„Gmünder Sommer“ fällt derSchulentwicklung zum Opfer

19. November 2016  Gemeinderat, Presse, Redaktion, Sebastian Fritz

Bildschirmfoto 2016-04-27 um 22.09.56Finanzpolitik Um die Digitalisierung an den Gmünder Schulen voranzutreiben, muss die Stadtverwaltung an anderer Stelle sparen.

Schwäbisch Gmünd

Es wird vorerst keinen weiteren „Gmünder Sommer“ geben. Die Veranstaltungsreihe ist für die kommenden beiden Jahre ersatzlos gestrichen. Das gab Oberbürgermeister Richard Arnold am Freitag bekannt.

Arnold hat sich zu diesem Schritt entschieden, da die Stadt dringend finanzielle Mittel benötigt, um die digitale Medienentwicklung an den 21 städtischen Schulen angehen zu können. „Wenn wir das jetzt machen wollen – und das müssen wir als Schulträger –, dann müssen wir auf den ‘Gmünder Sommer’ 2017 und 2018 verzichten.“

Das Land Baden-Württemberg hat mit der Einführung der neuen Bildungspläne zum Schuljahr 2016/17 die Medienbildung in den Lehrplänen fest verankert. „Umsetzen müssen es aber die Kommunen und die Schulträger“, erklärt der Erste Bürgermeister Dr. Joachim Bläse. Und dafür braucht die Stadt Geld. Rund 1,6 Millionen Euro in den kommenden Jahren, schätzt Bläse. Geld, über das Schwäbisch Gmünd derzeit nicht verfüge, weswegen finanzielle Umverteilungen im städtischen Haushalt unumgänglich seien.

An anderer Stelle als beim „Gmünder Sommer“ Geld einzusparen, sei nicht möglich, sagt Markus Herrmann, Stadtsprecher und Geschäftsführer der Touristik und Marketing GmbH. „Es gibt keinen anderen Punkt im Haushalt in dieser Größenordnung, der mal eben gestrichen werden kann.“ Nach reiflicher Abwägung hätten er und der T&M-Aufsichtsrat, der aus mehreren Stadträten besteht, deswegen dem Einsparungskurs „schweren Herzens zugestimmt“.

Es wird keinen Gmünder Sommer light geben.
Markus Herrmann, Geschäftsführer Touristik & Marketing GmbH
Eine politische Entscheidung
Den „Gmünder Sommer“ abzusagen, sei eine rein politische Entscheidung gewesen, betont Arnold. Und: „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen.“ Mit der aktuellen Debatte über möglicherweise zu viele Veranstaltungen in Gmünd habe sie nichts zu tun. „Es geht ausschließlich darum, die Prioritäten im Haushalt neu zu setzen“, sagt Arnold. Und die Bildung habe in Gmünd den höchsten Stellenwert.

Die Absage des „Gmünder Sommers“ bleibt nicht folgenlos: Zwei Shopmitarbeiter, zwei Veranstaltungsplaner sowie ein Ehrenamtsbetreuer verlieren dadurch ihre Arbeitsplätze. „Die befristeten Verträge mit den Mitarbeitern werden nicht verlängert“, bestätigt Herrmann.

Wie und ob es mit dem „Gmünder Sommer“ nach der Remstalgartenschau 2019 überhaupt weitergeht, steht derweil noch nicht fest. Sicher ist nur: „Es wird in den kommenden beiden Jahren auf jeden Fall keinen ‘Gmünder Sommer’ geben – auch keinen ‘Gmünder Sommer light’“, sagt Herrmann.

Gänzlich verzichten müssen die Bürger auf Veranstaltungen im Sommer allerdings nicht. „Wir werden alles versuchen, um auch weiterhin Veranstaltungen anbieten zu können“, verspricht Herrmann. Nur eben nicht von städtischer Seite aus, sondern über Drittanbieter.

Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen.
Richard Arnold
Oberbürgermeister
Geld fließt in die Schulen
500 000 Euro an Haushaltsmitteln standen bislang jährlich für den „Gmünder Sommer“ zur Verfügung – 2016 konnten damit 63 Veranstaltungen finanziert und rund 55 000 Besucher nach Gmünd gelockt werden. Nun schrumpft dieser Etat auf 150 000 Euro, um noch bestehende Verträge bezahlen zu können. Die restlichen 350 000 Euro fließen in die Digitalisierung der städtischen Schulen.

Der Investitionsschwerpunkt liege dabei zunächst bei den Grundschulen, sagt Klaus Arnholdt, Leiter des Amts für Bildung und Sport. Die Verkabelungen sollen modernisiert und Wlan-Zugänge eingerichtet werden. Auch Tablets und interaktive Beamer sollen mit dem Geld finanziert werden. Wie und in welcher Form die jeweiligen Schulen ausgestattet werden sollen, wollen Stadtverwaltung und Schulen gemeinsam erarbeiten.

Die Konzeption zur digitalen Medienentwicklung soll dem Gemeinderat im Detail in der Sitzungsrunde im Februar 2017 vorgestellt werden. Dass die Medienentwicklung nicht ohne Unterstützung von Bund und Land geht, darüber ist sich die Stadtspitze einig. Entsprechende Bundesmittel sollen in einem größeren Umfang geplant sein.

Stadträte: Entscheidung ist richtig
Schwäbisch Gmünd. Sprecher aller sechs Ratsfraktionen befürworten die Entscheidung, beim „Gmünder Sommer“ 350 000 Euro einzusparen und diese in die Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien zu stecken.

Der „Gmünder Sommer“ sei eine „tolle Einrichtung“, sagt CDU-Sprecher Alfred Baumhauer. Oberstes Ziel sei jedoch, „keine neuen Schulden zu machen“. Dabei gingen Pflichtaufgaben vor, sagt Baumhauer. Blieben 150 000 Euro für den „Gmünder Sommer“, sollten diese dafür verwendet werden, „sinnvolle Strukturen“ zu erhalten. Dies bedeutet: Dinge wie die Auftritte von Vereinen für die Zukunft und 2019 zu bewahren.

Der „Gmünder Sommer“ habe in Gmünds Umgebung für viel Aufmerksamkeit gesorgt, sagt SPD-Sprecherin Sigrid Heusel. Doch die Stadt müsse ihre Pflichtaufgaben erfüllen. Sie nennt Schuldenabbau, keine neuen Schulden und Hausaufgaben. Zu diesen zählt Heusel die Ausstattung der Schulen. Vielleicht sei dies eine Zäsur, sagt Heusel und regt an, dass sich Verantwortliche von Stadt, Fremdenverkehrsverein, T & M und Handels- und Gewerbeverein HGV dazu austauschen.

Um den „Gmünder Sommer“ sei es schade, sagt Grünen-Sprecherin Brigitte Abele. Gerade für junge Leute sei dieser ein gutes Angebot gewesen. Doch auch Abele sieht die Notwendigkeit, in die Schulen zu investieren und Geld für die Digitalisierung bereit zu stellen, insbesondere im Wettbewerb mit den privaten Schulen.

Die Digitalisierung der Schulen sei „unbedingt erforderlich“, sagt Bürgerliste-Sprecher Ullrich Dombrowski. Für problematisch hält er, damit in der Grundschule anzufangen. Denn Grundlagen wie Lesen und Schreiben seien wichtig. Es sei richtig, beim „Gmünder Sommer“ auf die Bremse zu treten, sagt Dombrowski. Und dass die Feierlichkeiten auf den Prüfstand gestellt würden. Gmünds Finanzpolitik bewertet er als „Politik von heute auf morgen“.

Es sei gut, Schulen voranzubringen, sagt FWF-Sprecherin Karin Rauscher. Die schnelle Entscheidung aber bewertet sie als „Vorauseilen“. Sie hätte gerne „die ganzen Karten auf dem Tisch“ gehabt.

„Noch viel größere Anstrengungen für die Schulen“ fordert Linke-Sprecher Sebastian Fritz. Es sei immer schwierig, etwas wegzunehmen, doch dieEntscheidung sei „verantwortungsbewusst“.

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© Gmünder Tagespost 18.11.2016 18:31