft an diesem Freitag für die Autofahrer nicht in gewohnter Weise. Mehr als 100 Radfahrer beteiligen sich an der Aktion „Critical Mass“, nehmen den Straßenraum für sich in Anspruch und geben dem motorisierten Verkehr das Tempo vor. Dazu haben im Vorfeld SPD, Grüne, Linke, Bund und der Lieferservice „Gmünder Radler“ aufgerufen.
„Bei Gruppen von mehr als 15 Radfahrern“, darauf weist der Stadtrat der Linken, Sebastian Fritz, hin, „dürfen sie in Zweierreihen fahren, nehmen also den Platz eines Autos ein“. Mit deutlich unter 20 km/h geht es so vom Bahnhof durch die Remsstraße über den Glockekreisel, die Königsturmstraße, und Klösterlestraße zur Robert-von-Ostertag-Straße zurück zum Ausgangsort. Unterwegs schließen sich weitere Radfahrer dem Protestzug an.
Ein Protest, der sich vor allem auf die fehlenden durchgängigen Radwege in der Stadt bezieht. Volker Nick behauptet sogar, „dass die Radwege an keiner Stelle in der Innenstadt in Ordnung sind.
Eine geschlossene Radwegeführung gebe es auf jeden Fall in Schwäbisch Gmünd nicht, meint Sebastian Fritz. Wichtig sei vor allem, dass Radfahrer auch an Kreuzungen und Kreisverkehren gut aufgehoben seien.
Grund für ihn, sich deutlich gegen den Umbau des Glockekreisels zu einem Turbo-Kreisverkehr zu positionieren. Damit wäre der Bereich für Radfahrer tabu. In der kommenden Woche ist das Thema im Bau- und Umweltausschuss. „Der Vorschlag der Verwaltung steht für eine Verkehrspolitik der 1970er-Jahre“, so Fritz. Dabei werde nur an Autofahrer gedacht, nicht an andere Verkehrsteilnehmer. Ziel müsse es aber sein, den motorisierten Verkehr zu verringern.
Ganz nach dem Motto „wir behindern nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr“, umrunden die Teilnehmer von „Critical Mass“ am Klimatag die Gmünder Innenstadt. Bundesweit finden in rund 500 Städten ähnliche Protestveranstaltungen von Radfarern statt.
Die Polizei und der Leiter des Rechts- und Ordnungsamts, Gerd Hägele, beobachten den Protestzug. Hägele möchte für mögliche Proteste in der Zukunft die Auswirkungen auf den Verkehr beobachten und auswerten. Kuno Staudenmaier

© Gmünder Tagespost 20.09.2019 21:35