Gmünder Protest gegen Coca-Cola-Truck

Der knallrote Coca-Cola-Truck steht für Freude. Und Weihnachten. So wird er zumindest vermarktet. Am Donnerstag, 4. Dezember, soll er in Gmünd Station machen. Dagegen wehren sich 56 Gmünder in einem offenen Brief. Und bekamen prompt die Antwort von OB Richard Arnold.

MATTHIAS THOME

Schwäbisch Gmünd. Die Gmünder Touristik und Marketing GmbH, an der auch die Stadt Anteile besitzt, hat offensiv für den Coca-Cola-Truck auf dem Weihnachtsmarkt geworben. In einer Pressemitteilung forderte man „Kindergärten, Grundschulen, Jugend- oder Erwachsenenchöre“ dazu auf, „das Rahmenprogramm mit Musikbeiträgen, Gedichten oder einer aufgeführten Weihnachtsgeschichte aktiv mitzugestalten“.
Ein Aufruf, der vor allem Norbert Müller von terre des hommes Schwäbisch Gmünd und Hans Häußler vom Gmünder Weltladen sauer aufstieß. „Wenn wir in Gmünd uns als Fair-Trade-Town präsentieren, dann passen solche Aktionen wie der Weihnachtstruck von Coca Cola nicht“, sagt Müller. 2012 wurde Gmünd in den Kreis der „fairen Städte“ aufgenommen, die Organisation Transfair hatte sie unter anderen ausgezeichnet, weil einige Händler in Gmünd fair gehandelte Produkte verkaufen.
Um gegen den Truck des Megakonzerns zu protestieren, haben Müller und Häusler einen offenen Brief an Oberbürgermeister Richard Arnold, Bürgermeister Dr. Joachim Bläse und an alle Stadträte geschickt. Darin heißt es: „Warum setzen Sie sich als oberste Repräsentanten unserer Fair-Trade-Town (…) dafür ein, dass (…) Coca Cola, dem schwerste Menschenrechtsverletzungen (…) vorgeworfen werden, seine Werbeveranstaltungen für Produkte durchführen darf, die den Kriterien des fairen Handels nicht entsprechen?“ Damit beziehe man sich zum Beispiel auf Vorwürfe, der Konzern schalte in Kolumbien gezielt Gewerkschafter aus, erläutert Müller. Außerdem wird in dem Brief kritisiert, dass Kinder und Jugendliche als „Werbebotschafter für das Unternehmen und dessen Produkte vereinnahmt und instrumentalisiert werden“. Zum Schluss fordern die Verfasser, die Stadtobersten müssten endlich eine glaubwürdige Vorreiterrolle im Einsatz für den fairen Handel in der Kommune übernehmen. 56 Gmünder haben das Schreiben unterzeichnet, das Müller am späten Dienstagmorgen an die Stadtverwaltung geschickt hat.
Bereits am Abend folgte die Antwort von Oberbürgermeister Richard Arnold. Darin heißt es, der Truck sei in den vergangenen Jahren mehrmals in Gmünd gewesen und immer auf großes Interesse gestoßen. Deshalb sei er auch in diesem Jahr genehmigt worden. In seinem Schreiben betont Arnold, dass viele Betriebe und Organisationen aber auch die Stadtverwaltung selbst viel dafür unternehmen, um fair gehandelte Produkte zu fördern. „Allerdings möchte ich (…) nicht verschweigen, dass der Besuch des Coca-Cola-Trucks (…) eine Attraktion für die Innenstadt darstellt“, so Arnold. Er werde sicher dazu beitragen, dass der Weihnachtsmarkt und die Geschäfte von zusätzlichen Kunden besucht werden.
Arnold stimmt Müller jedoch in einem Punkt zu: Es sei sicher ein wenig unglücklich gewesen, die Schulen, Kindergärten und Jugendchöre zu dieser Veranstaltung einzuladen, „da die Kritik am Produkt Coca Cola sicher berechtigt ist.“ Dies werde er hausintern mit den zuständigen Stellen besprechen.
„Dass der OB das zugibt, ist durchaus positiv“, sagt Müller, kritisiert aber, Arnold widerspreche sich selbst, indem er die Kritik an Coca Cola als berechtigt einstufe, gleichzeitig aber den Truck verteidige. „Als Oberbürgermeister einer Fair-Trade-Stadt sollte Arnold sich für die damit verbundenen Werte einsetzen.“

© Gmünder Tagespost 02.12.2014 21:12:17