GT-Leser stellen Fragen und stimmen ab

16. September 2017  Bundestagswahl 2017, Presse, Redaktion

Die Linkspartei entscheidet den Wahlkreis Gmünd/Backnang bei der Bundestagswahl für sich. Das Direktmandat schnappt sich Alexander Relea-Linder – die Vertreter der anderen Parteien haben das Nachsehen.

Das ist nicht das amtliche Endergebnis der bevorstehenden Bundestagswahl am kommenden Sonntag, 24. September. Es ist das Resultat der Probewahl beim Politik-Stammtische der Gmünder Tagespost am vergangenen Freitagabend, zu dem 83 GT-Abonnenten den Weg in die Villa Hirzel im Remspark gefunden hatten.

Das Ergebnis ist zweifelsohne nicht repräsentativ. Aber es sei aufschlussreich, meint Relea-Linder: „Es zeigt, dass unsere Themen bei den Menschen ankommen.“ Der 24-Jährige nutzte die zweieinhalbstündige Veranstaltung, um die GT-Leser vom Wahlprogramm der Linken zu überzeugen – denn bei der Probeabstimmung im Vorfeld war Relea-Linder bei den Abonnenten nur auf Rang vier gelandet.

„Ein kleines Experiment“

„Es ist ein kleines Experiment.“ Mit diesen Worten hatte GT-Redaktionsleiter Michael Länge als Moderator den Politik-Stammtisch eröffnet. Nicht nur die beiden Probeabstimmungen waren neu. Auch die Sitzordnung. So saßen die sechs Kandidaten nicht etwa auf einem Podium, sondern verteilt auf mehrere Tische inmitten der GT-Leser und -Redakteure. Fragen stellen durfte jeder – nach vorherigem Handzeichen. Doch zunächst sollten die Kandidaten vor jeder Fragerunde die Möglichkeit erhalten, zu bestimmten Themen Stellung beziehen.

Neue Besen kehren gut, aber alte Besen kennen jede Ecke.

Norbert Barthle,
CDU-Bundestagskandidat

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Deutliche Worte fand Relea-Linder unter anderem bei der Dieselaffäre: Die Automobilindustrie müsse bestraft werden. Schließlich bekomme „ein Schüler, der betrügt, auch eine Sechs“. Zudem warb er für mehr sozialen Wohnraum, eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen, bessere Rentenbedingungen und mehr Pflegepersonal. Themen, die Relea-Linder zufolge „den Nerv der Zeit treffen“.

Doch auch die anderen fünf Kandidaten – Norbert Barthle (CDU), Christian Lange (SPD), Melanie Lang (Grüne), Gudrun Wilhelm (FDP) und Daniel Lindenschmid (AfD) – versteckten sich nicht und warben für ihr jeweiliges Parteiprogramm.

So sprach sich Norbert Barthle für ein Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz sowie klarere Regeln bei der Integrations- und Asylpolitik aus. Zudem kritisierte er die „pauschale Verunglimpfung“ von Dieselfahrzeugen und bekräftigte das Ziel der Christdemokraten, in Deutschland für Vollbeschäftigung sorgen zu wollen. „Neue Besen kehren gut, aber alte Besen kennen jede Ecke“, warb er für eine Stimme für die CDU.

Lange wiederum warb für mehr soziale Gerechtigkeit. Steuern sollten gerechter verteilt, befristete Anstellungen abgeschafft und Bildung kostenlos angeboten werden. Außerdem hätte der SPDler „lieber ein Wahlrecht ab 16, als eine Rente mit 70.“ Auch eine Musterfeststellungsklage gegen die Automobilindustrie wolle er im Falle seiner Wahl vorantreiben, um Autobesitzer zu schützen.

Lieber ein Wahlrecht ab 16 Jahren, als eine Rente mit 70.

Christian Lange,
SPD-Bundestagskandidat

Bei der B 29 sind sich alle einig

Auf die Selbstregulierung des Marktes setzt derweil Gudrun Wilhelm (FDP). „Wir brauchen keine staatlichen Verordnungen“, sagte sie. Dafür aber ein Einwanderungsgesetz. „Wir müssen entscheiden, wer zu uns kommt und wer nicht“. Außerdem müsse der öffentliche Nahverkehr dringend ausgebaut werden.

Lang will derweil – sollte sie gewählt werden – „enormen Druck“ auf die Automobilindustrie und die Regierungsparteien aufbauen. Auch sonst stünden sie und die Grünen weiterhin für langfristige Umwelt- und Friedenspolitik. Die 28-Jährige konnte zu weiteren Themen keine Stellung mehr nehmen, da sie nach der ersten Gesprächsrunde zu einer anderen Veranstaltung nach Backnang musste.

Daniel Lindenschmid würde sich derweil einen Parteiausschluss von Bernd Höcke begrüßen. Er habe sich „zu viele Fehltritte geleistet“. Ansonsten sprach sich der AfD-Kandidat für einen flächendeckenden Abbau der Bürokratie, für eine Entlastung der Landwirte, bessere Grenzkontrollen und die „konsequente Abschiebung“ von Flüchtlingen aus.

Parteiübergreifende Einigkeit herrschte derweil bei den Themen Breitband und B 29. Beides müsse schnellstmöglich ausgebaut werden, forderten die Kandidaten für ihren Wahlkreis Schwäbisch Gmünd/Backnang. Dafür wollen sich alle sechs Kandidaten einsetzen.

Vorher – nachher: erst die CDU, dann die Linke vorn

Die Ergebnisse der beiden Probeabstimmungen beim Politik-Stammtisch der GT:

Vorher:
Norbert Barthle
(CDU) 31,25 %
Melanie Lang
(Grüne) 22,5 %
Christian Lange
(SPD) 17,5 %
Alexander Relea-Linder (Linke) 12,5 %
Gudrun Wilhelm
(FDP) 8,75 %
Daniel Lindenschmid (AfD) 6,25 %
Ungültig 1,25 %

Nachher:
Alexander Relea-Linder
(Linke) 27,7 %
Norbert Barthle
(CDU) 21,7 %
Christian Lange
(SPD) 21,7 %
Melanie Lang
(Grüne) 13,2 %
Gudrun Wilhelm
(FDP) 12,1 %
Daniel Lindenschmid
(AfD) 1,2 %
Ungültig 2,4 %

Bei der ersten Wahl wurden 80 Stimmen abgegeben. Im zweiten Durchgang 83 – im Laufe des Abends kamen drei weitere Besucher hinzu.

© Gmünder Tagespost 16.09.2017 14:34