Gymnasien und die „zweite Säule“

Sebastian-FritzDie neue Gemeinschaftsschule dürfe nicht zu einer „umetikettierten“ Hauptschule werden, mahnte Sebastian Fritz (Linke).

Schüler in Gmünd sollen ab dem Schuljahr 2014/15 auf zwei Wegen zum Abschluss gelangen: zum einen auf dem klassischen Weg durchs Gymnasium zum Abitur; zum anderen durch eine so genannte „zweite Säule“ zu Hauptschulabschluss, Mittlerer Reife, möglicherweise auch Fachhochschulreife oder Abitur. Dieses Konzept für die regionale Schulentwicklung wurde am Mittwoch dem Gemeinderat vorgelegt.

Schwäbisch Gmünd. Die Schullandschaft ändert sich derzeit wie seit der Einführung des dreigliedrigen Schulsysteme nicht mehr. Das sagte Schulamtsleiter Klaus Arnholdt, als er das neue Konzept vorstellte. Gründe sind zum einen der Rückgang der Schülerzahlen, zum anderen das Streben nach höheren Schulabschlüssen Der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung hat noch zu dieser Entwicklung beigetragen. Arnholdt stellte klar:

 

Der Bestand auch der kleinen Grundschulen steht nicht zur Diskussion. Sie sollen aber noch mehr mit den Kitas vor Ort kooperieren.

 

Auch die Gymnasien bleiben unangetastet, zumal die Zahl der Schüler, die dorthin wollen, stabil hoch ist.

Verändern soll sich der Bereich dazwischen. Hier soll die „zweite Säule“ eingerichtet werden. Hauptschulen soll es in dieser Säule nicht mehr geben, die jeweiligen Züge an der Staufer- und der Scheuelbergschule laufen aus. Beide Schulen werden ab 2014/15 reine Grundschulen sein. Die drei Werkrealschulen Mozart-, Rauchbein-, Uhlandschule) sollen zu einer Gemeinschaftsschule an einem der drei Standorte vereinigt werden. Auch für die Werkrealschule Unterm Hohenrechberg in Waldstetten, die Gmünd und Waldstetten gemeinsam tragen, soll eine Umstellung zur Gemeinschaftsschule beantragt werden. Die Friedensschule hat von der Umwandlung zur Gemeinschaftsschule profitiert. Sie soll so weitergeführt werden. Die Realschulen (Adalbert-Stifter- und Schiller-) verzeichnen einen Zuwachs an Schülern. Sie sollen innerhalb der zweiten Säule erhalten bleiben, allerdings künftig zusätzlich einen Hauptschulabschluss nach Klasse 9 anbieten.

Für dieses zusätzliche Angebot müssten die Realschulen auch zusätzliche Kompetenz bekommen, meinte der Leiter des Staatlichen Schulamts Göppingen, Hans-Jörg Polzer. Grundsätzlich aber seien die Realschulen bei Eltern und Schülern gefragt – im Gegensatz zu den Werkrealschulen. Gmünd müsse bei seiner Planung das Angebot in Mutlangen und Waldstetten berücksichtigen. Außerdem spielten Privatschulen in Gmünd eine große Rolle. Grundsätzlich bestätigte Polzer: Gmünd habe Kapazitäten für eine zusätzliche Gemeinschaftsschule – seiner Ansicht nach am Standort Rauchbeinschule – sowie eine Schule zusammen mit Waldstetten.

Grundsätzlich trug die Mehrheit der Stadträte das Schulkonzept der Verwaltung mit. Eine Festlegung, wo die zusätzliche Gemeinschaftsschule angesiedelt werden solle, wollten aber viele noch nicht haben. Christian Baron (CDU) kritisierte das Zwei-Säulen-Modell als „Irrweg“, das schlechtere Schülerleistungen bringen werde. Daniela Maschka-Dengler (SPD) dagegen begrüßte das Zwei-Säulen-Modell. Sie mahnte, Gmünd solle sich auch seiner Grundschulen nicht zu sicher sein. Karl Andreas Tickert (Grüne) plädierte dafür, die neue Gemeinschaftsschule solle möglichst zentral liegen. FW/FDP-Sprecher Ullrich Dombrowsi sah voraus, dass die Kommunen künftig auch um Schüler konkurrieren. Karin Rauscher (FWF) regte an, die Stärkung der beruflichen Gymnasien nicht zu vergessen. Die neue Gemeinschaftsschule dürfe nicht zu einer „umetikettierten“ Hauptschule werden, mahnte Sebastian Fritz (Linke).

Ausführliche Stellungnahme hier:

http://www.linke-gd.de/gemeinschaftsschule-soll-keine-umettiketierte-hauptschule-werden/

© Gmünder Tagespost 23.10.2013