„Guter Rat: Macht uns ein faires Angebot“

24. März 2018  Ortsvorstand, Presse, Redaktion

„Lohnverbesserungen sind noch nie vom Himmel gefallen“, sagt Kerstin Pätzold. Die DGB-Regionssekretärin für die Kreise Ostalb und Heidenheim war gestern eine der Rednerinnen bei der zentralen Warnstreik-Kundgebung für den Öffentlichen Dienst, die vor dem Stauferklinikum stattfand.

MUTLANGEN (ml). Bereits am Vormittag hatte es einen Warnstreik vor dem städtischen Baubetriebsamt auf dem Hardt gegeben. Mittags traf man sich dann beim Klinikum zur zentralen Kundgebung. „Sechs Prozent – Ihr seid es wert“, begrüßte der Sekretär der Vereinten Dienst- leistungsgewerkschaft ver.di, Jonas Schamburek, die rund 200 Teilnehmer.

„Wir sind Teil einer großen Bewegung“, wies Schamburek auf die Warnstreiks der

vergangenen Tage hin. Noch immer hät- ten die Arbeitgeber kein Verhandlungs- angebot vorgelegt. Dabei verlange die Gewerkschaft nichts Unmögliches. Die öffentliche Hand habe im vergangenen Jahr einen Überschuss von 38 Milliarden Euro gehabt. Aber: „Sie wollen das nicht in Euch investieren, sondern in Infra- struktur. Aber wer soll diese Infrastruk- tur betreiben und unterhalten, wenn nicht Ihr?“, rief der Gewerkschaftssekre- tär.

Man fordere 200 Euro Minimum pro Monat und 100 Euro für Auszubildende. Diese müssten schließlich auch von ihrer Vergütung leben können, besonders wenn sie nicht mehr zu Hause wohnten.

„Wir stehen hinter Euch und sind stolz auf das, was ver.di auf die Beine stellt“, meinte Kerstin Pätzold für den DGB. Lohnerhöhungen habe man auch in der Vergangenheit immer erkämpfen müssen. Der Öffentliche Dienst dürfe nicht ka-

puttgespart und kaputtdiskutiert werden; er sei ein Gewinn für alle.

Hauptredner Harald Miller bedankte sich zum Auftakt bei seinen Kolleginnen und Kollegen für die Streikbereitschaft und bei den Vertretern der anderen Be- triebe für ihre Solidarität. Der Personal- ratsvorsitzende des Stauferklinikums sprach von den Tarifverhandlungen als „regelmäßiges Ritual mit standardisier- ten Antworten der Arbeitgeber.“ Auch das Verweigern eines Verhandlungsange- bots gehöre dazu, und so bleibe den Be- schäftigten keine andere Wahl als Warn- streiks.

Zumal das übliche Argument, die Kas- sen seien leer, in diesem Jahr nicht ziehe. Geld sei genug vorhanden. Aber die Ar- beitgeber „wollen das nicht an die Be- schäftigten verplempern“ sondern kämen mit dem Argument des Investitionsstaus. Dabei zahlten die Beschäftigten im Öf- fentlichen Dienst genau so gute Steuern

für die Infrastruktur.
Der öffentliche Dienst dürfe sich nicht

von der allgemeinen Lohnentwicklung abhängen lassen. Er erlebe es zur Zeit re- gelmäßig, dass die Besetzung von Funkti- onsstellen zur Zitterpartie werde, weil je- der Bewerber auch auf die Verdienstmög- lichkeiten schaue – und dann lieber in die Privatwirtschaft gehe. Das fange schon bei den Auszubildenden an.

„Wir geben Euch den guten Rat: Macht uns ein faires Angebot“, wandte sich Mil- ler an die Arbeitgeber. Denn ansonsten seien diese Warnstreiks nur der Anfang der Auseinandersetzung.

Ein Grußwort sprach auch Alexander Relea-Linder für die Linkspartei. Sein Thema war dabei besonders das Problem der befristeten Verträge. Diese hielten viel zu viele Menschen in Unsicherheit und verhinderten Familiengründungen, Häuslebauen und andere Dinge, die die Politik bei jungen Leuten so gerne sehe.

Rems Zeitung, 24.03.2018