Hardt wächst zusammen

Sebastian FritzFür Baudezernent Julius Mihm ist es „eine der interessantesten Entwicklungen im Land“; für Oberbürgermeister Richard Arnold „eine ausgezeichnete Arbeit“. Und auch der Bau– und Umwelt– sowie der Sozialausschuss des Gemeinderates lobten gestern einmütig das Konzept „Städtebauliche Entwicklung auf dem Hardt“.
SCHWÄBISCH GMÜND (ml). Der zweijährige Willensbildungsprozess habe gezeigt, dass das Hardt im Gegensatz zu früher eine Einheit bilde, freute sich der OB. In mehreren Bürgergesprächen sei eine Konzeption entwickelt worden, die den Stadtteil auf dem „Sonnenhügel“ wirklich weiter bringe.
Es gehe zum Beispiel darum, die „Quartiersbarriere“ aufzulösen, die die Oberbettringer Straße bilde, beschrieb Julius Mihm – „im Kopf und in der Realität“. Der Einkaufsmarkt müsse über kurz oder lang umgebaut werden. In der Mitte der ehemaligen Hardt-​Kaserne könne eine Mehrfamilienhaus-​Bebauung mit kleineren Einheiten entstehen.
Nördlich der Oberbettringer Straße ist der Neubau des Asylbewerber-​Wohnheims geplant. Es soll in vier Modulen entstehen und 150 Plätze bieten. Gegenwärtig sind im alten Kasernenblock noch 240 Flüchtlinge untergebracht. Ebenfalls in diesem Bereich sieht der Plan eine „Anger-​Bebauung“ mit sechs bis sieben weiteren Mehrfamilienhäusern vor, die sich um einen zentralen Platz gruppieren.
„Es kommt Bewegung rein, und das ist gut“, merkte Celestino Piazza (CDU) an. Besonders positiv sehe er, dass die Bürgerschaft in dem Prozess „integriert und engagiert“ sei. „Das Konzept ist gut“, lobte auch Konrad Sorg (SPD). Langfristig müsse man sich aber Gedanken über einen neuen Standort für den Wertstoffhof der GOA – etwa auf dem Gügling – machen.
Einbeziehung der Bürgerschaft
bringt gute Ergebnisse
„Das kann sich wirklich sehen lassen. Solche Perspektiven hätten wir vor wenigen Jahren nicht zu denken gewagt“, freute sich Elmar Hägele (Grüne). Hier finde eine Innenentwicklung im besten Sinne statt. Auf seine Frage, bis wann die Umsetzung geplant sei, erklärte Julius Mihm, dass der Bau des neuen Wohnheims im Frühjahr 2015 abgeschlossen sein könne. Dann folge der Umzug und der Abriss des alten Kasernenblocks.
„Außerordentlich erfreulich, das ist eine Aufwertung für beide Seiten des Hardts“, kommentierte Ullrich Dombrowski (FW/​FDP). Gut sei auch, dass ein neuer klarer Überweg an der Oberbettringer Straße diese „Rennstrecke“ unterbreche. „Kommt Zeit, kommt Rat“, beschrieb Eva-​Maria Hack (FWF) den zweijährigen Prozess und erkannte im Ergebnis eine deutliche Verbesserung.
„Ich schließe mich dem Lob für diese Planung an“, meinte dann auch Sebastian Fritz (Linke). Man erkenne daran, dass die Einbeziehung der Bürgerschaft gute Ergebnisse bringe. Einen Wermutstropfen hatte Heidi Preibisch (FW/​FDP) parat. Natürlich sei die Entwicklung auf dem Hardt schön. Allerdings führe sie schon heute zu einem deutlich gesteigerten Verkehrsaufkommen auf der Oberbettringer Straße. Auch an deren Anwohner müsse man denken.
Konrad Widmann (FW/​FDP) erklärte, es sei erfreulich, dass das neue Wohnheim nicht aus Containern errichtet würde und keinen Zaun habe. 150 Flüchtlinge an einem Platz entsprächen allerdings nicht seiner Vorstellung von der einst geplanten dezentralen Unterbringung.
Diese Kritik mochte Oberbürgermeister Richard Arnold freilich nicht auf sich sitzen lassen. 150 seien schon 90 weniger, als heute auf dem Hardt lebten. Und im Übrigen wäre es für ihn erst wahrhaft dezentral, „wenn es eine Erstaufnahme von Asylbewerbern auch in Lorch, Heubach, Mutlangen oder Waldstetten gäbe.“

Rems Zeitung, 08.05.2014