Gmünd bekommt ein „Bud-​Spencer-​Freibad“

24. November 2011  Presse, Redaktion

Zwischen Ernsthaftigkeit, Überfreude (englisch: Hype) , Selbstironie und Verlegenheit schwankte gestern im Gemeinderat die erneute Debatte über das Namenspatronat von Bud Spencer für das Schießtalfreibad. Mehrheitlich votierte das Bürgerparlament für diese Ehrung des weltbekannten Hollywood-​Stars.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). „Ausgangspunkt“, so fasste Oberbürgermeister Richard Arnold eingangs zusammen, „war die denkwürdige Gemeinderatssitzung von 27. Juli.“ Auch im Ausland hätten an jenem Tag die Medien auf die Stadt geschaut und beobachtet, wie der Gemeinderat mit dem Thema weiter umgehe. Der OB sprach dem Gmünder Schwimmverein herzlichen Dank aus, weil der nicht nur die Idee mit dem „Bud-​Spencer-​Freibad“ formuliert, sondern gleichzeitig auch technische Verbesserungen für verlängerte Öffnungszeiten vorgeschlagen habe. Selbstverständlich nannte es das Stadtoberhaupt, dass nicht nur dem italienischen Meister des Schwimmsports Carlo Pedersoli im Schießtal ein Denkmal gesetzt werde, sondern auch allen erfolgreichen Athleten, die der Gmünder Schwimmverein hervorgebracht habe.
Mit sichtlicher Begeisterung ging Stadtrat Christian Baron (CDU) auf das weltweite Medienecho ein: Endlich finde Schwäbisch Gmünd durch Bud Spencer einen Stellenwert, die die gegenwärtigen Projekte der Stauferstadt auch verdient hätten. Die Internet-​Abstimmung über den Tunnelnamen sei kein demokratisches Verfahren gewesen, habe auch nicht die Meinung der Bevölkerung widergespiegelt. „Gmünder Einhorn-​Tunnel ist nun passend, elegant und eingängig und das Bad-​Spencer-​Bad eine angemessene Reaktion“. Baron sprach vom „Trick eines guten Kompromisses“ und freute sich auf ein „großartiges Ereignis“ am 2. Dezember und auf einen „grandiosen Marketingeffekt für Gmünd“.
Knitz holte für die SPD Stadtrat Hans-​Jürgen Westhauser zur Stellungnahme aus: „Unsere Fraktion geht gewiss nicht zum Lachen in den Keller, getreu dem Motto oben bleiben!“ Rückblickend auf das Tunnel-​Internetdesaster meinte Westhauser, dass die „Herrschaften aus dem Rathaus im grauen Zwirn“ den Wunsch und das Engagement der jungen Leute für einen Bud-​Spencer-​Tunnel missachtet und damit eine Chance verspielt hätten. Dennoch wünsche die SPD der Stadtverwaltung mit dieser Freibadaktion rund um den damaligen Schwimmsportler mit einer „Brezel-​Beziehung“ zu einer Gmünderin „größten Erfolg“. Dass Carlo Pedersoli mal für Silvio Berlusconi kandiert habe, winkte Stadtrat Westhauser verständnisvoll ab: Jeder mache im Leben mal einen Fehler, sogar ein Bud Spencer.
Auch noch der Hinweis des Stadtrats: Das mit der Abdeckfolie zum Energiersparen und Verlängern der Öffnungszeiten habe die SPD schon Jahre vor dem Bud-​Spencer-​Hype vorgeschlagen.
Bei der Grünen sei viel über das Thema Bud Spencer diskutiert worden, denn „wir wissen, dass nicht alle in Gmünd damit glücklich sind“. Andererseits tue die neue Wahrnehmung dem Freibad gut. Hägele spornte Stadt– und Bäderverwaltung zu guten und pfiffigen Werbekonzepten an: Die Region möge anlässlich des Bud-​Spencer-​Besuchs nicht nur auf das Freibad blicken, sondern es auch besuchen, Wichtig sei auch eine technische Bestandspflege der Sport-​, Gesundheits– und Freizeitanlage, sonst „würden wirunser Kind ja mit dem Bud ausschütten“.
„Wir können das voll mittragen“, erklärte Stadtrat Konrad Widmann (FW/​FDP). Das Gmünder Freibad werde nun in die ganze Region ausstrahlen und verschaffe der Stadt eine Mittelpunktsfunktion. Auch Stadträtin Karin Rauscher (FWF) schilderte Vorfreude und Erwartungen: „Sehr gute Idee, toller Marketingeffekt.“ Jeder könne nun profitieren: Gute Werbung fürs Gmünder Freibad und Bud Spencer könne sein Buch gut verkaufen. Stadtrat Sebastian Fritz (Die Linke) beschrieb, dass er oft ins Freibad gehe und daher aus vielen Gesprächen mit den Bürgern dort und auch anderswo eine ganz andere Wahrnehmung in der Bevölkerung spüre. Die heutige Sitzung sei doch nur letzter Akt einer offenkundigen Schauspielinszenierung. So schlecht dürfe im Rathaus nie wieder mit dem Begriff Bürgerbeteiligung umgegangen werden. Erst sei der Bürger eifrig dazu aufgerufen und kräftig angespornt worden, sich an der Abstimmung über den Tunnelnamen zu beteiligen, um vom Ergebnis plötzlich nichts mehr wissen zu wollen. Dann jedoch werde blitzartig die Idee propagiert, das Gmünder Freibad umzubenennen, ohne aber wiederum den Bürger zu fragen. „Das verstehen die Menschen in Gmünd nicht.“ Stadtrat Reinhard Kuhnert (CDU) formulierte die Erwartung, dass es doch üblich sei, dass ein Namenspatron sich für eine solche hohe Ehre mit einer Gabe bedanke. Carlo Pedersoli könnte doch nun die im Bad-​Spencer-​Programm enthaltene Abdeckfolie fürs Schwimmbecken stiften. Und der Gemeinderat möge sich zu einem Silvesterschwimmen ins Bad Spencer stürzen.
Bei der Abstimmung gab es eine breite Befürwortung der Umbenennung des Freibads. Sechs Stadträte aus den Reihen von CDUSPD und Linke waren allerdings strikt dagegen, zwei enthielten sich.

Rems Zeitung, 24.11.2011