Immer mehr junge Leute zieht’s nach Gmünd

Sebastian FritzSchwäbisch Gmünd hat in den vergangenen fünf Jahren 1720 Einwohner gewonnen. Dies ist eine Nachricht des Demografieberichts 2015, den die Stadtverwaltung am Mittwoch den Stadträten vorstellte. Alle sechs Ratsfraktionen lobten den Bericht.

Schwäbisch Gmünd. Den letzten Demografiebericht gab es 2010. Damals war die Bevölkerung rückläufig. Parallel hatten die Umlandgemeinden Einwohner gewonnen. Inzwischen hat Gmünd 59 911 Einwohner, die Prognose für 2030 liegt bei 64 000 Einwohnern.Eine Besonderheit dabei: Den größten Zuwachs hat die Stadt bei jungen Menschen zwischen 18 und 25 Jahren. Was der Bericht noch zeigt: Noch nie war die Beschäftigungslage so gut wie zurzeit. „Wir brauchen Menschen, die zu uns kommen“, sagte deshalb Bürgermeister Dr. Joachim Bläse. Aus der EU, von außerhalb der EU und Flüchtlinge. Wenn Gmünd Zuwanderung wolle, brauche die Stadt Wege, diese zu steuern.
Als „bemerkenswert“ bewertete Professor Dr. Kurt Weigand (CDU) den Zuwachs von 1720 Einwohnern. Als Gründe nannte er die Baulandpolitik und die zunehmende Attraktivität der Stadt. Er regte an, in Gmünds Weststadt weitere Bauplätze auszuweisen, da dort die wenigsten jungen Leute leben. Was Weigand zudem auffiel: dass die Schüler in den staatlichen Schulen weniger und in den privaten Schulen mehr werden. Er führte dies zurück auf die „unsägliche Schulpolitik“ von Grün-Rot. Bei der Zuwanderung verwies Weigand darauf, dass Länder wie Kanada, USA oder Au-stralien sich diejenigen Leute holten, die sie bräuchten. Dies sei in Deutschland anders. Nur drei von vier Zugewanderten hätten eine adäquate Ausbildung, verwies Weigand auf Aussagen der Arbeitsverwaltung. Die Flüchtlinge in den Arbeitsprozess zu integrieren, sei eine „gewaltige Herausforderung“.
Hans-Jürgen Westhauser (SPD) freute sich zunächst über die „positiven Zeichen“ des Berichts. Die Bildungspolitik, widersprach er dann Kurt Weigand, habe die vorige Regierung an die Wand gefahren. Weigands Sorge über immer mehr Privatschulen teilte er jedoch. Er riet deshalb, „auf die Stärken des staatlichen Systems hinzuweisen“. In der Zuwanderung sah Westhauser eine „Chance“. Er befürchte jedoch nach Köln eine „schlechte Entwicklung“. Gmünd sei bislang eine Insel der Glückseligen, deshalb müsse man dem OB mit dem „Gmünder Weg“ den Rücken stärken.
Alexander Schenk (B 90 / Grüne) bewertete den Bericht als „sinnvolles Instrument“ für weitere Arbeit. Er hielt Zuzug für wichtig. Die Stadt müsse sich auf Veränderungen einstellen, auch solche wie Lichterfeste statt Martinsfeiern. „Die Welt dreht sich“, sagte Schenk. Werner Nussbaum (Bürgerliste) lobte den Demografiebericht und forderte, OB Richard Arnold auf dem „Gmünder Weg“ der Flüchtlingsintegration zu unterstützen. Er regte an, weiteres Bauland für junge Familien zu schaffen. Karin Rauscher (Freie Wähler Frauen) wollte den Anteil von Frauen und Männern unter den Flüchtlingen erfahren und Sebastian Fritz (Die Linke) regte für Schwäbisch Gmünd eine Offensive an, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Beide begrüßten den Demografiebericht.

 

© Gmünder Tagespost 13.01.2016 20:32:43