Hitzige Diskussionen über den G20-Gipfel

11. Juli 2017  Presse, Redaktion

5d32c14c-753b-447f-bb64-7fbce71fd583Versuchter Mord, schwere Brandstiftung und Körperverletzungen, zählt Gmünds SPD-Abgeordneter und Justizstaatssekretär, Christian Lange, die Straftaten während des G20-Gipfels auf. „So was ändert nie etwas“, sagt ein Schüler. Denn auch bei der Podiumsdiskussion im Parler-Gymnasium am Montag sind die Ausschreitungen in Hamburg bei den Schülern der zehnten und elften Klasse sowie bei den vier Kandidaten der im Bundestag vertretenden Parteien – SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke – ein großes Thema.

„Ich habe mir nicht vorstellen können, dass so was passiert“, sagt Lange. „Das hat nichts mit Demonstration zu tun“, meint Norbert Barthle, Gmünds CDU-Abgeordneter und Verkehrsstaatssekretär. „Das ist Kriminalität.“ Die Ursachen für die Eskalationen sieht er nicht bei den Polizeikräften, sondern in der fehlenden Kommunikation zwischen dem Land und dem Bund. Die Sicherheitskräfte hätten mehr Unterstützung gebraucht, sagt Barthle. Dieser Meinung ist auch SPD-Kandidat Lange. Es müssten mehr Polizisten ausgebildet und eingestellt werden. „Die Straßen Hamburgs sind keine rechtsfreie Zonen. Recht und Gesetz müssen durchgesetzt werden“, sagt Lange. Er ist sich sicher, die Täter mithilfe der zahlreichen Bilder von Journalisten und Privatpersonen vor Gericht bringen zu können. Barthle dagegen ist der Meinung: „Ich glaube, dass da nicht viel rauskommen wird“, und fordert präventive Mittel. Man müsse so was „von vornherein verhindern“ – durch Maßnahmen wie zum Beispiel Videoüberwachung und mehr Polizeikräfte. Zudem sei durch rechtsradikale Terroristengruppen der Linksextremismus in den Hintergrund gerückt. „Man darf die Linken aber nicht als Autonome verherrlichen“, sagt Barthle. Denn es seien unter anderem „Linke“ gewesen, die den vermummten Straftätern Unterschlupf gegeben hätten.

„Ich finde das ganz schön unverschämt“, sagt Linke-Kandidat Alexander Relea-Linder über die Aussagen von Barthle. Die Ausschreitungen in Hamburg seien kriminell und hätten nichts mit der Partei Die Linke zu tun. „Eine Großstadt macht das Potenzial für Irre größer“, kontert Relea-Linder. Um Unruhen zu verhindern, müsste man die Gipfel in einem kleineren Ort abhalten. Zudem habe die CDU-Regierung zwischen 2006 und 2011 Polizei Stellen abgebaut – um zu sparen – und verspräche nun vor jeder Wahlperiode: „Da machen wir was.“

Melanie Lang von Bündnis 90/Die Grüne findet, dass der Beruf des Polizisten wieder attraktiver werden muss. „Als Feuerwehrfrau finde ich es erschreckend, dass Menschen, die anderen helfen wollen, in so einen Mob geraten“, sagt sie. Auch sie kritisiert, dass die CDU die Polizei abgebaut und erst jetzt wieder aufbauen wolle. Man solle das Geld zudem nicht in Überwachungsmaßnahmen stecken, sondern Menschen Möglichkeiten bieten, damit diese erst gar nicht radikalisiert werden. Ebenso müsse man die Hilfskräfte stärken. Dieser Meinung ist auch SPD-Kandidat Lange. Es könne nicht sein, dass als erste Reaktion auf die Ausschreitungen mit den „schwarzen Rauchwolken die Polizei schuld ist.“

Neben dem G20-Gipfel geht es bei der Diskussion um die „Generation Praktikum“, wie Relea-Linder es nennt, und Chancengleichheit. Habe man früher mit einem Job genug verdient, brauche man mittlerweile zwei bis drei, sagt Relea-Linder. Barthle dementiert: Es gebe mehr offene Stellen als Bewerber. „Es kann nicht sein, dass wir so viele befristete Arbeitsverhältnisse haben“, sagt der SPD-Kandidat. Und Melanie Lang plädiert für mehr sichere Jobs.

Ein Schüler findet unfair, dass eine Krankenschwester mehr arbeite, aber dafür schlechter bezahlt werde als ein Ingenieur. Für den Mangel an Pflegekräften schlägt ein Schüler vor, den Beruf mit einer höheren Entlohnung attraktiver zu machen. Schulleiter Thomas Eich rät: „Mischt euch ein, nur so verändert man die Gesellschaft“.

 

© Gmünder Tagespost 10.07.2017 19:34