„Habe nicht gewackelt, wackle nicht“

Landrat Klaus Pavel hat am Mittwoch im Gmünder Rathaus den Verwaltungschefs und Räten von Gmünd, Mutlangen und Waldstetten versichert, dass er die Versorgung von Frühchen unter 1250 und 1500 Gramm an der Stauferklinik erhalten will. Zudem bekräftigte der Kreischef, dass er für den Ostalbkreis an einer Struktur mit drei Klinikstandorten in Mutlangen, Aalen und Ellwangen mit Grundversorgung und Schwerpunkten festhält. Für diese Struktur wird aktuell ein Konzept erarbeitet. Ausgangspunkt dabei ist das hohe Defizit der Kliniken.

Dabei beklagte Pavel, dass die Politik „nicht in der Lage ist, das Gesundheitswesen nachhaltig zu finanzieren“. Er sei aber zuversichtlich, dass es gelinge, drei Krankenhäuser zu halten – mit Grundversorgung und Schwerpunkten. Für Mutlangen zum Beispiel die Versorgung Frühgeborener. Pavel bat darum, dem Kreis für die Erarbeitung der Konzeption etwas Zeit zu lassen.

Pavel war nach Gmünd gekommen, nachdem sich Oberbürgermeister Richard Arnold, Mutlangens Bürgermeisterin Stephanie Eßwein und Waldstettens Bürgermeister Michael Rembold in einem Schreiben an ihn gewandt hatten. Der Grund dafür: Berichte in Aalener Zeitungen, Verlautbarungen aus dem Ostalbklinikum und Diskussionen im Aalener Gemeinderat über die Kinderkliniken hätten sie irritiert. Damit, so Arnold am Mittwoch im Gmünder Gemeinderat, sei „unser Weg der Sachargumente“ verlassen worden, hin „zum Weg des Populismus“. Auf einen Kommentar der Schwäbischen Post, eine Kinderklinik, gäbe es nur noch eine, müsse im „zentral gelegenen Aalen“ liegen, antwortete Arnold: „Wir sind alle Zentrum.“ Es sei nicht gut, den Osten gegen den Westen auszuspielen. Arnold, Eßwein und Rembold baten den Landrat deshalb, „dieser Diskussion Einhalt zu gebieten“. Zudem baten sie, das Stauferklinikum zu „erhalten und weiterzuentwickeln“. Auch dieses solle über die Grundversorgung hinaus „Leuchttürme“ besitzen. Als einen solchen sehen die drei Verwaltungschefs die Versorgung von Frühgeborenen unter 1250 Gramm.

Die Diskussionen in Aalen basierten auf Gerüchten, sagte der Landrat. Er hatte im September reagiert und erläutert, dass es in Aalen und Gmünd je eine Kinderklinik mit je 30 Betten geben werde. Er habe „nie daran gedacht, dass es im Ostalbkreis nur noch eine Kinderklinik geben könnte“, sagte Pavel. Er kündigte an, dass er – zur Tagesklinik Onkologie – an der Stauferklinik eine Tagesklinik Kinder- und Jugendpsychiatrie einrichten will.

Weg der Sachargumente ist verlassen worden.

Richard Arnold, Oberbürgermeister

Gmünder und Mutlanger Räte stützten die drei Bürgermeister und dankten dem Landrat für sein klares Bekenntnis. Er sei froh, dass Pavel die geplante Klinikstruktur bestätigt habe, sagte Professor Dr. Kurt Weigand (CDU). Für Gmünd sei es schwierig gewesen, die Diskussion in Aalen auszuhalten, sagte Sigrid Heusel (SPD). „Wir müssen Kurs halten“, sagte Heusel, hatte jedoch beim Landrat einen „kleinen Wackler“ gesehen. Dem widersprach dieser sofort: „Ich habe nicht gewackelt, und ich wackle auch nicht.“ Dass Mutlangen die Versorgung der Frühchen behält, war auch Elmar Hägele (B 90 / Die Grünen) wichtig. Den eingeschlagenen Weg dreier Kliniken mit Grundversorgung und Schwerpunkten nicht zu verlassen, forderte Sebastian Fritz (Die Linke).

In Aalen sei viel diskutiert worden, „wir haben still gehalten“, sagte Eßwein. Dies sei richtig gewesen. Mutlangen vertraue auf Pavel, der gesagt habe, er wackle nicht, sagte die Bürgermeisterin. Sie riet dazu, keine Ost-West-Diskussion zu führen. „Sie haben unser Vertrauen“, sagte auch Waldstettens Bürgermeister Rembold dem Landrat, stellvertretend für die Bürgermeister im Gmünder Raum. Die Mutlanger Räte Frieder Steinhilber und Rose Gaiser dankten Pavel ebenfalls für seine „beruhigenden“ Worte.

Die Diskussion über Kinderklinikstandorte erinnere an die „unsägliche Oberzentrum-Debatte“, sagte Christian Baron (CDU) und sprach sich dafür aus, an drei Klinik-Standorten festzuhalten und die Kinderklinik in Mutlangen zu stärken – „für den gesamten Ostalbkreis“.

© Gmünder Tagespost 10.10.2018 20:09